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Zeiten waren auch damals nicht rosig

Senftenberg.. Der Senftenberger Tierpark, der 1931 in unmittelbarer Nähe des Schlosses und seiner ausgedehnten Stadtpark-Anlagen sowie der bekannten Amtsmühle gebaut und eröffnet wurde, geht seinem 75-jährigen Bestehen entgegen. Ob dieses Jubiläum im nächsten Jahr ein Anlass zum Feiern sein wird, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welche Entscheidungen über das Fortbestehen getroffen werden. Von Hans Hörenz

Ganz gleich, wie die Zukunft des Tierparks in unserer Stadt ausgehen mag, in den Chroniken und regionalen Schriften wird die gegenwärtig beiderseits der Schwarzen Elster gelegene Freizeit- und Erholungsanlage immer einen festen Platz haben. Als sich vor nunmehr rund einem Dreivierteljahrhundert die Senftenberger Stadtväter zum Bau eines Tierparks entschlossen, waren die Zeiten gewiss nicht rosig. Tagebaue und Brikettfabriken hatten die nahe Umgebung Senftenbergs verändert und der Bevölkerung so manche Naturschönheit genommen. Der Tierpark sollte ein Ausgleich sein.
Die Brikettfabrik und Grube Meurostolln im damaligen Senftenberg II zählten 1931 über 1000 Beschäftigte. In Betrieb unmittelbar vor den Toren der Stadt, waren zu dieser Zeit beispielsweise auch die Brikettfabriken der Grube Marga. Der Tagebau Ilse-Ost dehnte sich weiter aus.
Trotz der industriellen Entwicklung waren in der hiesigen Region Tausende auf Arbeitssuche. Als im Jahr 1931 der Tierpark geschaffen wurde, bei dem vorübergehend auch einige Erwerbslose mit Hand anlegten, mag sicherlich kaum jemand daran gedacht haben, dass 75 Jahre später auf dem Arbeitsmarkt die Lage wieder prekär und der Tierpark in Gefahr sein könnte. Übrigens: Im gleichen Jahr wurde auch ein damals modernes Arbeitsamtsgebäude in der Wiesenstraße errichtet. Im Dezember begann die Musikschule mit dem Unterricht.
Wenige Jahre nach der Eröffnung des Tierparks in der Stadt Senftenberg schrieb der Lehrer Karl Göpfert im Heimatjahrbuch des Kreises Calau, dass der Park nach so manchen Schwierigkeiten zu einem Anziehungspunkt für die einheimische Bevölkerung geworden ist und es auch viel Lob von Besuchern aus Berlin, Leipzig, Dresden und anderen Gegenden gab. Zu den Initiatoren für die Schaffung des Tierparks, so weiß man sich gut zu erinnern, gehörte der Forstverwalter der Niederlausitzer Kohlenwerke in Schipkau, Rudolf Heusohn, der damals in Hörlitz wohnte und lebte. Er hatte sich in den 20er-Jahren um die planmäßige Aufforstung von Kippen durch den Aufbau reichhaltiger Laubholzkulturen, um ein natürliches und leistungsfähiges Waldgefüge zu erreichen, verdient gemacht.
Auch zu DDR-Zeiten bot der Senftenberger Tierpark rund 350 Tieren verschiedener Arten - darunter Bären, Affen, Ponys, Hirschen und Rehen - einen von den engagierten Pflegern gut umsorgten Aufenthalt. Das Braunbären-Paar Moritz und Poldi war offensichtlich das bekannteste unter den Tierparkbewohnern. 36 Kindern haben beide in Senftenberg das Leben geschenkt.
In Schriften und Zeitungen gibt es viel Interessantes auch zum Nachlesen über den Park. Da war zum Beispiel zu erfahren, dass am 4. August 1957 ein besonderes Geschenk vom Dresdner Zoo kam. Die Bären Moritz und Pippi fanden in Senftenberg ihre neue Heimat. Zwei Jahre später war es Dr. med. Teichmann, der als Schiffsarzt tätig war und von einer Reise auf den Weltmeeren mehrere Affen für den Park mitbrachte.
Große Beachtung fand auch ein Storch, den Tierfreunde Anfang der 80er-Jahre mit Verletzungen an den Flügeln zur veterinärmedizinischen Behandlung und weiterem Aufenthalt in den Tierpark brachten. Adebar verblieb auch über den Winter dort, obwohl seine spätere Partnerin alljährlich gen Süden flog, dann aber in das Nest auf einem hohen Schornstein einer ehemaligen Backstube in der Buchwalder Kurve zurückkehrte. Ein wohl einmalig im Land aufgestelltes rot-weiß-schwarzes Gefahrenzeichen mit der Aufschrift „Storchenflug“ hatte die Verkehrsteilnehmer zu erhöhter Vorsicht und zum Schutz der nicht selten auf der Straße stolzierenden Großvögel gemahnt.
Seitdem vor fast 75 Jahren der Tierpark die ersten Besucher empfing, hat sich in unserer Stadt viel verändert. Heute gibt es in der Stadt ein Theater, eine Schwimm- und Skihalle, das über die Landesgrenze hinaus bekannte Erholungsgebiet Senftenberger See sowie eine Reihe weiterer Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung und Erholung dienen.
Die Zahl der Kinder, die ja früher hauptsächlich zu den Tierparkbesuchern zählten, ist rapide zurückgegangen. Während noch vor Jahrzehnten für viele ein Spaziergang in den Stadt- und Tierpark viel öfter auf dem Wochenendplan stand, ist es heute durch die Motorisierung möglich, auch schnell in die Zoos von Cottbus oder Hoyerswerda zu gelangen. So mag es für den Erhalt des Tierparks unter den heutigen Bedingungen durchaus ein Für und Wider geben. Vorwiegend die Älteren werden sich aber auch künftig daran erinnern, wie schön einst die Besuche des Tierparks waren.