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| 18:15 Uhr

Landtagswahl 2019 Spremberg
Hanko schwimmt auf Erfolgswelle

 Michael Hanko (AfD)
Michael Hanko (AfD) FOTO: AfD
Spremberg. Bereits bei der Kommunalwahl wurden die Weichen für die aktuelle Landtagswahl gestellt. Von Annett Igel-Allzeit und Marcel Laggai

Michael Hanko (AfD) gilt als Gewinner der Landtagswahl. Mit einem Wahlergebnis von 35,86 Prozent hat Hanko das Direktmandat im Wahlkreis 42 holen können. Doch überrascht haben ihn die Zahlen nicht: „Die Kommunalwahl hat bereits gezeigt, dass wir viele Leute auf unserer Seite haben, deren Interessen wir nun auch in Potsdam vertreten.“ Priorität habe dabei die Entwicklung der Wirtschaftsregion Lausitz und das Schaffen von Anreizen, um Leute in die Region zu locken.

Dabei bezieht sich Hanko speziell auf den Lehrermangel, an dem die Landesregierung eine konkrete Mitschuld trage. „Es gibt genug Lehrer, aber die Regierung greift ja viel lieber auf günstige Quereinsteiger zurück“, so Hanko. Zudem sei die Bezahlung im Westen besser als im Osten, und das müsse sich schnell ändern. Obwohl für den AfD-Politiker schon heute die ersten politischen Gespräche anstehen, soll seine Heimat nicht ins Hintertreffen geraten. „Ich werde viel unterwegs sein, aber die Region wird dadurch nicht vernachlässigt“, verspricht Hanko, der sich nicht als Berufspolitiker sieht. Allerdings sei ihm bewusst, dass man ihm nun genauer auf die Hände schauen werden.

Raik Nowka (CDU) muss tief durchatmen. Er ist seit Sonntag kein Landtagsabgeordneter mehr. 15 Sitze erhält die CDU im neuen brandenburgischen Landtag laut vorläufigem Endergebnis. Der Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete aus Sprembergs Ortsteil Graustein hatte Listenplatz 18. „Bei der Erststimme hatte ich auf mehr gehofft“, gesteht er. Mit 20,45 Prozent – 4769 Stimmen im Wahlkreis 42 – blieb er knapp hinter Jörg Rakete (SPD) und deutlich hinter Hanko. „Ich hoffe, dass Ingo Senftleben für das Ergebnis die Konsequenzen zieht. Die Themen, die die CDU auf Landesebene gesetzt hat, gingen an unseren Themen hier in der Region vorbei. Wir haben uns kaum noch von den anderen Parteien unterschieden. Senftleben hat aus meiner Sicht nicht das Mandat, Koalitions- oder Sondierungsgespräche zu führen“, wird Nowka deutlich. Er rät seinen Parteikollegen auf Landesebene, nach diesem Wahlergebnis lieber in der Opposition zu arbeiten, als Mehrheitsbeschaffer einer rot-grünen Regierung zu sein und sich weiter abschleifen zu lassen.

Nowka wartet nun ab, wie viel Zeit ihm mit der Rückkehr in die Vollbeschäftigung für die Kommunalpolitik bleibt. „In der Bildung will ich weiter Gas geben.“ Sorgen mache er sich, dass den Bereichen Wirtschaft und Gesundheit in der Region fortan wichtige Ansprechpartner in der Landespolitik fehlen.

Für Jörg Rakete sind die Wahlergebnisse rückblickend „kein Grund für Jubelsprünge“. Schließlich war der SPD-Politiker mit dem Ziel angetreten, nach der Wahl im Landtag zu sitzen. Stattdessen schaffte es der Sozialdemokrat in Spremberg nur auf 24,9 Prozent und im Amt Döbern auf 30,9 Prozent. Stets aber hinter der AfD und in Spremberg sogar hinter der CDU. Rakete will nach vorn schauen und sich auf die Arbeit als ehrenamtlicher Bürgermeister und in der Kommunalpolitik konzentrieren. Seine Lehre hat Jörg Rakete aus den Wahlen gezogen: „Wir müssen wieder raus zu den Menschen und unsere Partei in der Fläche vertreten, um zu zeigen, dass wir ein offenes Ohr für die Menschen haben und ihre Sorgen ernst nehmen.“

 Auf dem Weg nach Schwarze Pumpe am Montag nach der Landtagswahl.
Auf dem Weg nach Schwarze Pumpe am Montag nach der Landtagswahl. FOTO: LR / Annett Igel-Allzeit

Birgit Kaufhold (Linke) hat sich die Zahlen genau angeschaut: „In der Erststimme konnte ich mit 2097 Stimmen in meinem Wahlkreis 247 Stimmen mehr holen als meine Partei in der Zweitstimme.“ Damit habe sich ihr Aufwand im Wahlkampf gelohnt, sagt sie. Aber es tue weh, dass die Wähler vergessen haben, dass es die Linken waren, die die Elternbeitragsfreie Kita und den Erhalt aller Krankenhäuser der Grundversorgung eingebracht hatten. Kaufhold will sämtliche demokratischen Kräfte aufrufen, „gemeinsam die Politik der AfD zu entlarven“. Ihr Ergebnis in Proschim freut sie: Von den 128 Wählern im Dorf am Tagebau Welzow-Süd, das auf die Entscheidung zur Abbaggerung wartet, hat sie 21 Stimmen bekommen – 16,94 Prozent für das klare Nein zu weiteren Tagebauen. Aber die meisten Stimmen zog auch in Proschim Michael Hanko mit 33,87 Prozent.

Dass die Welzowerin Karin Noack (Bündnis 90/Die Grünen) in Proschim 20,97 Prozent holt, freut Heide Schinowsky, die Karin Noack bei einigen Auftritten in der Lausitz vertrat. „Der Wahlkreis 42 ist für uns Grüne keine einfache Region. Wahlkampf ist leichter, wenn man in der Region verankert ist. Aber zur Kommunalwahl hat es mit Benny Schuster schon ein Grüner in die Spremberger Stadtverordnetenversammlung geschafft, und auch mit dem landesweiten Ergebnis dürfen wir zufrieden sein. Darauf“, so Heide Schinowsky, „lässt sich etwas aufbauen.“