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| 16:30 Uhr

Neue Anstöße
Von Rippen bis zur Terrassenstadt

Eine Studentengruppe präsentiert ihre Idee „Welzow als Insel“.
Eine Studentengruppe präsentiert ihre Idee „Welzow als Insel“. FOTO: Anja Guhlan
Welzow. 24 Studierende entwickeln neue Ideen für stadtnahe Bergbaufolgelandschaft in Welzow. Von Anja Guhlan

24 Studierende von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und fünf weiteren Hochschulen haben in den vergangenen Tagen während eines internationalen Studentenworkshops Ideen für neue Gestaltungsleitbilder der Bergbaufolgelandschaft Welzow-Süd entwickelt.

Sechs Ideenkonzepte wurden am Sonntagvormittag von den Studierenden selbst vorgestellt. Landschaftsarchitektin Dr. Christine Fuhrmann, die den Workshop leitete, zeigte sich äußert zufrieden mit den vorgestellten Ideenkonzepten.

So hat sich eine durchweg männliche Stundentengruppe die Arbeiten im Tagebau genauer ansehen und lineare Strukturen von Rippen im Tagebausand festgestellt. Genau diese Rippen werden für ein neues Gestaltungsleitbild aufgegriffen. So könnte die künftige Landschaft in „Welzower Rippen“ gestaltet sein. Diese rund 25 Meter hohen und etwa 200 Meter breiten Rippen haben Hänge, auf denen durchaus Weinbau oder Tierhaltung stattfinden kann. Zwischen den Rippen könnten auf kleinteiligen Flächen verschiedene Anbaugebiete entstehen, zum Beispiel mit Viehwirtschaft, Grün- oder Wasserflächen.

Eine andere Studentengruppe definiert Welzow als Insel und sieht die Stadt künftig am Welzower See mit Hafenanlage, Wohngebieten direkt am See, aber auch ökologischen Farmen und Weinanbaufeldern sowie einem Sternenpark.

Ein drittes Projektteam möchte die künftige Bergbaufolgelandschaft terrassenförmig nach Süden hin ausrichten. Eine richtige Terrassenstadt könnte entstehen – so die Vision. Die terrassenförmigen Landstriche könnten mit nachhaltigen Permakulturen und Aquaponic-Systemen, die eine Mischung aus Fischzucht und Pflanzenzucht darstellen, bewirtschaftet werden. Dazwischen könnten portable, gläserne Gewächshäuser entstehen. Die Glasindustrie der Stadt könnte wieder aufleben.

Eine vierte Studentengruppe bindet die alten Tagebaugerätschaften wie die vorhandenen Schaufelradbagger oder die F 60 mit in ihr Konzept ein. Die Tagebaugeräte sollen architektonisch zu Gebäuden umfunktioniert werden. Details wie das Schaufelrad sollen erhalten bleiben und aus den Gebäuden heraus ragen. In den Gebäuden könnten sich Bildungsinstitute für die Bereiche Kunst und Design, Handwerk und Technologie  niederlassen. Welzow könnte sich nach der Vision dieser Studierenden zu einer „schlauen Stadt“ entwickeln.

Ein sehr wirtschaftlicher Ansatz hat bei einer fünften Projektgruppe im Fokus gestanden: das Schaffen von Arbeitsplätzen. Bisher sind Arbeitsplätze in der Region stark mit dem Tagebau verbunden. Das könnte man laut den Studierenden durch rekultivierte Flächen frühzeitig wandeln.

Die Idee: Flächen mittels dem Zukunftswerkstoff Holz zu bewirtschaften. Anfangs könnte Welzow als Ausbildungsstätte für die Forstwirtschaft dienen. In weiteren Schritten könnten sich holzverarbeitende Unternehmen in dem Industriegebiet ansiedeln, so dass spätestens mit Ausstieg der Tagebaugeschäfte die Arbeitsplätze  unabhängig zum Tagebaubetrieb wären.

Eine sechste Projektgruppe verfolgt die Idee, mittels eines Saatflies neue kleinteilige Landschaften mit Sonnenblumenfeldern, Bäumen oder Obst- und Gemüseflächen  entstehen zu lassen. Auf den Flächen könnten auch Aktivitäten wie Freilufttheater, Feste oder Jugendcamps stattfinden.

„Am Ende setzen alle Studierenden weniger auf eine touristische Nutzung der Bergbaufolgelandschaft, sondern eher auf eine natürliche und wirtschaftlich nachhaltige Nutzung“, resümiert Christine Fuhrmann. Für die Welzower wünscht sie sich „Mut und Energie“, nun diese Ansätze von Gestaltungsideen der Studenten selber in die Hand zu nehmen. Gerne zeigt sie sich weiterhin bereit, die Stadt Welzow mit studentischen Ideen zu unterstützen. Dieses Angebot nimmt die Stadt gerne an.

Welzows Bergbaukoordinator Michael Pohl verweist darauf, dass Studien zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit weiter gehen und diese vorgestellten Ideen auch durchaus in kombinierter Form mit eingebunden werden könnten. Auch Carsten Kupsch als Welzower Stadtverordneter zeigte sich begeistert und dankte den Studenten für diese Ideen: „Es ist immer wieder schön, welche Sichtweisen junge Menschen haben.“