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Zu leichtes Spiel für Taschendiebe

Auch bei den Senftenbergern haben Taschendiebe nur zu oft ein leichtes Spiel.
Auch bei den Senftenbergern haben Taschendiebe nur zu oft ein leichtes Spiel. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Die einseitig konzentrierte Ausschau von Kunden nach den Schnäppchen im Einkaufsmarkt bringt Taschendiebe derzeit in Höchstform. Für die Sonderangebote lassen Frauen oft den Einkaufswagen mit der Handtasche, die in vielen Fällen neben Bargeld und Dokumenten ein ganzes Leben beinhaltet, aus den Augen. Kathleen Weser

Wenn auch nur für sehr kurze Zeit. Das versichern die Opfer nach dem eingetretenen Schaden vielfach. Doch schon Sekunden der Unaufmerksamkeit reichen den trainierten Einzeltätern und auch organisierten Banden. Letztere gehen in perfekt organisierter Arbeitsteilung an ihr Handwerk. Das betont Jens Nobis, Polizeiberater im Inspektionsbereich Oberspreewald-Lausitz.

Der Klassiker bei erfolgreich beklauten Männern: Die Geldbörse in der gut sichtbar ausgebeulten Gesäßtasche der Hose wird vor allem im Gedränge zur schnell gegriffenen Beute. In jüngster Zeit sind die Täter mit den geschickten Langfingern und dem fluchtartig eiligen Abgang vor allem in Senftenberg und Lauchhammer, aber auch in Großräschen wieder deutlich aktiver geworden. Mehrere Opfer sind allein im Juli meist im Markt bestohlen worden. Der Verlust der Geldbörse wird erst an der Kasse bemerkt. Die Täter sind dann längst über alle Berge oder unauffällig abgetaucht.

Die Tasche niemals aus den Augen zu lassen, ist der erste Rat von Jens Nobis, der die Bürger in und um Senftenberg seit vielen Jahren zum Schutz vor Straftaten aller Art berät. Kollege Peter Schmidt hat die Polizeilaufbahn in der Kriminaltechnik begonnen. Die erfahrenen Ordnungshüter wissen genau: Diebe beobachten in Windeseile sehr präzise, wo etwas zu holen ist und schlagen blitzschnell zu. Die Täter kennen ihre Opfer sehr genau.

"Geld und Ausweispapiere sollten immer getrennt voneinander am Körper getragen werden", sagt Jens Nobis. Noch ärgerlicher als der materielle Verlust sei das aufwendige Prozedere, sich alle persönlichen Dokumente neu besorgen zu müssen. Der nicht mehr so trendige, aber sehr praktische Brustbeutel, den gelernte DDR-Bürger noch gut in Erinnerung haben, leiste gute Dienste. Die Gefahr beklaut zu werden, aber bestehe immer. "Zum Einkaufen muss auch nicht die ganze Monatsrente im Portemonnaie mitgeschleppt werden", mahnt der Polizeiberater an.

Auch auf dem Parkplatz ist der Kunde noch lange nicht vor Dieben sicher. Seelenruhig haben Paare hier schon sorgfältig die erworbenen Waren akkurat in den Kofferraum gestapelt - und sich indessen die auf dem Beifahrersitz abgelegte Tasche der Frau stehlen lassen. Dem während des Wegbringens des Einkaufswagens offen gelassenem Gefährt können die Langfinger auch nicht wirklich widerstehen, bestätigt Peter Schmidt. "Gelegenheit macht Diebe", zitiert er den wissenden Volksmund.

Die Tasche stets vor dem Körper zu tragen, sei vor allem auf Rolltreppen zu raten. Der geneigte männliche Begleiter zum Einkauf sei über die reine Gesellschaft hinaus auch nützlich, wenn er leicht versetzt hinter der Frau laufe und so die Tasche schütze. Und beim entspannten Kaffee nach dem Einkaufsstress sei es der schlimmste Lapsus, die Tasche am Stuhl abzustellen und dem Menschen im Rücken den Zugriff leicht zu machen. Neben dem Verbrauchermarkt gehören Wochenmärkte und Volksfeste und auch Friedhöfe zu den bevorzugten Arbeitsorten von Dieben. Viele leben von der Beute. Zudem sei der Inhalt gut auf dem Rad-Gepäckträger befestigter Körbe und Taschen heiß begehrt.

Die Zivilcourage vieler Mitmenschen lasse leider arg zu wünschen übrig. Nur wenige Leute, die etwas gesehen haben, seien bereit, dies mit Name und Adresse zu Protokoll zu geben - und vor allem in einem Prozess auch auszusagen.