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| 02:43 Uhr

Zwei Leben für die Kunst in der Lausitz

Noch bis Ende Januar wird Leben und Schaffen des Senftenberger Künstler-Ehepaares Margo und Günther Wendt im Cottbuser Vattenfall-Verwaltungsgebäude mit einer Ausstellung geehrt. Anlass ist der jeweilige 100. Geburtstag der beiden herausragenden Heimatkünstler. Margo Wendt wäre 2007 100 Jahre alt geworden, und ihr Mann Günther hätte 2008 das 100. Lebensjahr vollendet. Von Heinz Hirschfeld

Die Heimatzeitung sprach mit Götz Wendt, dem 67-jährigen Sohn der beiden. Er lebt mit seiner Frau Wiebke in der Senftenberger Brauhausstraße - in jenem Haus, das einst seinen Eltern gehörte. Es ist nach deren Tod mehr und mehr zu einer gemütlichen Gemäldegalerie mit Kamin und Sesseln geworden. Den beiden Kunstliebhabern Götz und Wiebke Wendt gehören etwa 50 Gemälde ihrer Eltern.

Günther Wendt als absoluter Heimatfreund und Fan der Lausitz präsentiert sich in seinen Gemälden als realistischer Beobachter und fordert den Betrachter seiner Gemälde, durch die Anwendung verschiedener Maltechniken zur intensiven Auseinandersetzung mit der heimischen Natur auf.

Margo Wendt hingegen bevorzugte auf ihren Bildern die Darstellung von Menschen. Von ihr gibt es einige Arbeiten, die sich durch ihre ausgefallene Technik dem Betrachter besonders einprägen. So hat sie um 1928 während ihrer Studienzeit eine Ikone auf Holz gemalt. Es war ein Auftragswerk eines reichen Amerikaners, der Margo Wendts Kunstwerk aber aus irgendeinem Grund nicht abgeholt hatte.

"Zum Glück, sonst wäre es uns nicht erhalten geblieben", sagt Götz Wendt. Günther Wendt hatte Margo Pietschugin, eine Russin, während des Studiums in Berlin kennengelernt. 1932 heiraten beide und lebten fortan in Senftenberg. Margo Wendt schenkte ihrem Ehemann von 1935 bis 1943 vier Kinder.

Daneben wollte sie weiterhin kreativ bleiben. Das zeigen unter anderem die funktionalen Möbel, die sie selbst entworfen hatte. Auch ansonsten dachte sie praktisch und hat unterschiedliche Tafelbilder als Auftragswerke für Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen gemalt. "Mutters Kunstschaffen war bei Weitem nicht so lang wie das von Vater. Sie war nicht nur zehn Jahre in Russland als Gefangene und Zwangsarbeiterin, auch ließen ihre Hausfrauen- und Mutterpflichten ein intensiveres Kunstschaffen nicht zu", erzählt Götz Wendt.

Margo Wendt wurde nach Kriegsende im Senftenberger Krankenhaus durch die Russen als Dolmetscherin eingesetzt. Im April 1946 ist sie überraschend verhaftet und nach Russland deportiert worden. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie als Russin nach dem Studium nicht zurück in ihre Heimat gekommen sei. Damit verstießen die Russen gegen geltendes Völkerrecht. Der wahre Grund war, dass Stalin billige Arbeitssklaven für den Aufbau des Kommunismus benötigte.

In den zehn Jahren Gulag sammelten sich etliche imaginäre Porträts von "Gulag-Originalen" an, die sie später in Senftenberg vollendete.

Nach dem Ende des Studiums 1932 zog es Günther Wendt und seine Studienkollegin Margo Pietschugin in diese Stadt. Es war neben Wendts Heimatliebe der finanzielle Rückhalt im väterlichen Malerbetrieb, aber auch der Mangel an Kunst und Künstlern in der Region. Ihm bot sich ein breites Betätigungsfeld.

In den ersten Jahren nach dem Studium fällt Wendt durch die hervorragende Anwendung von Sgraffititechniken auf. Er hat sie in vielen Auftragswerken hinterlassen - in Senftenberg an der Wendischen Kirche, in Lauchhammer, Cottbus, Hoyerswerda, Lübbenau, Rostock usw.

Götz Wendt erinnert sich gut an seinen Vater: "Obwohl er bedingt durch sein künstlerisches Schaffen wenig Zeit hatte, war er sehr liebevoll. Wenn wir als Kinder auf die Toilette wollten, mussten wir durchs Atelier. Jeder kann sich vorstellen, dass wir ungewöhnlich oft ‚mussten', denn uns interessierte schon, was der Vater da alles machte. Obwohl er bei seiner Malerei nicht gestört werden wollte, erklärte er seiner ,Rasselbande' sein künstlerisches Schaffen."

Und weiter erzählt der Sohn: "Seltsamerweise ist keines von uns Kindern in die Künstlerfußtapfen der Eltern getreten. Nur meine um sechs Jahre ältere Schwester Jutta studierte an der gleichen Kunstschule in Berlin-Charlottenburg wie meine Eltern. Jutta arbeitete danach viele Jahre als Grafikerin beim RIAS."

Götz Wendt erinnert sich noch an den ersten gemeinsamen Urlaub ganz in Familie. Es ging an die Ostsee. Das war 1953.

Auch zu Hause habe es viele gemeinsame Erlebnisse gegeben, wie die sonntäglichen Spaziergänge. "Vater als Heimatfreund blieb oft stehen, und holte seinen Skizzenblock heraus. Das war immer der Anfang eines neuen Werkes. Vater fand seine Motive in der Natur und in den Industrielandschaften der Region", erinnert sich Götz Wendt mit leuchtenden Augen.

Günther Wendt war von 1952 bis 1971 Leiter des Senftenberger Museums. "Vater war natürlich bestrebt, als Familienoberhaupt Geld zu verdienen. So malte er aus Verbundenheit mit dem Senftenberger Theater Bühnenbilder. Das Theater ging bei uns ein und aus", weiß Götz Wendt.

Es habe auch viele freundschaftliche Gespräche über Gott und die Welt gegeben. "Vater war ein geselliger Mensch, der gern lachte, und die Gemütlichkeit liebte. Er hat mal anhand von Stichen eine historische Ansicht von Senftenberg um 1580 gemalt. Die Jahreszahl 1938 auf dem Bild unten in der Ecke, kündete von der Fertigstellung. Dieses Bild hing im Rathaus. In den 70er-Jahren bekam Senftenberg eine neue Bürgermeisterin. Sie beschimpfte das Werk als Nazibild, und befahl dem Hausmeister, es zu zerstören. Er schleppte es erst mal in sein Arbeitszimmer. Dort entdeckte es der Stadtbaudirektor, und rettete es", weiß der Sohn. Heute hängt es wieder im Rathaus, und die Kopie davon im Senftenberger Museum.

Zu DDR-Zeiten hat der Künstler der damaligen örtlichen Poliklinik in der Erxlebenstraße etwa fünf Aquarelle verkauft. Nach der Wende waren sie einfach nicht mehr aufzufinden. Auch das gab es. Günther Wendt habe Tausende Werke geschaffen. Er war ein rastloser Künstler. In den letzten zwei Monaten seines Lebens schuf er ungewöhnlich viel. Er fühlte den Tod nahen. Doch was von dem Künstlerehepaar Margo und Günther Wendt blieb, sind seine Werke, von denen ein ausgewählter Teil im Vattenfall-Haus Cottbus zu sehen ist. Zurzeit ist in der Galerie am Schloss Senftenberg eine Ausstellung mit Bildern von Günter Wendt und seinem Freund Hubert Globisch, zu besichtigen.