Hat Ihnen einst niemand davon abgeraten, Opernsängerin zu werden? Das Musikgeschäft gilt doch heutzutage als besonders riskant.
Oh, es gab schon sehr viel Skepsis. Ich war ja die einzige Musikerin in meiner Familie. So musste ich in meiner Kindheit erst meine Familie überzeugen, dass ich ein besonderes Talent besitze. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Meine Eltern haben mich immer unterstützt und bestärkt. Aber selbst mein Beschluss, nach Salzburg gesehen, war von gewisser Skepsis begleitet.

Vielleicht hilft diese Erfahrung, bei Gegenwind auf dem eigenen Weg zu bleiben.
Für mein Leben war das schon sehr wichtig. Zu wissen, dass ich kämpfen kann, vor allem um meine Träume, damit sie sich erfüllen - und dass ich nicht gleich aufgebe. Zugleich hat mir die Tatsache geholfen, dass ich stets auf gute Lehrer getroffen bin, schon damals an der Spremberger Musikschule. Zu den meisten von ihnen stehe ich heute noch in Kontakt.

Schaffen Sie es denn überhaupt noch, ab und zu nach Hause zu kommen? Im Grunde touren Sie doch durch die Welt, fast schon ohne eine Heimat.
Tatsächlich fragen mich meine Eltern regelmäßig: Wann kommst du denn wieder mal her? Während der Osterfeiertage war ich mit Konzerten und Opernaufführungen ausgebucht. Zur Weihnachtszeit konnte ich gerade mal zwei Tage bei meiner Familie verbringen, weil mich ein Engagement in Salzburg erwartete, und von dort bin ich gleich weiter nach New York geflogen.

Gerade halten Sie sich ja wieder in New York auf.
Allerdings gilt Salzburg derzeit als mein Hauptwohnsitz. In New York habe ich wiederum einen außergewöhnlichen Gesangslehrer gefunden, für den ich nun in Salzburg gerade einen Meisterkurs organisiere. Doch viele meiner Anfragen für den Herbst und den Winter kommen dann eben aus New York.

Wodurch zeichnet sich ein guter Gesangslehrer aus?
Da kommt es immer auf die Kommunikation zwischen beiden Seiten an. In gewisser Weise ist es wichtig, dass wir die gleiche Bildsprache benutzen. Das klingt erst mal seltsam, aber in unserem Fach funktioniert eben mehr über die Vorstellungskraft und Emotionen als über den reinen Verstand.

So seltsam klingt es nicht, eher einleuchtend: Anders als ein Sachbearbeiter im Finanzamt geben Sie in Ihrem Beruf stets auch Ihre Gefühlswelt preis - und das vor großem Publikum.
Nun ja. Bei uns schwingt immer auch die persönliche Ebene mit, und jede Stimme und jede Person hat nun mal ihren eigenen Charakter.

Halten Sie Ihre Stimme mit speziellen Rezepten fit?
Alkohol ist tabu. Genügend Schlaf, kein Kaffee, keine Zigaretten. Obwohl ich weiß, dass viele Sänger rauchen. Für mich wäre es nichts. Grüner Tee mit Ingwer hingegen - für den habe ich eine Schwäche.

Der hält ja auch prima den ganzen Tag über munter, ohne allzu sehr aufzuputschen.
So sieht es aus. Ein hilfreicher Effekt, ebenso wie die Vitamine, die in frischem Obst enthalten sind. Was mir dabei hier in Amerika auffällt: Es kostet tatsächlich mehr Geld, frisches Obst zu kaufen als fertige Vitaminpräparate. Ziemlich merkwürdig, doch sehr amerikanisch.

Nun, da Sie zwischen New York und Salzburg pendeln: Gibt es noch ein Ziel, das Sie erreichen wollen? Eine Herausforderung am Horizont?
Zunächst mal möchte ich in ein größeres Management, eine größere Agentur. Und für die Zukunft wünsche ich mir natürlich, in der Metropolitan Opera und an der Mailänder Scala zu singen.

Da Sie bisher Ihre Träume so hartnäckig verfolgt haben, könnte dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen.
Man muss halt immer auch ein bisschen Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Kontakte bedeuten viel in der Musikwelt.

Welche Entscheidung hat Ihnen besonders geholfen, dort anzukommen, wo Sie heute sind?
Vermutlich der Beschluss, zum Studieren aus der Heimat fortzugehen und ein Erasmus-Studium in Riga zu absolvieren. Später traf ich in Salzburg auf einen brillanten Lehrer und wurde für Konzerte in New York engagiert. So etwas meine ich, wenn ich von der richtigen Zeit am richtigen Ort spreche.

Mit Katrin Bulke

sprach René Wappler