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Züchter in Sorge um Kaninchen

Mike Büttner (l.) im Gespräch mit Lothar Weber (69).
Mike Büttner (l.) im Gespräch mit Lothar Weber (69). FOTO: Mirko Sattler/sam1
Schwarzheide. Die Züchter von Kaninchen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind in Sorge. Ein neuer Virusstamm der Chinaseuche breitet sich aus. Mirko Sattler / sam1

Die generell verfügbaren Impfstoffe werden in deutschen Landen nur in äußerst zähem Tempo verfügbar. "Nur über Umwege sind wir im vergangenen Jahr überhaupt an Impfstoffe für Kaninchen herangekommen", bestätigt Mike Büttner, der Kreisvorsitzende der Rassekaninchenzüchter. "Das Mittel gegen die mutierte Chinaseuche wird zwar seit Jahren in Deutschland hergestellt, eine Zulassung aber hatte bisher nur Frankreich", erklärt er weiter. Viele Züchter hätten deshalb hilflos mit ansehen müssen, wie diese Hasengrippe die Tiere dahingerafft hat. "Die Krankheit kündigt sich nicht an. Die Tiere liegen plötzlich tot im Stall. Ich weiß von Züchtern, die bis zu 45 Tiere eingebüßt haben", bestätigt Mike Büttner, der auch Zuchtwart im Kleintierzuchtverein Schwarzbach 1987 ist. Nunmehr ist der Impfstoff in Deutschland zugelassen, doch mit der erhofften Verfügbarkeit seit Ende April ist es nicht weit her. "Jetzt haben wir Ende Mai und den Impfstoff noch immer nicht", sagt Büttner. Das Problem sorgt für Diskussionen unter den den Züchtern - auch zur großen Häsinnenschau am Wochenende in Schwarzheide.

Der Preis des Impfstoffes schlägt den Züchtern zudem auf den Magen. Zwar besteht in Brandenburg nur eine Impf-Empfehlung und keine Pflicht, doch viele Züchter stellen in benachbarten Bundesländern aus. "Ohne eine Impfung können wir von dort gleich wieder nach Hause fahren", sagt Büttner. Die 120 Rassekaninchenzüchter in 13 Ortsvereinen fühlen sich von Politik und Behörden alleingelassen. Der Kaninchenbestand im Kreis sei rückläufig. Die Gen-Reserve gehe flöten. Mit jeder Krankheitswelle und den entstehenden Problemen lasse die Vielfalt bei den Ausstellungen spürbar nach.

Zudem schwappt ein Phänomen, das bisher aus dem Berliner Raum bekannt war, aufs Land über: dreister Hasenklau. Diebe bringen die Züchter und Halter von Kaninchen in Südbrandenburg auf die Palme. In Hermsdorf waren vor Ostern zwei Ställe gnadenlos ausgeräumt worden. Schlachtreife Tiere, Zuchtrammler und auch eine Zibbe mit Nachwuchs wurden gestohlen. Offensichtlich gezielt. Das bestätigten die geschädigten Tierhalter. Mirko Büttner, der Kreis-Chef der Rassekaninchenzüchter, zeigte sich entsetzt - und auch ratlos. Die offensichtlich vorhandene Nachfrage an gestohlenen Zuchttieren, deren Herkunft nicht erklärt werden kann, bleiben ein Rätsel. Die Kaninchen haben Tätowierungen. Und jeder gute Züchter legt größten Wert auf den Ahnennachweis im Zuchtbuch. Der Wert von Schlachttieren macht diese Diebstähle auch nicht plausibel.