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| 14:12 Uhr

Biotechnologie am BTU Campus Senftenberg
Die Zukunft liegt unterm Mikroskop

FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg. Der DNA von Kiwis und Tomaten auf der Spur sind Zwölftklässler des Oberstufenzentrums Lausitz Schwarzheide bei den Biotechnologietagen am Senftenberger Uni-Campus. Von Josephine Japke

Man nehme drei Gramm Kochsalz, zehn Milliliter Spülmittel und 100 Milliliter destilliertes Wasser, schütte es vorsichtig und mit höchster Akribie in ein Becherglas und rühre es um. Und dann füge man Kiwi hinzu. Oder Erdbeeren. Oder Tomaten. Je nach dem, was man lieber mag, und erhitze das Ganze auf 60 Grad Celsius, bevor man es im Eisbad abkühlen lässt.

Was nach einem Gesundheits­shake klingt, dient zur Extraktion von DNA aus eben jenem Obst, das man hinzu gibt. Für die Masterstudentin in Biotechnologie, Rosalie König, ist das nichts Besonderes mehr. Die Schüler der 12. Klasse des Oberstufenzentrums Lausitz in Schwarzheide wundern sich auf den Biotechnologietagen der BTU Cottbus-Senftenberg allerdings schon, was mit ein bisschen Salz und Spüli, neben Kochen und Abwaschen, möglich ist.

„Biotechnologie ist absolut zukunftsweisend und beschäftigt sich mit allem, was uns umgibt“, macht Rosalie König den Schülern klar. „Wir brauchen sie für Lebensmittel, Pharmazie, Krebsforschung und erneuerbare Kraftstoffe“, zählt sie auf. Beispielsweise für die Herstellung von Camembert oder das Vitamin B 12, das der Mensch für Blutbildung, Energiestoffwechsel, Nerven und Immunabwehr benötigt.

Heute brauchen die Schüler des Oberstufenzentrums Lausitz die Biotechnologie also zur Extraktion von DNA. „Das behandeln wir gerade im Unterricht im Bio-Leistungskurs. In der Schule haben wir allerdings gar nicht die Möglichkeiten, so ein Experiment durchzuführen, deshalb komme ich mit meinen Schülern gern zu den Biotechnologietagen“, erklärt Thomas Müller, der Bio- und Sportlehrer ist. Schon fünf Mal war er mit verschiedenen Klassen am Campus in Senftenberg. Nicht nur, um Experimente durchzuführen, sondern auch um ihnen zu zeigen, dass man sehr wohl in der Heimat studieren kann.

Und damit geht der Plan von Dr. Barbara Hansen voll auf. „Natürlich richten wir diese Tage auch aus, um den Schülern zu zeigen: bleibt hier, wir haben hier tolle Studienbedingungen und alles zu bieten“, sagt die Studiengangsleiterin der Biotechnologie, die verstanden hat, dass „man junge Leute herholen und ihnen das zeigen muss“. Bisher kommen ein Drittel der Biotechnologie-Studenten aus Sachsen, 50 Prozent aus Berlin/Brandenburg und 20 Prozent aus anderen Bundesländern. Hinzu kommen internationale Master-Studenten aus Indien, Syrien, Namibia und Vietnam, die sich von den guten Studienbedingungen in Senftenberg selbst überzeugen wollten.

Denn immerhin ist Biotechnologie eines der Aushängeschilder des Standortes Senftenberg. Schon seit dem Jahr 2000 beginnen im Wintersemester jährlich etwa 60 Erstsemester das Studium, 24 von ihnen ergattern dann einen der beliebten Masterplätze. „Die Ausrichtung des Studiums ist extrem praxisbezogen. Bei uns dauert es nicht sechs, sondern sieben Semester, weil wir noch ein Forschungssemester verpflichtend mit drin haben“, erklärt Dr. Barbara Hansen.

Das mache die Absolventen für Unternehmen so attraktiv, weil sie wüssten, dass sie nicht nur Theoretiker kriegen, sondern topausgebildete Fachkräfte. „Einige finden direkt nach dem Studium Anstellungen in den Impfstoffwerken Glaxo in Dresden. Andere gehen ins Landesumweltamt und kontrollieren beispielsweise das Trinkwasser. Ich kenne sogar einen, der in einer Bierbrauerei arbeitet“, sagt Hannes Meyer, der selbst als akademischer Mitarbeiter nach seinem Studium in Senftenberg blieb. Denn auch das ist eine Möglichkeit. „Dass Absolventen gern zurück kommen, liegt auch daran, dass wir sehr gut ausgestattete Labore haben und hier jeder an den modernsten Geräten seine eigenen Ziele verfolgen und erreichen kann“, meint Dr. Barbara Hansen.

Möglichkeiten biete da auch das Senftenberger Innovationszentrum, das die Lausitzer Universität kaufen will. „Es ist wichtig, dass an den Senftenberger Standort noch mehr Forschung kommt. Auch uns Biotechnologen fehlen aktuell die Räumlichkeiten, denn unsere Labore sind komplett ausgelastet“, sagt Dr. Barbara Hansen mit Blick auf die 12. Klasse des Oberstufenzentrums Lausitz. Denn obwohl nicht alle von ihnen ihren Master in Biotechnologie machen wollen, möchte doch der Großteil von ihnen in der Heimat bleiben und studieren, wenn möglich an der BTU in Senf­tenberg. „Das ist doch toll, oder nicht? Unser Konzept scheint wirklich aufzugehen“, meint Dr. Barbara Hansen.

FOTO: Josephine Japke / LR