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| 16:34 Uhr

Auf die Tonne, fertig, los
1. Lausitzer Mülltonnenrennen soll Gäste nach Sellessen locken

 Nicht nur zum Aufbewahren von Müll: Die 120-Liter-Tonnen werden durch wenige Handgriffe zu Renngefährten, die ordentlich Geschwindigkeit aufnehmen können.
Nicht nur zum Aufbewahren von Müll: Die 120-Liter-Tonnen werden durch wenige Handgriffe zu Renngefährten, die ordentlich Geschwindigkeit aufnehmen können. FOTO: LR / Marcel Laggai
Sellessen. Klingt komisch, ist es auch, aber die Organisatoren wissen um den Spaß dieser Veranstaltung. Am 28. September startet das 1. Mülltonnenrennen in der Lausitz. Anmeldungen sind noch möglich. Von Marcel Laggai

Man nehme eine westdeutsche Grundidee und verfeinere sie um eine Prise Lausitzer Erfindergeist: Prompt ergibt sich daraus eine Funsportart, die ihresgleichen sucht – selbst über die Grenzen der Lausitz hinaus. So geschehen in Sellessen. Denn dort entwickelte man das besonders in der Eifel beliebte Mülltonnenrennen um den Team-Aspekt weiter und plant – in Verantwortung des Vereins Grün-Weiß Sellessen – am 28. September das 1. Lausitzer Mülltonnenrennen. Doch wie bestreitet man eigentlich ein Rennen mit einer Mülltonne?

Mülltonnenrennen aus Süddeutschland importiert

Genau diese Frage stellte sich auch ein Freundeskreis aus Sellessen, als der Vorschlag am zurückliegenden Silvesterabend auf den „Tisch“ kam. Die Idee war sozusagen ein Urlaubsmitbringsel von Stefan Laaser, der bei einem Besuch in Süddeutschland mit dieser ungewöhnlichen Sportart in Kontakt kam. „So was habe ich noch nie gesehen, geschweige denn davon gehört“, so Laaser, dessen Begeisterung sofort geweckt war und der das Spektakel in die Region importierte. Entgegen ersten Vermutungen sitze man nicht in der Tonne, sondern liege vielmehr auf ihr, heißt es erklärend weiter.

Bei dem Sportgerät handelt es sich derweil um eine handelsübliche 120-Liter-Tonne, wie sie nahezu jeder Haushalt kennt. Allerdings seien dies ausgediente Abfallbehälter des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft vom Landkreis Spree-Neiße, wie Hellmuth Henneberg, der ebenfalls zu dem Freundeskreis gehört, beteuert. „Wir haben die Idee nach dem Jahreswechsel natürlich weitergesponnen und schlichtweg beim Landkreis angefragt, der uns wiederum völlig unkompliziert zehn Tonnen als Leihgabe zur Verfügung stellte.“

Mülltonnen haben ein wenig Tuning nötig

Doch über ausreichend Tonnen zu verfügen und sie in ein Sportgerät zu verwandeln sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, wie die Sellessener erfahren mussten. Den Deckel – für die Sicherheit – festzuschrauben ist ein Leichtes, aber der nötige Bremsmechanismus bedurfte einiger Tüftelarbeit. Verantwortlich dafür zeigte sich Jens Möschter. „Ob mit alten Schuhen, aus Holz oder letztendlich aus Plastik, wir haben etliche Varianten ausprobiert und dann, so denke ich, eine gute Vorrichtung entwickelt“, erklärt Möschter sichtlich stolz. Zusätzlich gebe es noch ein Kissen, um den Körper oder vielmehr den Beckenknochen vor den Vibrationen der Abfahrt zu schützen, so der Tüftler weiter.

„Zwischendurch standen wir immer wieder in engem Kontakt mit den Eifelroadrunners, die diesen Funsport seit Jahren betreiben und hilfreiche Tipps für uns parat hatten“, sagt Henneberg. Besonders die Handhabung verlangte den angehenden „Rennfahrern“ anfangs etwas Übung ab. Bäuchlings auf die Tonne legen, mithilfe der Rumpfmuskeln den vorderen Tonnenteil anheben, die Beine durchdrücken und das Gleichgewicht halten, sodass Fahrt aufgenommen werden kann. Klingt relativ einfach, aber der Stil musste peu à peu verfeinert werden, wie die knapp 20 Freunde erfahren mussten.

Team besteht aus „Schieber“ und „Fahrer“

Als „Rennstrecke“ haben die Organisatoren den Radweg gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr Sellessen auserkoren. „Zwar gibt es dort ein kleines Gefälle, aber irgendwie fehlte dem Wettkampf noch der besondere Pfiff“, wie sich Henneberg erinnert. Daher habe man das Rennen zu einem Team-Rennen umfunktioniert, fügt er hinzu. Fortan bestand das Team aus einem „Schieber“ und einem „Fahrer“. „Der Schieber muss die Tonne die knapp hundert Meter lange Strecke raufschieben und der Fahrer rast hinab.“ Der eigentliche Wettkampf besteht dann sowohl aus Zeitfahrt als auch dem Duell Team gegen Team. „Da die Tonnen für die gleichen Voraussetzungen von uns gestellt werden, ist die Anzahl der teilnehmenden Teams auf 20 begrenzt“, sagt Henneberg.

Dabei ist das Mülltonnen-Renngeschäft nicht ausschließlich der Männerwelt vorbehalten, wie Birgit Noack beweist. „Geschwindigkeit ist ja sowieso mein Fall, und von daher war ich seit den ersten Testfahrten Feuer und Flamme.“ Mit etwas Überredungsgeschick habe sie indes ihren Ehemann als Rennpartner gewinnen können, fügt sie schmunzelnd hinzu. Ohnehin sind erst neun Teams fest gemeldet, sodass noch immer die Möglichkeit besteht, ein Renn-Team auf die Beine zu stellen. „Selbst Jugendlichen ab 14 Jahren wird die Möglichkeit geboten, an dem Rennen teilzunehmen.“ Allerdings bedarf es einer Erlaubnis der Eltern, und auch ein Sturzhelm sei Pflicht beziehungsweise Protektoren empfohlen, so Henneberg. „Nicht zu vergessen die Inlineskates, die man bei uns notfalls auch leihen kann.“