Angesichts der hier wohnenden mehr als 4000 Arbeitslosen zeigte sich Organisationschef Klaus Kroll von der Bürgerinitiative gegen Sozialabbau in Spremberg (Biss) zwar nicht zufrieden, jedoch nicht entmutigt. Denn die obligatorische Frage nach dem Durchhalten wurde wie an den Montagen zuvor mit Beifall quittiert. Peter Ehrentreich beklagte, dass viele noch immer wie gelähmt seien. Sie müssten vielmehr begreifen, dass ohne gemeinsamen Protest nichts zu verändern sei, dass die Gegenseite nur dadurch erkennen würde, „dass sie mit uns reden muss“ . Er forderte von Hartz IV Betroffene dazu auf, aus ihrer Vereinzelung zu kommen und die Angst vor der Öffentlichkeit zu überwinden. „Wir müssen die Agenda-Praxis zu einem öffentlichen Skandal machen“ , ermunterte Ehrentreich zum Mut, mit dem eigenen Schicksal nicht hinter dem Berg zu halten.

Für friedlichen Protest
Ausdrücklich hatte sich Klaus Kroll zuvor von solchen Formen des Protestes wie Randale und dem Besetzen von Arbeitsämtern distanziert: „Das ist es nicht, was wir wollen, die Leute, die in den Ämtern sitzen, können nichts dafür. Unser Protest richtet sich gegen diejenigen, die ein Gesetz verabschiedet haben, durch das wir unter die Räder kommen. Und wir müssen verhindern, dass auch die Wirtschaft nach 1-Euro-Jobs greift.“ Kroll tat auch seinen Unmut kund, dass unter den Bundestagsabgeordneten auch einer aus der Lausitz ist, der als Betriebsratsvorsitzender und Volksvertreter doppelt Geld einstreicht. Kroll gehört mittlerweile zu jenen, denen empfohlen wurde, sich nach angemessenem Wohnraum umzusehen. Er bewohnt eine 56-Quadratmeter-Wohnung.

Von Gebühren befreien
Mit einem praktischen Tipp meldete sich Petra Ruschel zu Wort: Eine Befreiung von den GEZ-Gebühren könnten Arbeitslosengeld II-Empfänger in Anspruch nehmen. In der kreislichen Hartz IV-Behörde in der Gerberstraße seien entsprechende Anträge auszufüllen. Diese seien wiederum Voraussetzung, um den Telekom-Sozialtarif zu beantragen. Unterstützung gebe es in der Arbeitslosenservice-Einrichtung in der Heinrichstraße, erinnerte Klaus Kroll. Am Donnerstag wird der Sozialdezernent des Spree-Neiße-Kreises Hermann Kostrewa Gast der Bürgerinitiative sein. Unter anderem soll es um den Beirat gehen, der die Tätigkeit des Hartz IV-Eigenbetriebes des Landkreises begleitet. „Wir wollen Egon Wochatz zur Mitarbeit vorschlagen“ , so Kroll. (gb)