ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:08 Uhr

Zaubertricks sollen Studenten anlocken

Stehen gemeinsam für die Kinderuni unter Strom: Der Physiker Dr. Olaf Gutschker (r.) experimentiert mit Uni-Präsident Prof. Dr. Jörg Steinbach (M.) und Sparkassen-Chef Lothar Piotrowski. Das Finanzinstitut aus der Niederlausitz unterstützt die Kinderuni jährlich mit 35 000 Euro.
Stehen gemeinsam für die Kinderuni unter Strom: Der Physiker Dr. Olaf Gutschker (r.) experimentiert mit Uni-Präsident Prof. Dr. Jörg Steinbach (M.) und Sparkassen-Chef Lothar Piotrowski. Das Finanzinstitut aus der Niederlausitz unterstützt die Kinderuni jährlich mit 35 000 Euro. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg. Mit der Kinderuni will die BTU Cottbus-Senftenberg junge Leute für ein Studium gewinnen. Die Veranstaltungsreihe gemeinsam mit der science academy gibt es seit zehn Jahren und wird dank einer dicken Finanzspritze fortgesetzt. Jan Augustin

An ihre erste Vorlesung erinnert sich Maria Erdmann noch ganz genau. Sie sitzt in der dritten Reihe und ist "total nervös". Angekündigt ist ein Thema, das mit einer Frage viel Lust auf einen Besuch machen soll: "Sind Bakterien wirklich kleine Monster?" Maria Erdmann aus Finsterwald gefällt's. Sie besucht seitdem jede Vorlesung der Kinderuni auf dem Senftenberger Campus und macht auch bei der science academy für Schüler ab der siebenten Klasse mit. Zwölf Jahre ist das nun her. Maria Erdmann ist längst Studentin. Die 23-Jährige studiert BWL in Cottbus und steht kurz vor dem Bachelor-Abschluss.

Die kleine Anekdote erzählt sie gestern bei einer Veranstaltung, zu der auch BTU-Präsident Jörg Steinbach und der Chef der Sparkasse Niederlausitz, Lothar Piotrowski gekommen sind. Am Ende der Runde unterzeichnen die Beiden eine wichtige Vereinbarung. Es geht um die Förderung der Kinderuni durch die Sparkasse. 35 000 Euro überweist das Kreditinstitut bis 2019 jährlich. "Das ist ein ganz schöner Batzen", sagt Lothar Piotrowski. Aber der Sparkasse gehe es gut. "Deshalb können wir uns das leisten", sagt der Vorstandsvorsitzende. Seit 2007 überweist sein Haus Geld für die Veranstaltung - immer mit derselben Summe. "Wir sind stolz auf unsere Uni", sagt Piotrowski und betont: "Unsere Aufgabe ist es, die Region zu fördern."

BTU-Chef Jörg Steinbach ist freilich dankbar dafür. Die Kinderuni allein aus dem Haushalt der Hochschule zu stemmen, sei nicht möglich - die Veranstaltung aber enorm wichtig. "Warum?", fragt er und gibt gleich selbst die Antwort: "Das Entscheidende ist, dass wir Studierende haben." Die Konkurrenzsituation sei heutzutage groß. Mit der Kinderuni versucht die Hochschule, die Studierenden von morgen zu gewinnen.

Auch Maria Erdmann hat nach ihrem Abitur mehrere Zusagen von Universitäten aus Berlin, Dresden und Leipzig. Dann stellt sie fest, dass sie gar nicht weg will von diesem "tollen Ort" und entscheidet sich für die BTU. "Letztendlich hat mir die Kinderuni bei der Berufswahl geholfen", sagt sie. Dann verlässt sie die amüsante Runde im Sitzungssaal der BTU, weil sie zu einer Prüfung muss.

Derweil sorgt der Physiker Olaf Gutschker mit seinen Experimenten für Unterhaltung. Da schweben eine Mini-Prinzessin über einer Platte, Seifenblasen und Luftballons durch den Raum. "Man muss irgendetwas Anschauliches machen", erklärt der Dozent und setzt gleich zum nächsten Zaubertrick an.

Genau diese Abwechslung kommt offenbar gut an. Gut 15 000 Schüler der dritten bis sechsten Klassen haben die Kinderuni seit ihrem Start besucht. Für die Veranstaltungen der science academy kann das Organisationsteam auf gut 2000 Teilnehmende verweisen. Besonders stolz sei die Hochschule auf die heutigen Studierenden, die einst Kinderuni und science academy besucht haben, sagt Steinbach.

Als echte Kinderuni-Fans können Anna und Maria Bellmann bezeichnet werden. Die zwölfjährigen Zwillinge aus Guteborn lauschen den Vorlesungen seit drei Jahren. "Es gibt viele verschiedene Themen. Man lernt etwas, was man noch nicht weiß, und man lernt Freunde kennen", sagt Anna. Und Schwester Marie ergänzt: "Nicht nur die Vorlesungen machen Spaß, sondern auch die Exkursionen." Der nächste Ausflug führt die Nachwuchswissenschaftler zur Polizei. "Den Tätern auf der Spur" nennen die Organisatoren um Projektleiterin Heike Postelt die Veranstaltung.

Oft schon eigene Vorlesungen gehalten hat die Biologin und BTU-Dozentin Barbara Hansen, die die geistige Mutter der Kinderuni ist. "Eigentlich sind meine beiden Kinder schuld", erklärt sie am Donnerstag mit einem Lächeln. Sie hätten sie vor zwölf Jahren dazu gedrängt. Barbara Hansen erfüllt den Kinderwunsch und hält die erste Vorlesung - zum Thema Bakterien. In der dritten Reihe sitzt Maria Erdmann.

Zum Thema:
Strom kommt doch aus der Steckdose, oder? Und was haben ein Wasserrad, Luftwirbel oder ein Fingerwärmer mit Energie zu tun? Am Sonntag, 26. Februar, ist die Kinderuni zu Gast in der Ausstellung "Achtung Hochspannung!" und zeigt, was es auf sich hat mit der Energie. Von 14 bis 17 Uhr können sich Kinder beim Familiennachmittag im Museum Schloss und Festung Senftenberg ausprobieren und mitmachen. Darüber hinaus bietet Museumspädagoge Dirk Ehrhardt Vorführungen im historisch-elektrischen Salon an. Von den ersten elektrischen Experimenten mit Bernstein in der Antike bis zu Elektrisiermaschinen aus dem 17. Jahrhundert und Versuchen mit Elektromagnetismus oder der Erzeugung von Miniatur-Blitzen und Donner nimmt er die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Elektrizitätsforschung. Ganz moderne Anwendungen der Elektroenergie können die Besucher zudem im Außengelände der Festung kennenlernen und einmal in einem Elektroauto Platz nehmen. Das Museum mit der Sonderausstellung ist am Wochenende von 10.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.