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Zug des Lebens führt zu Stätten des Grauens

An der Schipkauer Gedenkstätte wurde der jüdischen Kriegsopfer gedacht.
An der Schipkauer Gedenkstätte wurde der jüdischen Kriegsopfer gedacht. FOTO: Martin Konzag
Schipkau. Mit einer Andacht und einem "Zug des Lebens" wurden fast auf den Tag genau jüdische Opfer geehrt, die vor 70 Jahren bei Schipkau ums Leben gekommen sind. Dazu fanden sich 40 Teilnehmer an der Stätte des damaligen Grauens ein und starteten einen Gedenkmarsch entlang der früheren Bahntrasse bis Finsterwalde. red/gro/fc

"An einem sonnigen Tag gedenken wir einer dunklen Zeit", sagte der evangelische Pfarrer Christian Raschke aus Klettwitz bei seiner Andacht. Raschke warnte vor ständig wiederkehrendem Hass und Intoleranz gegenüber anderen Menschen. "Stellvertretend kann man nur all denen danken, die sich heute für Flüchtlinge in unserem Land einsetzen", so der Pfarrer. Frieden zu schaffen sei so aktuell wie vor tausend Jahren.

Der Andacht schloss sich eine Gedenkwanderung von Schipkau nach Massen an. Wie Reinhard Wild berichtet, brachen etwa 25 Personen zur Wanderung auf, 15 kamen in Massen an. Einige liefen Teilstrecken, andere stießen in Sallgast hinzu, wo mit Pfarrer Michael Wolf in der Kirche einige Lieder gesungen und eine Meditations- und Gebetszeit eingeräumt wurden.

Unterwegs erzählten Augenzeugen von ihren eigenen Schicksalen und über regionale Vorkommnisse und "Entgleisungen" von Bewohnern umliegender Orte gegen jüdische Mitbewohner.

Nach dem Start am vergangenen Sonntag in Schipkau wird der "Zug des Lebens und der Hoffnung" - als Besinnungs-, Buß- und Gedenkwanderung auf den Spuren des "Verlorenen Transports" angelegt - am heutigen Donnerstag in Tröbitz enden. Dieser Gedenkweg beginnt um 13 Uhr am Bahnhof Schönborn mit einer Andacht von Pfarrer Stefan Branig. Der "Zug des Lebens und der Hoffnung" wird sich dann den offiziellen Feierlichkeiten in Tröbitz anschließen.

Gedenken in Langennaundorf und Tröbitz. Am heutigen 23. April, würdigen das Amt Elsterland, die Gemeinde Tröbitz und die Stadt Uebigau-Wahrenbrück die Befreiung des Verlorenen Transportes vor 70 Jahren mit mehreren Veranstaltungen. Gestartet wird um 10 Uhr an der Kirche in Langennaundorf. 10.30 Uhr schließt sich die Kranzniederlegung am dortigen Denkmal an. 14 Uhr folgen Ansprachen und Kranzniederlegung an der VVN-Gedenkstätte in Tröbitz. Höhepunkt ist um 14.30 Uhr die Übergabe der Stelen vor dem Jüdischen Friedhof. Um 15 Uhr folgt das Gedenken am Jüdischen Ehrenfriedhof in Tröbitz.

Auf dem Soldatenfriedhof in Neuburxdorf wird am heutigen 23. April ab 10 Uhr eine Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestages der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag IV B stattfinden. Die Gedenkrede wird Brandenburgs Kultur-Staatssekretär Martin Gorholt halten.

In die Gedenkstätte Zeithain laden die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Gemeinde Zeithain und der Förderverein Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain am heutigen 23. April ab 14 Uhr ein. Sachsens Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler und Ministerpräsident Stanislaw Tillich werden die Gedenkreden halten. Daneben werden vor allem diplomatische Vertreter jener Länder anwesend sein, aus denen Kriegsgefangene des Lagers Zeithain stammten. Darunter sind der Russische Botschafter in Deutschland, der Botschafter der Republik Kasachstan sowie Vertreter von Belarus, Ukraine, Turkmenistan, Polen, Italien und den Vereinigten Staaten von Amerika.