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20 Schweine aus Spremberg für Berlin

Was Harry Piel beim Stöbern in Ausgaben des "Spremberger Anzeigers" vom 5. bis 11. April 1915 entdeckt hat, berichtet er im Folgenden: Harri Piel

Vor 100 Jahren war beim Wetter und der politischen Lage einiges anders als heute: "Die Osterfeiertage sind von mildem Frühlingswetter begleitet als rechte Lenztage vorübergegangen. (...) Dem Ernst der Zeit entsprechend waren alle sonstigen Vereins= und öffentlichen Lustbarkeiten in Wegfall gekommen sodaß die Feiertage einen ungestörten würdigen Verlauf nehmen konnten."

Da wundert es dann nicht, dass wir einen Tag später lesen: "Frühlingserwachen in den Schrebergärten. (...) Stachel= und Johannisbeersträucher fangen schon an zu grünen. In den Schrebergärten werden dieses Jahr mit Rücksicht auf die durch den Krieg geschaffene Lage nicht viel Blumen und andere Zierpflanzen gehalten, sondern der Boden wird zum allergrößten Teil zum Anbau von Nahrungsmitteln ausgenutzt."

Neueste Bauernregeln

Lange waren sie vermisst, die allerneusten Bauernregeln. Nun sind sie wieder aufgetaucht. Wir nennen Ihnen die drei interessantesten. "Wenn der April bläst in sein Horn, so steht es gut um Heu und Korn. (...) Sind die Reben an Georgi noch blind, so erfreut sich Mann und Kind. (...) April=Regen bringt stets uns Segen."

Enttäuschende Meldung

Etwas enttäuscht sind wir dann von den Sprembergern bei der folgenden Meldung. "Bismarck=Gedenkfeier. Auch in unserer Stadt hat sich ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gestellt hat, das Andenken des Altreichskanzlers Fürst Otto v. Bismarck in würdiger Weise zu ehren. Am Sonnabend, den 10. April cr. soll im Gesellschaftshause eine Feier stattfinden, (...)."

Im Jahr 2015 war es zum Glück anders. Pünktlich am 1. April, seinem Geburtstag, wurde bei Schneefall und Sturm ein Banner am gleichnamigen Turm entrollt und anschließend eine kleine Gedenkfeier mit einigen Kurzvorträgen zu heute noch interessanten Geschichten um Bismarck im Hotel Georgenberg abgehalten. "Bewährte Kräfte haben ihre Zusage zur Mitwirkung gegeben, sodaß ein gutes Gelingen des Abends erwartet werden kann." Diesen saebischschen Satz können wir mit vollem Recht wiederholen, denn er galt auch am 1. April 2015.

Wenn es uns auch schwerfällt, wir müssen wieder über den Ersten Weltkrieg berichten. Es gab neue Bekanntmachungen und Vorschriften: eine "Vorratserhebung für Verbandstoffe" am 7. April und eine "Schweinezählung" am 15. April, wobei die letzte erst am 4. März war. Spremberg sollte 20 Schweine "für Rechnung der Zentraleinkaufgesellschaft Berlin" liefern. Im "Regierungsbezirk Frankfurt a.o." galt nun auch, dass in Gastwirtschaften mindestens ein Mittaggericht aus Schweinefleisch angeboten werden musste.

Verbot von Alkoholausschank

Erinnert wurden die Spremberger wiederholt und amtlicherseits daran, dass das Verbot von Alkoholausschank am Freitag, Sonnabend und Sonntag auch für einen Kognak, Likör und Grog gilt. Zum Abschluss gedenken wir der Opfer des Krieges: Sechs Heldentote, vier Verwundete und ein Gefangener waren es in dieser Woche.