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| 02:46 Uhr

Am Stausee herrscht Radweg-Alarm

Überall bilden sich Risse, Wurzeln drücken nach oben: Das haben die SPD-Politiker auf ihrer Radtour festgestellt.
Überall bilden sich Risse, Wurzeln drücken nach oben: Das haben die SPD-Politiker auf ihrer Radtour festgestellt. FOTO: Dirk Süßmilch
Spremberg/Neuhausen. Ausgerechnet das Radwegenetz rund um den Spremberger Stausee gilt als Gefahr für Touristen: Risse haben sich gebildet, Wurzeln ragen aus dem Boden. René Wappler

Da bieten die Mitarbeiter der Spremberger Touristinformation ihren Besuchern mal ein besonderes Erlebnis an, das Fahren mit einem elektrisch betriebenen Zweirad namens Ninebot. Und schon müssen sie wieder davon abraten, es zu benutzen. Jedenfalls bei den Touren rund um den Spremberger Stausee. "Bei uns haben sich viele Gäste über den Zustand der Radwege beschwert", sagt der Chef der Touristinformation, Marco Wentworth. "Für diese Strecken eignen sich die Ninebots leider nicht, und das finde ich umso ärgerlicher, da es sich ja um eine der touristischen Hauptschlagadern unserer Region handelt."

Dabei gilt der Stausee auch bei Einheimischen als beliebtes Ausflugsziel. Drei Spremberger SPD-Mitglieder begaben sich vor wenigen Tagen auf eine Radtour rund um das Gewässer. So schnell werden sie den Ausflug nicht mehr wiederholen. Von einem "katastrophalen Zustand" spricht der Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese - zum Beispiel im Spremberger Stadtgebiet, auf der Wegstrecke zwischen Bühlow und der Minigolfanlage in Klein Döbbern. "Mich wundert, dass dort nicht einmal Warnhinweise aufgestellt sind", sagt Ulrich Freese. "Wenn wirklich mal was Ernstes passiert, kommt ja die Haftpflichtfrage ins Spiel."

Für Warnhinweise sind die jeweiligen Gemeinden verantwortlich: Das erklärt der Beigeordnete des Spree-Neiße-Kreises, Olaf Lalk. Allerdings glaubt er, dass eine Reparatur der verschlissenen Radwege schon bald beginnen könnte - mit Hilfe des Modernisierungskonzeptes für die Energieregion Spreewald. "Das wollen wir in Kürze beim Wirtschaftsministerium und der Investitionsbank des Landes Brandenburg einreichen", sagt er. "Für den gesamten Spree-Neiße-Kreis haben wir 10 Millionen Euro beantragt, und die Radwege am Spremberger Stausee gehören dazu." Der Plan sieht vor, die Radwege bis zum Jahr 2022 in Ordnung zu bringen, von den Gemeinden zu 20 Prozent mitfinanziert.

Trotzdem holt der SPD-Politiker Ulrich Freese zu einer Generalkritik aus. "Masse statt Klasse scheint beim Bau der Radwege eine Rolle gespielt zu haben", vermutet er. "Sobald ich nämlich auf der sächsischen Seite unterwegs bin, verbessert sich die Qualität." Der Bundestagsabgeordnete hält es für fatal, dass die Strecke um den Stausee so lange vernachlässigt wurde: Wenn der Landkreis dieses Stück der touristischen Infrastruktur nicht schnell in Ordnung bringe, sei ein Imageverlust zu befürchten.

Tatsächlich zählen Radfahrer zu den Stammgästen von Hotels und Restaurants in der Region. Die brandenburgische Radverkehrsanalyse registrierte im Jahr 2015 im Spree-Neiße-Kreis mehr als 360 000 Radfahrer, 34 Prozent von ihnen Urlauber. Täglich gaben sie im Durchschnitt 15 bis 30 Euro aus.

Eine Arbeitsgruppe im Tourismusverein Spremberger Land stellt derzeit eine Liste mit Mängeln auf den Radwegen zusammen, um sie dann im Rathaus abzugebe: Das berichtet Marco Wentworth von der Touristinformation. "Sonst klappt die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ja", sagt er. "Wenn irgendwo ein Baum auf dem Weg liegt, wird er nämlich schnell fortgeräumt."