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Allzu oft fürchten sich die Opfer

Wer schon öfter Gerichtsprozesse besucht hat, der wird auf ein merkwürdiges Phänomen gestoßen sein. Mitunter scheinen die Angeklagten kaum von Gewissensbissen geplagt zu sein, während sich die Opfer der jeweiligen Straftat regelrecht fürchten.

Eine Erklärung dafür könnte in dem Umstand liegen, dass es für keinen Menschen angenehm ist, die schmerzhafte Phase der Hilflosigkeit mit einer Aussage vor Gericht erneut aufleben zu lassen. Dies wird sicher auch im Fall der Spremberger Geiselnahme vor einem halben Jahr eine wichtige Rolle spielen.

Deshalb ist es so wichtig, dass es den Weißen Ring gibt. Seine Mitarbeiter sorgen dafür, dass sich die Opfer von Straftaten nicht allein gelassen fühlen - und dass sie sich weniger von ihrer Furcht übermannen lassen. Im Sinne des alten Sprichworts: Angst ist ein schlechter Ratgeber. r.wappler@lr-online.de