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Altbauten sollen aus Dornröschenschlaf geweckt werden

Der Eigentümer der Fabrikantenvilla in der Gärtnerstraße steht bereits im Kontakt mit den Denkmalbehörden.
Der Eigentümer der Fabrikantenvilla in der Gärtnerstraße steht bereits im Kontakt mit den Denkmalbehörden. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Spremberg. Blutrote Rosen blühen vor der alten Loge an der Karl-Marx-Straße. Die große Antiquitätensuche, die in Vorjahren dort eine junge Familie ermöglichte, passte wunderbar ins Ambiente. Annett Igel-Allzeit

Aber das Betreten der Loge ist inzwischen in vielen Bereichen zu gefährlich. Das Schießhaus aus dem Jahr 1835 muss noch im 19. Jahrhundert ein Gesellschaftszimmer und seinen Anbau bekommen haben, bevor es 1922 aufgestockt wurde. Nach einer Vorplanung könnte die ehemalige Loge in ein Haus mit acht Zwei- und Dreiraumwohnungen umgebaut werden. Eine Kostenschätzung aus dem Jahr 2016 soll sich auf 1,6 Millionen Euro belaufen.

Wie das Stadtplanungsamt mitteilt, will die Stadt die Loge erwerben, sichern und dann erneut vermarkten. Seit Jahren weiß Stadtplanerin Claudia Wolf sie zu schätzen: Privatleute, die sich in einen Altbau verlieben, ihn für das Stadtbild retten wollen, Pläne schmieden, mit den Banken reden und dann wirklich beginnen. Aber sie weiß auch, dass spätestens im Verlauf eines solchen Vorhabens das Geld knapp werden kann. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Franziska Schaefer aus dem Stadtplanungsamt hat sie Förderrichtlinien gesichtet, die Stadtmittekarte abgegrast und eine Altbauaktivierungsstrategie für die Jahre 2017 bis 2024 entwickelt. Mit ihm soll Spremberg die Aufnahme in das Teilprogramm "Sanierung, Sicherung, Erwerb" (SSE) schaffen.

Altbauten, die das Stadtbild prägen, wieder nutzbar zu machen, versucht die Stadt seit Jahren mit ihrer Sanierungs- und Stadtbau-Umplanung. Seit 2003 kommen zudem Stadtumbaumittel aus dem Teilprogramm Aufwertung zum Einsatz. Für das SSE braucht die Stadtplanung stadtbildprägende Gebäude mit Handlungsbedarf: 17 Häuser auf der Spreeinsel und im erweiterten Stadtkern haben Franziska Schaefer und Claudia Wolf gefunden - drei in der Burgstraße, zwei in der Dresdener Straße, vier in der Friedrichstraße sowie jeweils ein Gebäude in der Berliner Straße, in der Gartenstraße, in der Gärtnerstraße, in der Georgenstraße, in der Karl-Marx-Straße, in der Pfortenstraße, in der Schulgasse und das einstige Postamt in der Poststraße. Bis auf eine Ausnahme sollen sich alle Objekte in Privateigentum befinden. Krankheit, Alter, fehlende finanzielle Mittel, fehlendes Interesse und auch undurchsichtige Eigentumsverhältnisse haben die Altbausubstanz über die Jahrzehnte weiter verschlechtert. Mit verschiedenen Merkmalen wie Zustand, die örtliche Lage, den Leerstand und dem baukulturellen Wert gelang es der Stadtplanung, die Häuser in drei Stufen einzuteilen. Allein sieben der Gebäude stehen unter Denkmalschutz oder haben einen starken gestalterischen und baukulturellen Wert. Und elf Gebäude - Claudia Wolf hat das fürs Postamt, das bis auf Weiteres nicht mehr genutzt werden kann, noch in der Bauausschusssitzung ergänzt - stehen leer. Zwölf - die höchste Punktzahl - bis zehn Punkte erreichten die Tuchfabrik Levy in der Georgenstraße, die Loge, die Sinapius-Villa in der Berliner Straße 65, das Wasch- und Färbehaus Dresdener Straße 32 und die Fabrikantenvilla Gärtnerstraße 3. Aber auch das Fabrikgebäude Pfortenstraße 11 b, in dem sich heute ein Gebrauchtwarenhaus befindet, steht noch in der zweiten Stufe mit erhöhtem Handlungsbedarf.

Schafft es die Stadt ins Teilprogramm SSE und geht die Altbauaktivierungsstrategie auf, könnten kurzfristig das Eckhaus Dresdener Straße 32 und die Loge mit rund 550 000 Euro Fördermitteln saniert werden. Weitere 400 000 Euro Fördermittel könnte bis 2024 zwei weiteren Projekten mit erster Priorität helfen. Aber auch fünf Gebäude der Stufen 2 und 3 sollen bis dahin mit 250 000 Euro saniert und drei mit je 5000 Euro teuren Erstprüfungen gesichert werden. Insgesamt hofft die Stadtplanung auf Fördermittel von mehr als 1,2 Millionen Euro. Bis zum 29. September ist das Konzept einzureichen - und dann auf willige Altbaueigentümer zu hoffen.