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Wort am Sonntag: Wer bin ich, wenn es mich betrifft?

FOTO: LR
Senftenberg. Nennen wir ihn Udo. Ein schüchterner und stets freundlicher junger Mann ist er; hilfsbereit, wenn man ihn um einen Gefallen bat.

Niemals hat er über die Stränge geschlagen. Ein ganz normales Single-Leben führte er bei Mamma. In seiner Firma ist er geachtet. Zuverlässig und fleißig kennen ihn seine Kollegen.

Und jetzt das Unfassbare: Wegen Mordes an einem siebenjährigen Mädchen ist er verhaftet worden. Die Bewohner des kleinen Heimatortes verstehen die Welt nicht mehr. Wie konnte aus einem so friedlichen jungen Mann ein Mörder werden?

Wir Menschen können unheimlich-zwielichtige Wesen sein. Die Menschheitsgeschichte liefert unzählige traurige Beweise dafür. Der erste deutsche Reichskanzler Bismarck soll mal gesagt haben: Zu niemandem kann man gleichzeitig so lieb und so gemein sein, wie zu seinem eigenen Ehepartner.

Brutale KZ-Aufseher waren zu Hause liebevollste Familienväter.

Was ist nur mit uns Menschen los? Sind Sie auch schon über sich selbst erschrocken? Wer bin ich eigentlich, mal so, mal so? Oft gegen meinen Willen?

Ich will eigentlich immer nett und respektvoll mit anderen umgehen. Ich spiele eine Rolle, die ich hinterher bitter bereue. Aber meine Worte und Taten kann ich nicht mehr rückgängig machen! Die Bibel sagt, dass wir Menschen Taten tun können, die von Gott kommen, aber auch Taten, die des Teufels sind. Und der Zwiespalt liegt in uns selbst. Ich erlebe es, dass ich zu Menschen geduldig und freundlich sein kann und wenig später, zu Hause, in meiner Familie, gereizt und lieblos auftrete.

Dabei ist in uns eine tiefe Sehnsucht nach einer Welt ohne Mord, Krieg, Gewalt und Betrug. Wir hungern nach Frieden. Wir möchten, dass Beziehungen gelingen und nicht zerstört werden. Martin Luther gebrauchte mal ein Bild: Wir Menschen werden geritten, es fragt sich nur, von wem.

Die Bibel sagt, dass Jesus Christus erschienen ist, um die Werke des Teufels zu zerstören. Dieses Angebot will ich immer neu nutzen. Ich will Jesus Christus bewusst die Herrschaft über mein Leben abtreten, damit seine Kraft und Liebe mein Denken und Tun verändern und ich

Lebens- und liebesfähig werde. Bei mir muss es anfangen!

*Prediger i. R., Senftenberg