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Spremberg
Alle unter einem Dach

Aus Sicht der Lenkungsgruppe wird ein Mehrgenerationen-Wohnen den Dialog der junger und alter Spremberger fördern.
Aus Sicht der Lenkungsgruppe wird ein Mehrgenerationen-Wohnen den Dialog der junger und alter Spremberger fördern. FOTO: Rene Wappler
Spremberg. Spremberger gehen auf Partner-Suche fürs Mehrgenerationen-Wohnen. Annett Igel-Allzeit

Die dreijährige Hanna, ihre Eltern und der besten Freund der Familie sind auf der Suche. Sie wollen andere Familien, Seniorenpaare oder Singles finden, die mit ihnen das Projekt Mehrgenerationen-Wohnen wagen. Für Großstädte lassen sich solche „Projekt-Gesuche“ öfter finden. Die Kreuzkirchengemeinde in Cottbus hat den Bau für Mehrgenerationen-Wohnen  gestartet. Pfarrer Hinrich Müller hofft, im Herbst die ersten von insgesamt 20 Wohnungen anbieten zu können. „Aber auch kleinere Städte ziehen nach“, weiß die Sprembergerin Birgit Kamenz. Im sächsischen Rietschen konnte die Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft Niesky fürs Wohnprojekt gewonnen werden.

Auch für die Stadt Spremberg ist die Idee nicht neu. Es muss sie nur jemand anpacken.  Gemeinsam mit Benjamin Schorg, Sprecher der Spremberger Lenkungsgruppe Generationenfreundliche Stadt, stellte Birgit Kamenz im jüngsten Bildungs- und Sozialausschuss das Mehrgenerationen-Wohnen vor.  Als Standortleiterin im Mehrgenerationenzentrum „Bergschlösschen“ der Stiftung SPI will sie das Mehrgenerationen-Wohnen gern begleiten – am besten gemeinsam mit dem zweiten Spremberger Mehrgenerationenzentrum der Volkssolidarität.

„Doch wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt sie. Die Idee: Im Erdgeschoss wohnen barrierefrei die Senioren, in der Mitte haben die Familie Platz, ins Dachjuchhe ziehen junge Singles. Die Generationen helfen einander: beim Einkauf, bei der Kinderbetreuung, beim Anbringen neuer Lampen. Einiges werde genau zu regeln sein: die Nebenkosten, die Lösung von Konflikten, der Winterdienst, die Gartenpflege, der Fall, dass jemand auszieht. Neben der Privatsphäre in der eigenen Wohnung gibt es einen Raum im Haus, auf dem Hof, im Garten, wo gemeinsam gefeiert, sich zum Schachspielen oder Internet-Surfen getroffen werden kann.  

Der Ausschussvorsitzende Klaus-Dieter Peters (Vereinte Wählergruppen) kennt solche Häuser aus Aachen. Er hofft, dass es das Spremberger Wir-Gefühl wieder stärkt. „Wir werden demnächst in der Spremberger Bevölkerungsstatistik das Durchschnittsalter 50 überschreiten. Das Projekt könnte helfen, dass wir dem nicht ganz so schwarz entgegensehen“, sagt Peters. Ilona Schulz (Linke) erinnert daran, dass die Idee vom Mehrgenerationen-Wohnen schon einmal für den inzwischen abgerissenen Wohnblock in der Jägerstraße im Gespräch war. Der sachkundige Einwohner Marcus Jank rät nach seinen persönlichen Erfahrungen dazu, dass ein Mehrgenerationen-Wohnen in der Nähe eines Pflegeheims angesiedelt wird.

„Der Bedarf ist da“, weiß Birgit Kamenz. Die Lenkungsgruppe hofft, mit diesem Vorhaben den Generationen-Dialog weiter zu entwickeln. Leer stehende Immobilien eigenen sich, aber auch neu gebaut werden könnte. Gespräche mit der Spremberger Stadtplanerin und mit einem Investor auf dem freien Wohnungsmarkt stehen im Terminkalender. Eine Wohnungsgesellschaft, so Birgit Kamenz, hat ebenfalls Interesse signalisiert. „Die traditionelle Großfamilie gibt es kaum noch, also wird nach neuen Formen des Zusammenlebens gesucht. Viele ältere Menschen fühlen sich in ihrem Haus inzwischen einsam. Aber für Senioren, die keinen Lärm aushalten, ist das Projekt nicht das Richtige“, gibt sie zu bedenken.

Neben Bewohnern müssten Partner gefunden werden. „Wir brauchen ein Konzept und werden nach Fördermitteln suchen müssen“, sagt sie. Deshalb werde am Jahresende noch kein Mehrgenerationen-Wohnhaus in Spremberg stehen, vielleicht aber das Konzept dafür.          

Blick auf den künftigen Gemeinschaftsraum am künftigen Mehrgenerationen-Wohnhaus in Rietschen.
Blick auf den künftigen Gemeinschaftsraum am künftigen Mehrgenerationen-Wohnhaus in Rietschen. FOTO: Regina Weiß