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| 19:46 Uhr

Landtagswahl 2019
Spree braucht Wasser und Geld

 Die Färbung der Spree macht den Teilnehmern des Drachenbootrennens am 31. August möglicherweise nichts aus. Am Mittwoch stand sie aber im Mittelpunkt einer Diskussion mit Landtagskandidaten in Spremberg. 
Die Färbung der Spree macht den Teilnehmern des Drachenbootrennens am 31. August möglicherweise nichts aus. Am Mittwoch stand sie aber im Mittelpunkt einer Diskussion mit Landtagskandidaten in Spremberg.  FOTO: Martina Arlt
Spremberg. Eine saubere Spree wollen alle Lausitzer Landtagskandidaten. Doch um welchem Preis? Von Annett Igel-Allzeit

Die Wasserbehandlungsanlage des Bergbausanierers LMBV in Neustadt/Spree läuft im Testbetrieb. Wer wollte, konnte sich das vorm politischen Talk des Aktionsbündnisses „Klare Spree“ am Mittwoch anschauen. Im Anschluss hat Dieter Perko (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree und Vorsitzender des Aktionsbündnisses, die Landtagskandidaten bewusst nach Spremberg eingeladen. „Ich wüsste nicht, wo sonst die Spree dramatischer aussieht“, sagt Perko. „Alle bisher geplanten Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die Zielwerte für Eisen von 1,8 Milligramm pro Liter und für Sulfat von 220 Milligramm pro Liter laut Obergewässerverordnung zu erreichen.“

Raik Nowka (CDU) hat den Kreistag in Forst für die Diskussionsrunde extra früher verlassen. Die Linke schickt Anke Schwarzenberg nach Spremberg. Sie kandidiert für den Nachbarwahlkreis 41, beschäftigt sich im Umweltausschuss des Landtages aber intensiv mit der braunen Spree. Jörg Rakete (SPD) kommt mit seinem Wissen aus dem Braunkohleausschuss. Für Bündnis 90/Die Grünen debattiert Benjamin Raschke, der Spitzenkandidat aus dem Spreewald. Heiko Selka (BVB/Freie Wähler) kennt die Spree, der stellvertretende Landesvorsitzende kandidiert im Wahlkreis 43 (Cottbus-Nord). Die FDP muss absagen, Meike Holtsch aus Spremberg wurde im Kreistag gebraucht. Der AfD-Landesverband hat Detlef Fabian benannt, der nach eigenen Aussagen Mitglied des Aktionsbündnisses „Klare Spree“ ist, aber doch verwundert wirkt, dass er nun ins Podium muss.

Raschke ist Realist: „Wenn alle laufenden und geplanten Maßnahmen der LMBV greifen, kann der Eisengehalt der Spree um 30 Prozent reduziert werden, nicht um 100 Prozent.“ Auch Anke Schwarzenberg spricht von einer Aufgabe für „Generationen“. „Und es wird Geld kosten“, befürchtet Jörg Rakete. Deshalb wolle er den Bergbaubetreiber Leag auch lieber arbeiten lassen, „als jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf zu treiben“. Und ein Landtagsbeschluss in Potsdam führe nicht zum Ziel, so der SPD-Mann: „Die sächsischen Kollegen müssen mit ins Boot.“ Nach Sachsen schaut auch Heiko Selka. Und Detlef Fabian von der AfD befürwortet sogar, dass in den Strukturen des ehemaligen Braunkohlebezirks Cottbus gearbeitet werde.

Wie wichtig die Zusammenarbeit mit Sachsen und Berlin zur Spree ist, sei durchaus erkannt, erklärt Anke Schwarzenberg. Aber auf politischer Ebene müsse die länderübergreifende Zusammenarbeit noch intensiviert werden – auch zwischen den beiden Umweltausschüssen.

Der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU), der schon als Bürgermeister von Spremberg mit der braunen Spree zu kämpfen hatte, spannt den Bogen zum Wassermanagement. Überrascht habe nämlich viele Abgeordnete in Potsdam und Berlin, dass der Großteil des Wassers der Spree aus den Tagebauen komme und die Spree im Sommer sonst kaum fließen würde.

Anke Schwarzenberg nickt: „Der Wasserhaushalt wird zu wenig beleuchtet. Die Quantität ist ein größeres Problem als die Qualität.“ „Dann müssen wir die Pumpen weiter laufen lassen“, sagt Raschke von den Grünen. „Das muss es uns wert sein. Und wenn wir Dichtwände für eine klare Spree brauchen, sind auch die zu bauen. Und unsere riesigen Tagebaufolgeseen sollten als Speicher genutzt werden.“ Raschke zitiert aus einer Antwort der Landesregierung zur Verdunstung durch die Bergbaufolgeseen: „Pro Sekunde verdunsten auf der aktuellen Seefläche von etwa 12 500 Hektar 2,97 Kubikmeter Wasser. Im Jahr sind das durchschnittlich 92,5 Millionen Kubikmeter Wasser.“ Wird die Fläche nach dem Auslaufen der Tagebaue mit rund 15 000 Hektar Seenflächen in der Lausitz komplett, werde die Verdunstung bei 3,57 Kubikmeter pro Sekunde liegen.

„Wir können weiter Wasser heben, wir können auch einen Kanal von der Elbe zur Spree bauen, aber es muss einer bezahlen“, diskutiert Schulze weiter mit, um die Landtagskandidaten dann aber zu warnen. „1993 gab es eine ähnliche Diskussion. Da wollte der Bund das ganze Problem Wasserhaushalt an die Region abgeben. Und genau da müssen Sie, egal zu welcher Fraktion Sie gehören, aufpassen.“

Lohsa II ist ein solcher Speicher. Einen Teil des Cottbuser Ostsees zum Speichern zu nutzen, war abgelehnt worden. Chancen dafür gebe es noch am Klinger See, in Jänschwalde und in Welzow-Süd. „Aber auch wenn sich da Möglichkeiten ergeben, hätten wir nur den Körper. Was dann immer noch fehlt, ist das Wasser. Die Neiße wird schon angezapft“, so Anke Schwarzenberg. Es müsse weiter nach Projekten gesucht werden und Mittel in die wissenschaftliche Begleitung fließen, sagt sie.

Perko verspricht, dass das Aktionsbündnis „Klar Spree“ an seinem ureigenen Thema dran bleiben werde. Eine Forderung des Aktionsbündnisses bleibt die Beräumung der Talsperre Spremberg, wie sie jetzt ständig an der Vorsperre Bühlow läuft. Dass sich im Staufuß und im Stausee selbst Jahr für Jahr viel Eisenschlamm ablagert, beobachtet das Aktionsbündnis. „Das Volumen des Stausees wird kleiner, auch weil Bereiche des Grundes während der zehnjährigen Sanierung  der Staumauer trocken lagen und zugewachsen sind“, so Perko. Anfang Juli hatte das Landesamt für Umwelt auf eine RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt: „Über eine Entschlammung der Hauptsperre wird nach wie vor nicht nachgedacht. Sie ist weder wasserwirtschaftlich noch ökologisch erforderlich.“

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Logo Wahlen 2019 FOTO: LR / Janetzko, Katrin
 Die Färbung der Spree macht den Teilnehmern des Drachenbootrennens am 31. August möglicherweise nichts aus. Am Mittwoch stand sie aber im Mittelpunkt einer Diskussion mit Landtagskandidaten in Spremberg. 
Die Färbung der Spree macht den Teilnehmern des Drachenbootrennens am 31. August möglicherweise nichts aus. Am Mittwoch stand sie aber im Mittelpunkt einer Diskussion mit Landtagskandidaten in Spremberg.  FOTO: Martina Arlt