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| 11:28 Uhr

Wochenendtipp
Zwei Ex-Ortswehrführer zum Einsatz verdonnert

Um die Feierlichkeiten zum 85-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bahnsdorf vorzubereiten und abzusichern, sind zwei ehemalige Ortswehrführer zu Edelhelfern berufen und symbolisch eingekleidet worden. Von links: Torsten Stenzel, Günther Hannusch, Karl-Heinz Lache (beides Ex-Ortswehrführer) und Lutz Freudenberg (amtierender Ortswehrführer).
Um die Feierlichkeiten zum 85-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Bahnsdorf vorzubereiten und abzusichern, sind zwei ehemalige Ortswehrführer zu Edelhelfern berufen und symbolisch eingekleidet worden. Von links: Torsten Stenzel, Günther Hannusch, Karl-Heinz Lache (beides Ex-Ortswehrführer) und Lutz Freudenberg (amtierender Ortswehrführer). FOTO: Uwe Hegewald
Bahnsdorf. Freiwillige Feuerwehr Bahnsdorf feiert am Wochenende 85-jähriges Bestehen. Von Uwe Hegewald

Am Samstag und am Sonntag brennt in Bahnsdorf (Gemeinde Neu-Seeland) sprichwörtlich die Luft: Der 25. Altdöberner Amtsfeuerwehrtag, Dorffest und die Feierlichkeiten zum 85-jährigen Bestehen der Ortswehr bilden den Hintergrund.

Bestenfalls begegnen Besucher einem der früheren Feuerwehr-Haudegen, die so vortrefflich aus alten Feuerwehrzeiten berichten können. Günther Hannusch erinnert sich noch sehr genau an die spartanischen Gegebenheiten in Vorwendezeiten. „Wir hatten doch nichts. Wenn die Sirene ging, sind wir vors Tor gegangen, haben nach Rauchsäulen geschaut und uns dann samt Spaten aufs Fahrrad geschwungen, um einen Waldbrand zu bekämpfen“, erzählt der 76-Jährige. Im Ideal­fall war der inzwischen verstorbene Herbert Joppe in der Nähe, um den luftgekühlten Famulus oder später den Belarus (beides Traktoren) vor den TS8-Anhänger zu spannen.

Einer Technik-Revolution glich die Indienststellung eines TLF W50 kurz nach der Wende. Karl-Heinz Lache hatte in der Bahnsdorfer Wehr das Zepter übernommen und großen Anteil daran, dass der legendäre DDR-Lkw für eine symbolische D-Mark von der Senftenberger Stadtfeuerwehr erworben werden konnte. „Um das Geld zusammenzubekommen, war das ganze Dorf auf Zampertour“, wirft Feuerwehrmitglied Torsten Stenzel mit einem Augenzwinkern ein.

Den Humor haben die Bahnsdorfer Feuerwehrleute noch nicht verloren, obwohl es um ihre Zukunft nicht besonders rosig bestellt ist. „Aktuell sind wir noch 13 Aktive. Tendenz fallend“, teilt Ortswehrführer Lutz Freudenberg mit. „Es ist wohl der Schichtarbeit zuzuschreiben, dass wir immer noch zu so vielen Einsätzen ausrücken können“, vermutet er. 31 Mal ist die Bahnsdorfer Feuerwehr bereits in diesem Jahr zu Hilfeleistungen gerufen worden. Tendenz steigend. Auffällig, so Freudenberg, der als Berufsfeuerwehrmann in der Leitstelle Cottbus arbeitet, sei die Zunahme von teils schweren Verkehrsunfällen. Mit den Bundesstraßen 156 und 169 sowie der Bahnlinie Cottbus-Dresden bündeln sich im Bahnsdorfer Raum gleich drei Verkehrsadern.

Bei der dünnen Personaldecke schmerzt es, dass Karl-Heinz Lache kürzlich seinen Einsatzhelm an den Nagel hängen musste. „Mit Erreichen des 65. Lebensjahres tritt man aus dem aktiven Feuerwehrdienst aus“, erklärt er. Nachvollziehen kann das der Bahnsdorfer nicht, der 38 Jahre als Hauptamtlicher in den Reihen der Senftenberger Feuerwehr Dienst geschoben hat. „Ich fühl mich noch fit genug, um mich bei Einsätzen einzubringen. Der Gesetzgeber sieht das aber anders“, bedauert er.

Müssen die Bahnsdorfer um ihre Zukunft bangen und sich damit abfinden, dass in 15 Jahren die 100-Jahrfeier ins (Lösch-)Wasser fällt? Das wäre schlimm, sagt Torsten Stenzel, der in Bahnsdorf den Sportverein Blau-Weiß leitet. „Vielleicht gelingt es uns, einen der Jugendlichen zu gewinnen, die derzeit im Ort aufwachsen“, sagt er auf das Prinzip Hoffnung setzend.

Zumindest für das Feuerwehrjubiläum am Wochenende, mit dem Ausrichten des 25. Altdöberner Amtsfeuerwehrtages, ist der Personalbedarf gedeckt. Um die Wettkämpfe im Feuerwehrsport mit 16 Mannschaften abzusichern, bedienen sich die Bahnsdorfer einer List. Spontan sind die Feuerwehr-Urgesteine Günther Hannusch und Karl-Heinz Lache zu Edelhelfern ernannt und ihnen Einsatzhelme aufgesetzt worden. Beide hätten über mehrere Jahre die Ortsfeuerwehr geleitet und wüssten schließlich, wie Feuerwehr in einem kleinen Dorf funktioniert, hieß es in der Begründung.