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| 19:04 Uhr

Zahnarzt-Paar saniert altes Postamt

Das alte Postamt an der Senftenberger Bahnhofstraße ist verkauft und wird denkmalgerecht saniert.
Das alte Postamt an der Senftenberger Bahnhofstraße ist verkauft und wird denkmalgerecht saniert. FOTO: Steffen Rasche/str1
Ein Zahnarzt-Ehepaar aus Bernau hat das alte Postamt an der Senftenberger Bahnhofstraße erworben. Das denkmalgeschützte Gebäude mit Seitenflügel und Toreinfahrt soll als Wohn- und Geschäftshaus saniert werden. Kathleen Weser

Senftenberg. "In die alte Post haben wir uns sofort verliebt", sagt Dr. Dirk Weßlau aus Bernau. Der Zahnarzt und seine Frau Karola sind durch Zufall auf das denkmalgeschützte Gebäude aufmerksam geworden. "Der Tipp kam aus der Stadt", bestätigt der Käufer lachend. Ein Senftenberger Bekannter hatte dem Zufall bei einem Besuch des Paares in Senftenberg nachgeholfen.

"Wir haben bei der Denkmalbehörde des Landkreises umfangreiche Erkundigungen eingezogen. Das ist ein schönes Haus mit einer spannenden Geschichte", sagt Dirk Weßlau. Es reize ihn, gerade aus einem solchen Gebäude etwas zu machen. Das Haus ist von 1892 bis 1928 in vier Etappen erbaut worden. Der Senftenberger Maurermeister John hat als Bauherr fungiert, Vater Staat das Postamt später gekauft. Das "Neue Postamt", wie es hieß, ist historischen Unterlagen zufolge "das schönste und prächtigste Gebäude im Ort" gewesen.

"Der Charme der Jahrhundertwende und die vielen Details am Portal und auch die Handschmiedearbeiten auf der Hofseite schreien danach, denkmalgerecht saniert zu werden", stellt der Zahnmediziner fest. Das handwerkliche Geschick der Erbauer solle wieder zur Geltung gebracht werden. Die verklinkerte Fassade des zuerst errichteten Gebäudeteils (ab 1892) werde ebenso wieder in altem neuen Glanz erstrahlen wie der geputzte Anbau (1912). "Für uns ist das eine schöne Herausforderung", erklärt Weßlau. Und Denkmalschutz sei für ihn "als sehr konservativem Menschen" viel mehr Lust als Last. Erfahrungen mit historischer Bausubstanz bringt das Paar mit.

Derzeit wird das alte Postamt fachgerecht entkernt. "Einbauten aus vielen Jahrzehnten müssen entfernt werden", bestätigt der stolze Bauherr. Das Haus war den sich verändernden Bedürfnissen folgend immer wieder erweitert worden. Mit der aufstrebenden Stadt, vor allem mit Entstehen der Grubenwerke und den Bahnlinien nach Großenhain und Lübbenau, war der Bedarf an postalischen Dienstleistungen gewachsen. In Inflationszeiten herrschte Platzmangel wegen der gewaltigen Menge an Scheinen.

Ein Wohn- und Geschäftshaus wollen Karola und Dirk Weßlau aus dem altehrwürdigen Postamt an der Senftenberger Bahnhofstraße machen. Details werden dem Paar zufolge gemeinsam mit der Denkmalbehörde erst abgestimmt und entschieden, wenn die alte Bausubstanz in einigen Tagen komplett freigelegt ist.

Zum Thema:
Investoren aus Übersee hatten 2008 etwa 1300 Gebäude und Liegenschaften der Deutschen Post erworben und die Beteiligungen in einen in Luxemburg verwalteten Fonds eingebracht. Dieser bringt viele der Immobilien zum Verkauf an den Markt. Das Senftenberger Postamt an der Bahnhofstraße ist im November in Privathand verkauft worden. Der Besitzübergang ist inzwischen erfolgt.

Das Gebäude wird entkernt. Einbauten aus vielen Jahrzehnten müssen fachgerecht abgetragen werden.
Das Gebäude wird entkernt. Einbauten aus vielen Jahrzehnten müssen fachgerecht abgetragen werden. FOTO: Steffen Rasche/str1