Wenn das "Haus Kunterbunt" an der Großräschener Rembrandtstraße einen Anbau bekommt, dann kann es sich dabei um keinen zweckmäßigen Funktionsbau in grauem Allerlei handeln. Das sind die Stadtväter, Planer und Bauleute schon dem Namen schuldig, der an das Zuhause der sommersprossigen, rotzöpfigen Pippi Langstrumpf erinnert. Ihr gelb-rosa Haus mit dem grünen Dach kennen die Kinder in aller Welt als Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt. "Der Anbau wird ein Hingucker, ein bunter Farbklecks im Malerviertel", verspricht der Cottbuser Planer Fred Jasinski dann auch.

Den Rundling aus viel Glas und Holz werden im Fensterbereich bunte Lamellen als Blickfang verzieren. Farbig geht es auch im Inneren des neuen Mehrzweckraums zu. "Auf dem grünen Fußboden werden die Kinder wie auf einer Wiese unterwegs sein", verrät Planerin Anne Matzke. Für die junge Architektur-Absolventin ist der ovale Anbau das erste große Projekt nach dem Studium.

Mit dem Neubau erhöht die Seestadt Großräschen die Kapazität am Schulzentrum an der Rembrandtstraße, bestehend aus der Kindertagesstätte "Haus Kunterbunt" und der GutsMuths-Grundschule. Aufgrund der steigenden Kinderzahlen bekommt die Kita Platzprobleme. Die Betriebserlaubnis ist von ursprünglich 175 Kinder auf aktuell 210 Kinder erhöht worden. Weil auch immer mehr Hortkinder an der Mittagsversorgung teilnehmen, ist der vor acht Jahren aufgemöbelte Speiseraum mit 70 Plätzen längst nicht mehr ausreichend.

Küchenfrau Sabine Bothe gibt in der Zeit von 11.20 Uhr bis 12.20 Uhr im Akkord die Portionen aus. 219 waren es am Dienstag. Allein 140 Schulkinder nehmen im "Haus Kunterbunt" ihr Mittagessen ein. In Spitzenzeiten stehen die Grundschüler an der Ausgabe Schlange. Mit dem Anbau wird die Kapazität für die Essensversorgung auf 140 Plätze erweitert.

Für Kita-Chefin Karin Windolf ist der zusätzliche Platz, den der Anbau bietet, auch für die pädagogische Betreuung der Hortkinder sowie für Elternabende wichtig. Die Raumsituation wird sich mit dem Anbau verbessern. Das ist wichtig, weil die Kita voll ausgelastet ist. Schon für das übernächste Schuljahr 2018/19 gibt es acht Anfragen von Eltern, bestätigt die Leiterin freudig.

Aus Elternsicht wird das "Haus Kunterbunt" wegen seiner Nähe zur GutsMuths-Grundschule geschätzt. Hinzu kommen die Kooperationen mit der Bibliothek, der Feuerwehr und dem Sportverein. "Das Zusammenwachsen mit der Schule in der Nachbarschaft ist eine Besonderheit", erklärt Schulleiterin Tessie Franke.

Der Einzug in den farbenfrohen Rundling ist fürs Jahresende geplant. Die Kosten in Höhe von 350 000 Euro kann die Stadt dank der Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm Stadtumbau sowie einem Eigenanteil aus dem Stadthaushalt stemmen.

Das bis unters Dach gefüllte "Haus Kunterbunt" spiegelt einen generellen Trend für Großräschen wieder. Alle fünf Kindergärten sind bestens gefüllt. Eine Entwicklung, die anzuhalten scheint. Im ersten Quartal des Jahres wurden in der Seestadt 19 Kinder geboren. "Das wagen wir gar nicht hochzurechnen", sagt Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) freudig. "Über Kita-Schließungen denken wir nicht mehr nach. Wir müssen ganz im Gegenteil die Kapazitäten erweitern", stellt er klar.