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| 15:12 Uhr

Freilichtbühne Großkoschen
Zickenzoff im Großkoschener Amphitheater

Erst auf dem zweiten Blick zu erkennen: Kim Fisher in der Maske der biederen Buchhalterin Elke in der Karaoke-Komödie „Zickenzirkus“, die am Sonntagabend im Amphitheater zum Lachmuskeltraining einlädt.
Erst auf dem zweiten Blick zu erkennen: Kim Fisher in der Maske der biederen Buchhalterin Elke in der Karaoke-Komödie „Zickenzirkus“, die am Sonntagabend im Amphitheater zum Lachmuskeltraining einlädt. FOTO: Robert Jentzsch
SENFTENBERG. Kim Fisher ist in ihrer ersten Boulevardrolle am Sonntag am Senftenberger See zu erleben. Von Heidrun Seidel

Mit „Zickenzirkus“ gastiert am Sonntagabend, an dem voraussichtlich schon der 30 000. Besucher der 2018er-Amphitheatersaison begrüßt werden kann,  die Dresdner Comödie am Senftenberger See.

Seit der Premiere vor fast genau einem Jahr feiert das Dresdner Publikum die vier Damen, die sich ganz zufällig auf einem Schrottplatz begegnen – und über ihren Beziehungsschlamassel klagen. Mit dabei ist Kim Fisher in ihrer ersten Bühnenrolle in einem Boulevardstück. Dabei mag die Moderatorin, Sängerin und inzwischen auch Autorin ganz privat gar kein Gezicke. „Ich fühle mich nicht wohl, wenn jemand eingeschnappt ist oder sich umdreht und einfach ohne ein Wort geht“, sagt sie im RUNDSCHAU-Gespräch. „Das ist so schwierig zu greifen. So fühle ich mich nicht wohl.“ Statt etwas schwelen zu lassen, spricht sie lieber aus, wenn sie etwas bedrückt oder ihr missfällt. „Und eigentlich zicken wir ja im ‚Zickenzirkus‘ auch gar nicht so lange herum“, erzählt sie von der Karaoke-Komödie, in der sie seit einem Jahr die biedere Buchhalterin Elke ist. „Ich bin Christian Kühn so dankbar, dass er so hartnäckig geblieben ist und mir diese Arbeit zugetraut hat“, sagt sie.

Christian Kühn ist Intendant der Comödie und auch Autor und Regisseur des „Zickenzirkus“. Der sei eine Art Nachfolger der Erfolgskomödie „Tussipark“, mit der das Ensemble bereits in Senftenberg zu Gast war. Auch diesmal, so ist sich die Kritik einig, mischt Christian Kühn die bewährten Komödien-Zutaten mit doppelsinnigen Wortspielen, würzt mit viel Witz und einer kräftigen Prise frivoler Anspielungen. Und die vier Damen mit komödiantischem Talent und passenden Stimmen für die Karaoke-Einlagen würden den Spaß gekonnt in Szene setzen.

Kim Fisher jedenfalls macht das Schnuppern der Theaterluft großen Spaß. Im Laufe der Proben habe sie auch gelernt, wie hart diese Arbeit ist, dass manches, was heute gelingt, morgen nicht mehr klappt. „Ich habe die Höhen und Tiefen bei der Erarbeitung eines Theaterstücks kennengelernt.“ Als Schauspielerin will sie trotzdem nicht bezeichnet werden. Dafür habe sie zu viel Respekt vor dem Beruf, sagt sie zurückhaltend. „Ich hoffe aber dennoch, dass meine Kolleginnen auf der Bühne und das Publikum mit meiner Arbeit zufrieden sind.“

Wenn am Sonntag der Schlussapplaus im Amphitheater verklungen ist, macht sich Kim Fisher sogleich auf nach Leipzig. Dort wird eine weitere Ausgabe einer ihrer Musiksendungen im Fernsehen aufgezeichnet. Die „Kulthits mit Kim Fisher und 100 % Live-Musik“ des MDR gehen in eine neue Runde. Mit dabei beispielsweise Beatrice Egli, Matthias Reim und Band, Ben Zucker, Inka Bause, Pur und Quaster. Zwischen den Lieblingssongs der Gäste, mit denen Kim Fisher auch gemeinsam singt, gibt es, so verspricht das MDR-Fernsehen, launigen Sofa-Talk mit ihr und ihren prominenten Gästen.

Da ist die 49-Jährige in ihrem Element. Während sie sich vor der Bezeichnung Schauspielerin noch scheut, ist sie sich ihrer Fähigkeiten als Moderatorin sicher. „Da habe ich Erfahrungen, da weiß ich, was ich kann.“ Schließlich hat sie das auch vielfach bewiesen, ob in der Talkshow „Riverboat“, in die sie nach achtjähriger Pause 2014 zurückgekehrt war oder in ihrer weiteren Musikshow „Kims Klub“. „Ich möchte, dass sich meine Gäste bei mir wohl fühlen“, beschreibt sie ihren Anspruch. Dafür werden ihr die nötige Wärme, Mut, Humor ebenso nachgesagt wie rücksichtslose Neugier und entwaffnende Weiblichkeit.

Die Entertainerin gilt als echtes Multitalent. Sie moderiert Galas in Highheels oder stapft in Gummistiefeln durchs Brandenburger Land für ihren „wunderbaren Imbiss“ im RBB-Fernsehen. Als charmanter Lügendetektor unterhält sie neben Smudo von Fanta 4 in der SWR-Rateshow „Sag die Wahrheit“. Sie veröffentlichte mehrere Alben und wurde mit dem Fred-Jay-Preis, mit der Goldenen Henne sowie der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet. Und auch als Autorin ist sie erfolgreich: In „90 Tage auf Bewährung“, das mehrere Wochen lang auf Platz fünf der Spiegel-Bestsellerliste lag, hat sie selbstironisch und amüsant die Fallstricke und Fettnäpfchen in den ersten 90 Tagen einer Beziehung aufgeschrieben.

Nun dürfen die Amphi-Gäste auf Elke gespannt sein, auf die biedere Buchhalterin, die nach einem Missgeschick mit dem Wagen ihres Mannes fieberhaft nach einem Ersatzteil auf dem Schrottplatz sucht – und zu guter Letzt mit ihren drei quirligen Leidensgenossinnen singend, tanzend und lachend erkennt, dass auch die Idealvorstellungen vom Traummann auf den Schrott gehören.

Dass der Abend eine Eheberatung ersetzen könnte, wollte Christian Kühn der RUNDSCHAU nicht bestätigen, aber: „Humor ist immer noch die beste Medizin, um das ein oder andere Beziehungsproblem zu meistern. Und wer verlernt hat, miteinander zu lachen, sollte lieber heute als morgen damit beginnen“, sagt er einladend.

„Zickenzirkus“ Karaoke-Komödie der Comödie Dresden, Sonntag, 2. September, 19.30 Uhr, Amphitheater