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Züchter reagieren auf Geflügelpest

Willy Mulka muss seinen Zuchtbestand ausdünnen. Der Schwarze Italiener kommt in den Suppentopf. Gerold Schröder hilft beim Schlachten.
Willy Mulka muss seinen Zuchtbestand ausdünnen. Der Schwarze Italiener kommt in den Suppentopf. Gerold Schröder hilft beim Schlachten. FOTO: Augustin
Hohenbocka. Die tote Stockente am Sedlitzer See ist vom H5N8-Virus infiziert gewesen. Das Veterinäramt weist einen Sperrbezirk aus. Züchter dünnen wegen der Stallpflicht ihre Bestände aus. Jan Augustin

Den Schwarzen Italiener trägt Geflügelliebhaber Willy Mulka eingeklemmt im linken Arm. Rechts hält er das Beil. Derweil rollt Gerold Schröder, Vorsitzender des Zuchtvereins aus Hohenbocka, den Hackeklotz an die richtige Stelle. Der prächtig schwarz glänzende Hahn gibt auf seinem letzten Weg keinen Mucks von sich. Seit Mitte November, als auch Teile des OSL-Kreises zu Geflügelpest-Risikogebieten eingestuft worden sind, muss Willy Mulka seine 17 Zuchttiere in geschlossenen Ställen unterbringen. Weil der 82-Jährige auf seinem Hof in Hohenbocka aber nicht unendlich Platz hat für geschlossene Ställe, dünnt er seinen Bestand aus und schlachtet. Verwandtschaft und Freunde bekommen nun Suppenhühner. "Es bleibt einem ja nichts anderes übrig", sagt Willy Mulka, der enttäuscht ist, dass sich Landwirtschaftsministerium, Jagdverband und Naturschutzbund noch nicht an einen Tisch gesetzt haben, um nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Stattdessen gebe es nur immer neue Weisungen.

Am Montag hat die Veterinärbehörde nun auch erstmals im OSL-Kreis den Verdacht des Ausbruchs der Aviären Influenza - der Geflügelpest - amtlich festgestellt. Am Sedlitzer See war am vergangenen Freitag eine tote Stockente gefunden worden. Um den See herum ist ein Sperrbezirk ausgewiesen, bestätigt Laura Schuster vom Veterinäramt. Neue Vogelgrippe-Fälle gebe es bisher zwar nicht, jedoch stünden noch einige Untersuchungsergebnisse aus. Tierärztin Laura Schuster appelliert an die Halter im Beobachtungsgebiet - unabhängig von der Größe ihres Bestandes - die Anzahl des gehaltenen Geflügels mitzuteilen.

Bereits am Freitag wurde die Region um Hosena, Hohenbocka und Grünewald als Beobachtungsgebiet ausgewiesen. Grund war der Ausbruch der Geflügelpest im Bernsdorfer Tiergehege. Seit Mitte Januar gelten die strengeren Vorschriften auch in Lübbenau mit seinen Ortsteilen. Neben der Stallpflicht müssen Tierhalter unter anderem verendetes Geflügel unverzüglich melden. Geflügel darf nicht aus dem Beobachtungsgebiet verbracht werden. Außerdem ist die Jagd auf Federwild für 30 Tage untersagt. Die vier landwirtschaftlich betriebenen Geflügelhaltungen im Landkreis liegen laut Veterinäramt indes nicht im Beoabachtungsgebiet und sind damit auch nicht von Restriktionen betroffen.

Züchter Willy Mulka hält sich an die Anordnung des Veterinäramtes, Verständnis hat er aber nicht: "Wir können nicht alle Tiere drinnen halten. Da kommen erst recht Krankheiten auf", sagt der erfahrene Züchter. Seit 50 Jahren frönt er dem Hobby und sorgt mit seinem Geflügel bei Ausstellungen, die nun verboten sind, immer wieder für Bewunderung.