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| 16:15 Uhr

Zeit und Muße für die Jugendförderung

Werner Förster im Wohnzimmer seines Hauses in Schwarzheide. Die beiden Bilder des Malers Ararat Haydeyan über ihm zeigen das BASF-Werk – aus heutiger Sicht (l.) und als Zukunftsvorstellung.
Werner Förster im Wohnzimmer seines Hauses in Schwarzheide. Die beiden Bilder des Malers Ararat Haydeyan über ihm zeigen das BASF-Werk – aus heutiger Sicht (l.) und als Zukunftsvorstellung. FOTO: Jan Augustin
Schwarzheide. Die Jugend liegt Werner Förster offenbar am Herzen. Für sie setzt er sich als stellvertretender Vorsitzender der Dehmel-Stiftung ein. Der ehemalige Geschäftsführer der BASF Schwarzheide engagiert sich auch bei den jährlich stattfindenden Projekten "Jugend denkt Zukunft". Jan Augustin

Diese Einladung scheint ihm irgendwie ein bisschen überrascht zu haben. Als kürzlich der Landkreis und die Sparkasse Niederlausitz besonders starke Ehrenamtler des Oberspreewald-Lausitz-Kreises würdigten, ist auch Werner Förster dabei. Ein paar Tage später sagt er: "Wenn man sieht, wie sich andere engagieren, bin ich doch ein Leichtgewicht."

Werner Förster sitzt entspannt, die Beine übergeschlagen, auf der Couch im Wohnzimmer seines Hauses in Schwarzheide. Über ihm hängen zwei Bilder des in Armenien geborenen Malers und Architekten Ararat Haydeyan. Sie zeigen das BASF-Werk von oben - aus heutiger Sicht und als Zukunftsvorstellung. Werner Förster ist zuletzt, das war 2004, Geschäftsführer bei der BASF in Schwarzheide.

Die Beziehung zu diesem Betrieb reift aber schon viel früher, und sie hält weiter an. Heute ist er der stellvertretende Vorsitzende der Dehmel-Stiftung. Die Stiftung (siehe Infobox) fördert junge Menschen. Besonders talentierte Abiturienten aus der Region erhalten für ihr Studium 500 Euro pro Semester, maximal für sechs Semester, also insgesamt 3000 Euro.

Die Stiftung setze sich außerdem für den Erhalt wertvoller Kunst- und Kulturobjekte in der Lausitz ein und sie helfe in sozialen Notfällen, zählt Werner Förster auf. Insbesondere auf dem Gebiet der Naturwissenschaften unterstütze die Dehmel-Stiftung auch Bildungseinrichtungen und Forschungsprojekte. Beispiele sind der Seecampus Niederlausitz oder das Jugend-forscht-Zentrum Lauchhammer.

Der aus Bad Schandau stammende Werner Förster engagiert sich zudem intensiv bei den jährlich stattfindenden Projekten "Jugend denkt Zukunft".

"Wenn man im Ruhestand ist, hat man Zeit und Muße. Ich mache das gern", sagt der 71-Jährige. Wenn er die Entwicklung der Jugendlichen beobachten kann, erlebe er großes Engagement, Spaß und Freude. Für sein heutiges Tun macht Werner Förster aber auch seinen ehemaligen Arbeitgeber ("Klar hat man noch Kontakte.") verantwortlich. Gesellschaftliche Verantwortung übernehmen - das sei eine Firmenphilosophie von BASF. Nach seiner langjährigen Tätigkeit im Werk sei ihm das ehrenamtliche Engagement so leichter gefallen.

Dass Werner Förster überhaupt so lange in Schwarzheide lebt, ist nicht selbstverständlich. Der gerade fertig studierte Verfahrenstechniker (Technische Hochschule Merseburg) hat andere Pläne, als er 1969 in die bergbaugeprägte Lausitz kommt. "Rechts und links Kohle. Eigentlich wollte ich ein Jahr bleiben. Dann sind es 35 Arbeitsjahre geworden", sagt er heute mit einem Lächeln auf den Lippen: "Die Arbeit war okay, die Wohnung war okay. Ich bin dann im Werk hängengeblieben."

Ein Auslandsaufenthalt unterbricht 1970 aber sein Leben in Schwarzheide. Gemeinsam mit seiner Frau Christine, die später auch im Synthesewerk und bei der BASF GmbH arbeitet, und dem gerade geborenen ersten Sohn wurde er im Auftrag des Synthesewerkes für zwei Jahre in die damalige Sowjetunion delegiert. An einem Institut in Wladimir wurde auf dem Arbeitsgebiet Polyurethane geforscht.

Die Zeit ist in guter Erinnerung. Der zweite Sohn wird dort geboren. "Das war eine sehr wertvolle Lebenserfahrung für die gesamte Familie. Das vergisst man nicht", sagt Werner Förster. Anschließend zieht die Familie wieder nach Schwarzheide und bleibt.

Zum Thema:
Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 fördert die Dehmel-Stiftung junge Menschen und hilft in sozialen Notfällen. Heute setzt sie sich außerdem für den Erhalt wertvoller Kunst- und Kulturobjekte in der Lausitz ein. Jährlich vergibt die Stiftung Stipendien an engagierte und leistungsstarke Abiturienten regionaler Schulen. Sie unterstützen die jungen Menschen bei ihrem Start in das Studium. Während der ersten sechs Semester erhalten sie finanzielle Mittel, die ausschließlich für Fachliteratur und Lehrmaterial bestimmt sind. Die Idee, eine Stiftung zu gründen, entstand durch die enge Verbundenheit des Ehepaars Dehmel mit der Lausitz. Hans-Hermann Dehmel prägte von 1990 bis 1995 als erster Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH die Entwicklung des Unternehmens. Seine Frau, Gisela Dehmel, unterrichtete als Studienrätin am Gymnasium Schwarzheide. Beide engagieren sich innerhalb der Stiftungsarbeit.