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| 01:09 Uhr

Als sich die Steuern erhöhten

2. Woche 1905.. Kaum hatte das neue Jahr begonnen, wurden die Steuern erhöht: „die Personalsteuer (Einkommenssteuer) um 16 Prozent und die Realsteuer (Grund- und Gebäude-, Gewerbe- und Betriebssteuern) um 2 Prozent“ . Dieser Geldbedarf musste begründet werden. Repro: Hübner

Wir fanden dazu zwei Mitteilungen. Ein 25-stündiges Gefecht wurde in Deutsch-Südwest-Afrika gegen die Hottentotten geführt. Am nächsten Tag waren es schon 50 Stunden. Es gab auf deutscher Seite 15 Gefallene, darunter fünf Offiziere und 40 Verwundete. Weiterhin wurde ein großer Reichs-Ordensbedarf ausgemacht. 220 000 Mark, 90 000 Mark mehr als im Vorjahr, waren im neuen Etat vorgesehen. "Und doch bleiben noch viele Knopflöcher leer." Herr Saebisch machte auch einen eigenen Steuer-Vorschlag. Das kleine Städtchen Schüttorf im Regierungsbezirk Osnabrück diente ihm dabei als Vorbild. Dort musste der Stadtdiener mit seiner Klingel durch die Straßen ziehen und jedem, der nicht an der Bürgervorsteherwahl teilnahm, 3 Mark Geldstrafe androhen. „Jedenfalls wäre eine derartige liebevolle Wahlaufforderung in Gestalt eines Strafbefehls bei allen Wahlen in Preußen angebracht.“ Aber er wusste noch Besseres. Je nach der Wählerabteilung (Steuerklasse) könnten 25, 10 oder 3 Mark „wegen unentschuldigten Fehlens“ gezahlt werden. Aber auch „Zuspätkommen, mangelhafter Fleiß“ (schlechtes Aufsagen der Kandidaten), „Unordnung“ (Vergessen des Wahlzettels), „schlechtes Betragen“ (im Wahllokal) „usw. müßten entsprechende, sofort zu entrichtende Bußen von 50 Pfg. bis 1 Mark festgesetzt werden. Auf diese Weise würden Staat und Gemeinde ihre Steuersäckel nach Belieben - ohne neue Steuern - füllen, und der schlechten Wahlbeteiligung wäre mit einem Schlage ein Ende gemacht.“ Immerhin wären damit bei der letzten Wahl im Landkreis Spree-Neiße 2 Millionen Euro, davon in der Stadt Spremberg 400 000 Euro, eingenommen worden - ohne Sondereinnahmen in den Wahllokalen. Unseres Erachtens ein höchst nachdenkenswerter Vorschlag. Danke, Herr Saebisch.
Unsere Stadtverordneten tagten wieder. Am 17. Januar 1905, um 4 Uhr am Nachmittag. Zwei geldwerte Tagesordnungspunkte haben wir sogleich ausgemacht. Nummer 22 - „Gewährung einer Remuneration“ (das ist eine Belohnung für geleistete Dienste) und Nummer 24 - „Anlage eines Kapitals“ .
Nicht erkennbar ist, ob ein Zusammenhang zu der folgenden Meldung bestand. Am 14. Mai 1904 wurde auf dem Kaiserlichen Postamt in Spremberg eine Postanweisung über 106 Mark und 75 Pfennige nach Cottbus aufgegeben. Diese hatte sich nach einem Dreiviertel Jahr als unzustellbar erwiesen. Der unbekannte Spremberger Absender sollte sich nun innerhalb von vier Wochen melden, sonst musste der Betrag an den Regierungsbezirk abgeführt werden.
Noch drei kleine Meldungen - als Zugabe: „Unsere Post=Brücke hat ein neues Geländer aus Eisen erhalten.“ Die Trattendorfer Jagdrevierpächter - „einige Berliner Herren“ - erhielten per Bahn zehn lebende Hasen zur Blutauffrischung im Revier. Einer der Langlöffel war bereits auf dem Transport eingegangen.
„Der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat nun mehr bestimmt, daß als Abzweigungspunkt für die Zweigbahn nach Spremberg die Haltestelle Haidemühl an der Bahn Petershain-Hoyerswerda gewählt wird.“

Der Witz Grausamkeit
 Ein Schulblatt stellte die Frage auf: Welches ist die größte Grausamkeit? - Die Antwort darauf lautete: "Wenn man einem Lehrer, welcher Frau und Kinder und nur 450 Mark Gehalt hat, einen guten Appetit wünscht."