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| 01:04 Uhr

Zeitreise ins 15. Jahrhundert

Im Mühlenhof-Museum in Grünewalde können seit Sonntag Kinder für sechs Tage in das Mittelalter um 1430 verreisen. Die „Lausitzer Kinderzeitreise“ ist ein Projekt des Heimatvereins Grüne walde, des Lausitzer-Wege-Vereins und der Arbeiterwohlfahrt Hoyerswerda. Die Ferienkinder sollen hier einen authentischen Einblick in das Leben und Arbeiten im Mittelalter erhalten und durch aktives Mitgestalten die Zeit nacherleben.. Grünewalde. Von Katrin Schwede

In den Ausstellungsräumen des Museums können mittelalterliche Haushaltsgeräte sowie Landmaschinen besichtigt werden und auch in die penibel original ausgestatteten Wohn- und Schlafräume lohnt ein kurzer Blick. Der Kräutergarten hinter dem umgebauten Bauernhof lüftet so manches Geheimnis alter Rezepte und würzte bestimmt auch die Gräupchensuppe von Montagmittag. Gegessen wird aus Plastikschüsseln, denn die selbst getöpferten Teller müssen noch gebrannt werden.
25 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren sind genau wie ihre Betreuer in zeittypische Leinenkleider gehüllt und tragen stolz den gebastelten Filzschmuck. Heike Blobel vom Lausitzer-Wege-Verein: „Die Kinder sollen in den historischen Werkstätten mit anpacken und sehen, wie schwer die Arbeit damals war.“
Beim Schaubrotbacken lernen sie, wie aus Getreide der Teig wird, den sie dann in den restaurierten, holzgefeuerten Backofen schieben. Und während die Jungen in der altertümlichen Schmiede kleine Zinn- und Bleifiguren gießen, versuchen die Mädchen an den Spinnrädern die alte und etwas komplizierte Technik des Wollespinnens zu erlernen. „Die Kinder sollen in alle Arbeitsbereiche einen Einblick bekommen und die damalige Zeit hautnah miterleben können“ , erklärt Enrico Kirschner von der Arbeiterwohlfahrt.
Heute wird in Grünewalde geimkert, die Kinder können dabei zuschauen und den einen oder anderen Handgriff probieren, den fertigen Honig vielleicht sogar kosten. Am Donnerstag wird das Mittagessen selbst gejagt. In der Grünewalder Fischzuchtanlage werden die Angeln ausgeworfen und der Fang anschließend geräuchert. Am Nachmittag reisen dann die „Franken“ aus Hof an, die das Mittelalter wirklich leben und die Kinder unterstützen wollen, ihre eigene Wagenburg auf dem Festplatz zu errichten und Waffen zu schnitzen. Denn für Freitag kündigt sich eine große Schlacht an. Die Kids aus Grünewalde wollen die Burg stürmen, und die handgefertigten Zelte und Planwagen sollen bestens verteidigt werden. „Das Schlafen im Wagen gefällt mir am besten, und vor allem die Kleidung ist so schön schlicht“ , verrät Jette Müller (10) aus Frauendorf.
Die Resonanz auf das Zeltlager war unerwartet groß. So sind die drei Durchgänge bis zum 16. August von jeweils Sonntag bis Samstag restlos ausgebucht. Die Kinder kommen vor allem aus Berlin, Eberswalde, Hoyerswerda, Cottbus, Ruhland und Grünewalde um sich von dem mittelalterlichen Flair mitreißen zu lassen. Am 15. August um 19 Uhr findet im Zeltlager der öffentliche Höhepunkt statt: Der Geschichten- und Wanderzirkus aus Halle wird die Zuschauer mit mittelalterlichen Bräuchen verzaubern. Jeder interessierte Gast ist herzlich willkommen.