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Zwei Katta-Jungs werden schon im Tierpark Senftenberg eingebürgert

Zwei Katta-Brüder sind die Neubürger im Senftenberger Tierpark.
Zwei Katta-Brüder sind die Neubürger im Senftenberger Tierpark. FOTO: Ulrich Wiese/Tierpark
Senftenberg. Die unverwechselbaren Lemuren sind Vorboten für die avisierte Wohngemeinschaft im begehbaren Vari-Land. Für das Vorhaben müssen weiter kräftig Spenden eingeworben werden. Kathleen Weser

Zwei Katta-Jungs sind die neuesten Bewohner im kleinen Tierpark am Fuße der Senftenberger Festung. Die Feuchtnasenaffen sind durch den langen geringelten Schwanz und das feine Gesicht mit den hellen Augen unverwechselbar. Tierpfleger Ulrich Wiese hat die Lemuren, die in Madagaskar beheimatet und auch dort selten geworden sind, am Wochenende aus Angermünde geholt. Der Behördensegen des Landesumweltamtes ist für diesen Umzug erforderlich gewesen. Denn die Tiere gehören ins europäische Zuchtprogramm zum Schutz stark gefährdeter Arten. Nach der langen Fahrt in den Transportboxen haben der etwa zwei Jahre alte Felix und sein jüngerer Bruder länger als eine Stunde gebraucht, den Mut zu fassen, das neue Quartier in der Lausitz nur vage zu erkunden. Der Großräschener Pfleger, der mit Tieren aufgewachsen und ausgebildeter Biologie-Lehrer ist, bestätigt: Es wird noch dauern, bis die Neulinge die Scheu verlieren und sich zeigen. An tierischer Wohlfühl-Atmosphäre ist hart gearbeitet worden. Die alte Futterküche des Senftenberger Mini-Zoos wurde für das Katta-Doppel hergerichtet. Derzeit ist sie die Quarantäne-Station. Etwa zwei Wochen müssen die Tiere präventiv im geschlossenen Raum bleiben. Der Weg ins Freigehege ist noch verschlossen. Künftig sollen die Kattas ins geplante Vari-Land, in dem die Tierparkbesucher die Halbaffen hautnah erleben können, spazieren können. Dafür werden noch kräftig Spenden eingeworben. Etwa 40 000 Euro kostet der Neubau der Mini-Erlebniswelt. Fördertöpfe sind für diese Investition in Brandenburg nicht zu öffnen. Derzeit sind 12 000 Euro zusammengetragen, bestätigt Tino Jörke, der Geschäftsführer der Integrationswerkstätten Niederlausitz. Eine Unternehmenstochter betreibt den Tierpark, der vor allem bei Familien mit Kindern sehr beliebt ist.

"Wir wollen den Besuchern neben den Varis auch die Katta schon zeigen", erklärt Ulrich Wiese. Eine Gruppe von fünf bis sechs der neu eingebürgerten Lemuren soll aufgebaut werden. Die tagaktiven Tiere leben in freier Natur auf ihrer Heimatinsel in Sippen von 13 bis 15 Tieren. Sie werden angeführt von einem dominanten Weibchen. Doch bis eine Rangfolge in der Senftenberger Katta-Sippe ausgefochten werden kann, ist es noch ein weiter Weg, betont Wiese.

Katta sind Allesfresser, ernähren sich naturgemäß aber vorwiegend von Früchten. Tierpflegerin Anna-Lea Bensch bringt die gesunde Gemüse-Ration ins neue Gehege - und kann die Katta-Jungen damit nicht wirklich aus der selbst gewählten Ecke hinter der auch vor neugierigen Blicken schützenden Bambuswand hervorlocken. Der nahrhafte Kern der Möhren ist schon süß genug für die Tiere, die konsequent zuckerarm ernährt werden sollen, sagt sie. Diese Lemuren sind hauptsächlich am Boden unterwegs, aber auch gute Kletterer. Äste, Bambus und Seile sind im Katta-Quartier aufgebaut worden. Noch kuscheln die Brüder zurückgezogen miteinander, um den Heimatverlust zu verkraften. Doch Tierpfleger Ulrich Wiese ist zuversichtlich, dass die Jungs ihr neues Zuhause schnell annehmen und den Tierparkbesuchern bald viel Freude machen werden.