ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:45 Uhr

Zwei mutige Schwarzbacherinnen wollen Satan besiegen

Sitzen die Dialoge für die Premiere? Rena Fiedler und Olaf Hain liefern sich vor den anderen Laiendarstellern ein Wortgefecht.
Sitzen die Dialoge für die Premiere? Rena Fiedler und Olaf Hain liefern sich vor den anderen Laiendarstellern ein Wortgefecht. FOTO: Manfred Feller
Schwarzbach. Der Aufwand ist enorm: Für eine einzige Vorstellung des Dorftheaters Schwarzbach am Sonnabend während des Dorffestes laufen die Vorbereitungen seit Monaten. Wer mitspielen möchte, der muss mittlerweile darum kämpfen. Manfred Feller

Olaf Hain ist gesetzt. Er spielt auch im dritten Teil von "Die Räuberkaupe" den Satan und damit eine der Hauptrollen. Selbst bei den lockeren Abendproben auf dem Festplatz unter Bäumen lässt er keinen Zweifel aufkommen, wer dem Stück seinen schauspielerischen Stempel aufdrückt. "Ich habe die böse Rolle, sonst keiner", hat er die Rückendeckung des Autos und Regisseurs Johannes Fiedler.

Beim Schreiben der Fortsetzung der "Räuberkaupe" hat der 70-Jährige nicht nur die Geschichte an sich im Blick, sondern auch die Akteure. Denen schreibt er die Charaktere und Dialoge gewissermaßen auf den Leib. Etwa 25 Seiten ist die neue, spannende Geschichte mit lokalen Bezügen lang. Johannes Fiedler steckt sehr viel Herzblut hinein. Er will unterhalten. Die Zuschauer sollen sich auch ein wenig gruseln. Der Humor darf aber ebenso wenig fehlen wie der lokale Aspekt, historische Bezüge und gut verpackte aktuelle politische Themen. Das wissen auch die vielen Akteure zu schätzen.

Und dann der weitere Aufwand für nur einen Abend. Das bisher Geschehene wird am Sonnabend kurz angespielt, damit die Zuschauer den Faden aufnehmen können. Alle Dialoge sind zuvor von den Laiendarstellern auf Band gesprochen worden. Darunter werden dann, passend zur jeweiligen Szene, Effekte, Geräusche und Musik gelegt. Bei der Aufführung müssen eigentlich nur noch die Lippen bewegt werden. Eigentlich. Doch die Darsteller haben natürlich den Ehrgeiz, ihren Text auswendig zu können. "Die Zuschauer merken, wenn einer nur so tut", warnt Johannes Fiedler vor zu viel Nachlässigkeit. Die Schwierigkeit wird sein, jede einzelne Szene absolut synchron mit dem ablaufenden Ton zu spielen.

Ohne diesen technischen Trick wäre die gewünschte akustische Vielfalt für ein Laientheater nicht beherrschbar. Die Schauspieler würden in ein Headset sprechen, während Techniker Musik und Geräusche mit großem Aufwand und zehntelsekundengenau in die jeweilige Szene untermischen müssten.

Olaf Hain hat seinen Text drauf. "Bei einer einmaligen Aufführung muss alles klappen und sitzen", ist er vom Erfolg am Sonnabend überzeugt. Seine Charakterrolle hat den 52-Jährigen in Schwarzbach fast schon berühmt gemacht. Selbst die Kinder wissen inzwischen: "Hier kommt der Teufel."

Der Züblin-Ingenieur hat Spaß am Spiel. Bereits als Kind war er im Kroppener Laienspiel. In Schwarzbach, wohin er vor 30 Jahren der Liebe wegen hingezogen ist, ist er seit etwa acht Jahren dabei. Ansonsten singt er im Chor und ist auch sonst vielfältig kulturell interessiert.

Das Dorffest bringt auch die entschwundenen Schwarzbacher zusammen. So ist Katrin Noack, die die wichtige Rolle der Anna (Freundin des Schusters) spielt, extra aus Berlin zum Proben angereist. Seit drei Jahren wohnt die Erzieherin in der Hauptstadt. Ihr Freund spielt einen der Räuber. "Das ist immer ein guter Anlass, um Familie und Freunde zu treffen", sagt die 27-Jährige, die sich übrigens auf Nachwuchs freut.

Eine andere starke Frau in dem Stück verkörpert Rena Fiedler. Die 45-Jährige ist die Gegenspielerin des Teufels. Wie viele andere der heute 35 erwachsenen Darsteller ist sie seit einigen Jahren dabei. "Es hat von Anfang an mächtig Spaß gemacht", schaut die Ur-Schwarzbacherin und Kita-Leiterin in Hosena zurück. So ein Ereignis schweiße die Dorfgemeinschaft noch mehr zusammen. Auch ihr Mann Holger (Räuberhauptmann) und Sohn Jonas (13, Statist) mischen mit.

Ein ordentliches Pensum wird Mathias Pannasch am Sonnabend hinlegen. Der 44-Jährige arbeitet bis 18 Uhr als Anlagenfahrer bei der BASF, steht dann im Bierwagen und ab 20 Uhr auf der Naturbühne.

Auch Bürgermeisterin Gabi Theiss (SPD/MdL) hat eine Rolle in dem Stück - die der Oma. Sie hofft, dass der Autor die Großmutter in einer eventuellen Fortsetzung nicht "totschreibt". Theater bereite generationsübergreifend so viel Freude.

Zum Thema:
Handwerker werden von Betrügern um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Ein Schuster aus Ruhland lässt sich dies nicht gefallen und sinnt auf Rache. Satan, verkleidet als feiner Mann, bietet ihm einen Trunk an. Dadurch geht der Mann leichtfertig einen Pakt ein, der ihm Macht und Reichtum verspricht. Er erhält einen Ring, mit dessen Hilfe er jeden bösen Wunsch erfüllt bekommt. Als Zeichen dafür wächst dem Schuster ein Wolfsfell. Auch sein Wesen wird ein anderes.Seine Freundin unternimmt alles, um ihn von diesem Weg abzubringen. Mit einer Kräuterfrau sucht sie nach einem Gegengift. Doch der Satan gibt sich noch nicht geschlagen. Was er ersinnt, das wird am Sonnabend ab 20 Uhr auf dem Festplatz mitten im Grünen zu erleben sein.