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Personal-Alarm bei der Feuerwehr
Zoff um Feuerwehr-Chefposten: Amtsdirektor muss jetzt selbst ran

Der Einsatz der Ortrander Feuerwehr ist vor allem auch auf der Autobahn A 13 immer wieder gefragt. Vereint wird bisher im Ernstfall zugepackt. Der unendliche Streit um den Posten des Amtswehrführers spaltet die Gemeinschaft der Helfer.
Der Einsatz der Ortrander Feuerwehr ist vor allem auch auf der Autobahn A 13 immer wieder gefragt. Vereint wird bisher im Ernstfall zugepackt. Der unendliche Streit um den Posten des Amtswehrführers spaltet die Gemeinschaft der Helfer. FOTO: Mirko Sattler
Ortrand. Eben erst berufen und jetzt schon wieder in der zweiten Reihe: Ortrands neuer Amtswehrführer Sven Wielk lässt seine Funktion ruhen. In seine Rolle schlüpft Kersten Sickert. Von Jan Augustin

Der im Januar von Ortrands Amtsdirektor Kersten Sickert berufene neue Feuerwehrchef Sven Wielk hat seine Funktion als Amtswehrführer ruhend gestellt. Bis auf weiteres ist er wieder Stellvertreter. Chef ist jetzt der Amtsdirektor selbst. Das Amt Ortrand hat damit auf dem Papier aktuell zwei Amtswehrführer. Nach dem seit Wochen schwelenden Personal-Streit bei der Ortrander Feuerwehr ist diese Zwischenlösung ein Ergebnis eines Spitzentreffens mit allen Beteiligten. Der Konflikt hat nach Wielks Berufung bedenkliche Ausmaße angenommen: Ein Großteil der Führungskräfte legte seine Funktionen nieder. Wehren waren zeitweise nicht einsatzbereit und mussten durch benachbarte Feuerwehren vertreten werden. Das bestätigt jetzt Landrat Siegurd Heinze (parteilos), der sich als Gast dieser Zusammenkunft der Sache nun selbst angenommen hat. „Ich bin gebeten worden, das zu tun. Es ist aber nicht meine Zuständigkeit“, betont er.

Die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr soll nun wieder hochgefahren werden. Die streikenden Feuerwehr-Führungskräfte, die mit Kündigungsbriefen und Fristsetzungen Druck beim Amtsdirektor machten, haben ihre Einsatzbereitschaft nach dem Treffen wieder aufgenommen, sagt Heinze. Der Landrat macht ein „Kommunikationsproblem in Ortrand“ aus. „Daran hat es offensichtlich gemangelt“, sagt er. Für den Landrat steht allerdings auch fest: „Das Amt Ortrand ist nicht erpressbar.“

Bei der Runde mit vielen Feuerwehrkameraden in Uniform, Amtsdirektor, Kreisbrandmeister und Amtswehrführer sei es nicht um Schuldzuweisungen gegangen, sondern hauptsächlich darum, „wie wir aus dem Dilemma herauskommen“. Sachlich kritisch, aber am Ende doch konstruktiv sei die Diskussion gewesen. „Es ist eine Zwischenlösung“, betont Heinze. Dazu gehöre auch, dass Amtsdirektor Kersten Sickert bis zur Klärung die Rolle des Amtswehrführers übernimmt.

Vor diesem Termin hatte Sickert noch betont, dass er zu der Entscheidung steht, Sven Wielk zum Amtswehrführer berufen zu haben. Es habe ja auch nur eine Bewerbung gegeben. „Ich erwarte von den Kameraden, dass sie die Entscheidung tolerieren“, sagte er damals. Jetzt will er sich nicht mehr zum Sachverhalt äußern, lässt er über sein Sekretariat bestellen.

Siegurd Heinze findet das übertrieben. „Da muss niemand Angst haben“, betont er. Ja, es sei richtig, dass bei dem Treffen übereinstimmend vereinbart worden war, dass er die Presse informiert. Dass alle anderen nun einen Maulkorb verabreicht bekommen haben sollen, weist Heinze aber vehement zurück. Als Ziel für eine Lösung hat sich die Ortrander Runde nun den 27. April gesetzt. „Wir haben uns alle versprochen, dass wir versuchen werden, in dieser Zeit eine endgültige Lösung zu finden“, sagt Siegurd Heinze.

Sven Wielk hatte mit Amtsantritt im Januar den langjährigen Chef der Feuerwehr David Langer abgelöst. Dieser hatte im vergangenen Jahr öffentlich gesagt, einen Schritt kürzer treten zu wollen. Der Konflikt in Ortrand ist aber nicht neu. Schon vor sechs Jahren ist über die Amtswehrführung gestritten worden. Damals hatte Kersten Sickert David Langer als Chef der Feuerwehr im Amt bestätigt, obwohl die Mehrheit der Ortswehren hinter Sven Wielk gestanden haben soll. Im Protokoll zur Pflichtanhörung wurde allerdings ein Patt von vier zu vier Stimmen verzeichnet, was damals von Ohrenzeugen entschieden zurückgewiesen wurde. Sven Wielk stellte sich damals zähneknirschend in die zweite Reihe.