Die gebürtige Hoyerswerdaerin ist Sanitäterin bei der Bundeswehr. Ihr großer Traum war es schon lange, an einem Auslandseinsatz teilzunehmen. Im Mai des Vorjahres tritt Stefanie die Reise ins Ungewisse an. Nach Kabul. Und es sollte beschwerlich werden. Erst mit dem Bundeswehr eigenen Airbus nach Usbekistan. Von da an mit der Transall über den Hindukusch. In Kabul angekommen sieht sie sich in einer anderen Welt: „Die Stadt geht in die Breite und nicht in die Höhe. Es herrscht Verkehrschaos pur und eine richtige Infrastruktur ist kaum zu erkennen“ , so ihre ersten Eindrücke. „Toiletten oder Strom gibt es dort einfach nicht. Ganz zu schweigen von gutem Trinkwasser. Die meisten Afghanen hausen in primitiven Lehmhütten. Die Reichen unter ihnen wohnen in Hochhäusern, in denen hier in Deutschland niemand freiwillig leben möchte“ , erzählt die Helferin.
Nicht weit von der Hauptstadt Kabul entfernt, hat die Isaf, eine Organisation zur Wahrung der inneren Sicherheit und der Menschenrechte, ihr Camp errichtet. Hier wird Stefanie Rose sich sechs Monate mit Sanitätern aus aller Welt um die Not leidende Bevölkerung Afghanistans kümmern. „Im Camp selbst sind die Bedingungen beinahe wie daheim in Deutschland“ , erzählt die gelernte Krankenschwester. Hier gibt es dann sogar eine Großküche, die den Bundeswehr-Soldaten täglich drei Mahlzeiten zubereitet. Aber auch die Unterbringung – alles westlicher Standard. „In unseren Wohn-Containern gibt es 24 Vier-Mann-Stuben mit Dusche und Toilette – alles ganz wie zu Hause“ , erzählt Stefanie Rose. Für sieben Stunden ist das Feldlazarett ihr täglicher Arbeitsplatz. „Im Camp ist man so gut wie nie alleine. Es gibt einfach keine Privatsphäre. Um erst einmal richtig rein zu kommen, benötigt man schon zwei bis drei Monate. Doch danach weiß man auch, dass man etwas geschafft hat, auf das man stolz sein kann“ , berichtet Stefanie Rose. Während ihrer Schichten wird sie mit der Realität in dem armen Land schonungslos konfrontiert. „Täglich sind zahlreiche Minenopfer, Schuss- und Verkehrsverletzungen zu behandeln. Auch gibt es immer wieder Frauen, die mit schweren Verbrennungen, verursacht durch den eigenen Ehemann, kommen. Oftmals werden dann irgendwelche Ausreden erfunden, um die Misshandlungen zu vertuschen“ , erzählt die Sanitäterin bestürzt. Aber auch seitens der Hygiene mangelt es der Bevölkerung doch sehr. „Die Leute kommen mit Krankheiten, die bei uns schon so gut wie ausgestorben sind. Die Bilder sind teilweise richtig erschreckend“ “, berichtet die 23-Jährige. Trotz manch haarsträubender Situation ist es letztendlich die Gemeinschaft im Camp selbst, die sie geprägt und voran gebracht hat, schätzt sie selbst ein. „Durch die Multinationalität kommt man mit so vielen interessanten Leuten in Kontakt. Da kann man nur immer wieder dazu lernen“ , sagt Stefanie Rose. Am schwersten ist ihr der Abschied von den vielen afghanischen Kindern gefallen, die sie in der Zeit ihres Aufenthalts betreut hat. Sie waren der eigentliche Lichtblick während der Zeit im Lager. „Die Kinder schauen einen immer herzlich mit ihren riesengroßen braunen Kulleraugen an. Selbst über Kleinigkeiten freuen sie sich riesig. Das ist sehr ergreifend“ , sagt Stefanie Rose noch nachträglich richtig gerührt. Im Gegensatz zu den Erwachsenen können einige von den afghanischen Kindern auch Englisch sprechen. Doch das ist ein verschwindend geringer Prozentsatz. „Für den Großteil der zu Behandelnden wird immer einen Übersetzer gebraucht. Selbst nachts muss immer einer da sein, der die Amtssprachen Dari und Paschtu beherrscht.“ Insgesamt begegnet die Bevölkerung Afghanistans der Bundeswehr durchaus wohlwollend. „Die Menschen sind unendlich dankbar für den Einsatz, den wir leisten. Durch Spendengelder ist es möglich geworden, dass jetzt neue Schulen, Krankenhäuser und auch Kinderheime entstehen können“ , erzählt die begeisterte Sanitäterin. Im November hat sie ihren sechsmonatigem Einsatz beendet. Den so gastfreundlichen Afghanen Lebewohl zu sagen, ist ihr schwer gefallen. Auch die Trennung von den Kindern. Doch eins steht für Stefanie Rose fest. „Ich würde so einen einen Einsatz jederzeit wieder machen.“ Auch wenn sie viel Leid miterlebt hat, es sind für die Sanitäterin die kleinen Glücksmomente, die sie den Bedürftigen schenken durfte. Das überwiegt alles.