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| 20:25 Uhr

Rundschau-Serie
Zum Nutzen von Flora und Fauna auf Achse

Der Biehlener Binnengraben ist für Dietrich Hein ein Beispiel für konstruktive Zusammenarbeit von Gewässerunterhaltern und Naturschützern. Hier wurden nur an einer Böschungsseite Uferpflanzen zurückgeschnitten und die Brut- und Laichräume für Tiere damit erhalten.
Der Biehlener Binnengraben ist für Dietrich Hein ein Beispiel für konstruktive Zusammenarbeit von Gewässerunterhaltern und Naturschützern. Hier wurden nur an einer Böschungsseite Uferpflanzen zurückgeschnitten und die Brut- und Laichräume für Tiere damit erhalten. FOTO: Uwe Hegewald
Ruhland. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Dietrich Hein aus Ruhland. Von Uwe Hegewald

Um die Hintergründe zum Mitwirken im Naturschutzbeirat des Landkreises OSL in Erfahrung zu bringen, muss bei einzelnen Beiratsmitgliedern weit zurückgeblickt werden. Bei Dietrich Hein ist das der Fall, der bereits im Vorschulalter „infiziert“ wurde.

Die ersten Lebensjahre lebte er im Haus des überregional bekannten Dr. Udo Bährmann (1893-1979). Nach absolviertem Maschinenbau-Ingenieurstudium in Magdeburg war dieser ab 1915 bis zu seinem Ruhestand (1959) im Kohlerevier Lauchhammer tätig, zuletzt als Betriebsleiter der dortigen Brikettfabriken und Kraftwerke. „Und er besaß eine der größten, privaten Vogelsammlungen Europas“, fügt Dietrich Hein hinzu. Hein war fasziniert von Bährmanns Arbeit, der bis zu seinem Tode der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft angehörte und insgesamt 97 ornithologische Arbeiten publizierte. Seine langjährige wissenschaftliche Tätigkeit wurde 1974 durch die Humboldt-Universität Berlin mit der Verleihung des Dr. h.c. gewürdigt. „Der Kontakt zu Dr. Udo Bährmann ist auch nach dem Wegzug unserer Familie nie abgerissen. Heute zähle ich die gemeinsamen Begegnungen zu den Schlüsselmomenten meines Interesses für den Naturschutz“, räumt Dietrich Hein ein.

Als Kind zog es ihn in der Freizeit ins Freie, er fühlte sich frühzeitig zur Ornithologie (Vogelkunde) hingezogen und schloss sich später der lokalen Jagdgesellschaft an. Dem Grünrock aus Ruhland geht es aber weniger um Trophäen und Wildbret, sondern um Ausgewogenheit zwischen Natur, Tier und Mensch. „Waidgerechtigkeit“ ist das richtige Wort dafür, unterstreicht er die Ansicht des Deutschen Jagdverbands, der unter anderem appelliert: „Der Tierschutzaspekt betrifft die Einstellung des Jägers zum Tier als Mitgeschöpf. Der Umweltaspekt fordert vom Jäger die Einbeziehung der Umwelt in ihrer Gesamtheit in sein Denken und Handeln.“

Wie sich das im Alltag darstellt, lässt sich sehr gut am Beispiel von Fließgewässern in der Elsterniederung bei Ruhland erklären. Dort hat zunehmend der Nutria Quartier bezogen, der dort nicht hingehört und zudem das ökologische Gleichgewicht durcheinanderbringt. Dietrich Hein verweist auf den Störenfried, der in Bruthabitate einbricht und somit lokale Ökosysteme zerstört oder Artenvielfalt verhindert. Bewiesen ist, dass Nutrias selbst die zurückgekehrten Elbebiber verdrängen können. Dass die oft zutraulichen Nutrias kaum natürliche Feinde besitzen und zudem in besiedlungsnahen Gewässern auch noch von Menschenhand gefüttert werden, treibt nicht nur den Jägern und Mitarbeitern kommunaler Ordnungsämter Sorgenfalten auf die Stirn. Der Ruhlander weiß um den langen Atem, der oftmals nötig ist, um Mitmenschen das Für und Wider ihrer Handlungen vor Augen zu halten. Er sieht aber auch positive Entwicklungen, die dazu animieren, die Flinte für aktiven Naturschutz nicht verbittert ins Korn zu werfen. „Es gibt Agrarbetriebe und Landwirte, die Zusammenhänge begreifen und vorbildlich handeln“, so Dietrich Hein. Stellvertretend nennt das Gründungsmitglied des Nabu-Regionalverbandes Senftenberg das Errichten von Blühstreifen entlang von Feld- und Wegesrändern oder das Rückschneiden von Uferpflanzen an nur einer Grabenböschungsseite durch die Gewässerunterhaltung. Somit hätten Lebewesen, die im oder am Wasser leben, entsprechende Brut-, Laich-, aber auch Rückzugsräume. Ebenso von Bedeutung sei das Anlegen von Gehölzzeilen als Windschutz und Biotop an Feldrainen und Grabenrändern. „Gehölze wie Schlehe, Hartriegel, Haselnuss oder Hagebutte werden gleichermaßen von Vögeln, Insekten und anderen Wildtieren angenommen. Sie bilden hochwertige Biotop-Verbundsysteme, die sich bereits früher bewährt haben“, begründet der Naturschützer.

Zur Steigerung von Ernteerträgen und Vereinfachung der Feldbewirtschaftungen wurden Feldgehölze in früheren Jahren allzu schnell beseitigt und schienen für immer verloren. Dass diese und weitere naturunterstützende Projekte eine Renaissance erleben, ist auch Ausgleichsmaßnahmen zu verdanken, die immer dann zum Tragen kommen, wenn anderswo in die lokale Flora und Fauna eingegriffen wird. An dieser Stelle hebt Dietrich Hein die sehr ausgewogene Zusammenarbeit des Naturschutzbeirates mit den zuständigen Behörden hervor. „In der unteren Naturschutzbehörde sitzen kompetente Leute, die Ratschläge unserer Beiratsmitglieder annehmen oder sich zumindest unsere Sicht auf bevorstehende Vorhaben anhören“, erklärt der Ruhlander, der bereits 1993 zum ehrenamtlichen Naturschutzhelfer berufen wurde.