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| 16:16 Uhr

Wolfshunde-Zucht steht vor dem Aus

Jeannette Rupp sitzt seit dem siebten Lebensjahr im Rollstuhl. Das schränkt die Versorgung der Hunde zwar ein – dass sie aber gar nicht als Betreuungsperson anerkannt wird, entsetzt sie. Robert Rupp ist unter anderem fürs Gassigehen verantwortlich.
Jeannette Rupp sitzt seit dem siebten Lebensjahr im Rollstuhl. Das schränkt die Versorgung der Hunde zwar ein – dass sie aber gar nicht als Betreuungsperson anerkannt wird, entsetzt sie. Robert Rupp ist unter anderem fürs Gassigehen verantwortlich. FOTO: Jan Augustin
Neu-Seeland. Um ein Wolfshundezentrum zu gründen, ist das Ehepaar Rupp von Marxdorf (Elbe-Elster) auf ein abgelegenes Grundstück nach Lindchen (Oberspreewald-Lausitz) gezogen. Sie bekommen die Baugenehmigung und die tierschutzrechtliche Erlaubnis. Nun aber steht ihr Traum vor dem Aus. Jan Augustin

Keine hundert Meter nach dem Abzweig von der B 169 in Richtung Neupetershain befindet sich auf der rechten Seite das Grundstück, auf dem Jeannette und Robert Rupp ihr Wolfshundezentrum erschaffen wollen. Neun kleinere und drei zehn mal zehn Meter große Zwinger haben die Hundeliebhaber auf dem Gelände am Waldesrand schon gebaut. 27 sollen es insgesamt werden. Für ihren Traum sind die Rupps vor zwei Jahren von Marxdorf, wo sich die Hundezucht mitten im Ort befand, nach Lindchen gezogen.

Der Traum des Wolfshundezentrums steht nun aber vor dem Aus. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz hat Mitte Januar die zuvor von ihm erteilte tierschutzrechtliche Erlaubnis wieder aufgehoben und damit vorerst einem langen bürokratischen Verfahren ein Ende gesetzt. Der schriftliche Bescheid liegt der RUNDSCHAU vor.

Die aufgeführten Gründe sind vielfältig und auf insgesamt elf Seiten mit etlichen Paragrafen beschrieben. Robert Rupp habe mehrfach tierschutzrechtliche Vorschriften nicht eingehalten, heißt es da. Ein erster Verstoß sei bereits darin zu sehen, dass er mit seinen insgesamt 41 Hunden in den OSL-Kreis umgezogen ist, ohne über eine Erlaubnis zum Züchten und Halten von Hunden zu verfügen. Zudem habe Robert Rupp es nicht unterlassen, seine Hunde in der Zeit vor der Erteilung der Erlaubnis an der Verpaarung zu hindern, obwohl er dazu verpflichtet gewesen sei. Außerdem verfüge er nicht über genügend sachkundige Betreuungspersonen für die Hunde.

Ihre Verzweiflung und der Ärger stehen den Rupps deutlich ins Gesicht geschrieben. "Es ist verantwortungslos, eine ganze Existenz zu zerstören und eine Familie in Hartz IV zuschicken", sagt Jeannette Rupp. Die 36-Jährige ist seit dem siebenten Lebensjahr an den Rollstuhl gebunden. Als der treue altdeutsche Schäferhund als Helfer stirbt, entsteht die Idee: Die Rupps erschaffen mit dem "Marxdorfer Wolfshund" eine eigene Hunderasse - eine Kreuzung des Weißen Schäferhundes und des Saarlooswolfhundes. Die Rasse ist vom Internationalen Hunde Verband (IHV) anerkannt.

Dass es den Hunden in Lindchen gut geht, wird von einem Tierarzt aus dem Landkreis bestätigt. Dieser schätzt ein, dass die Hunde "einen guten Gesundheits- und Pflegezustand aufweisen". Der Bestand sei lückenlos geimpft und regelmäßig entwurmt. Er habe den Eindruck, dass die Familie Rupp ihr Rudel nicht vernachlässigt.

Die Rupps können auch etliche Zertifikate und Sachkundenachweise zur Haltung und Führung von Hunden vorlegen. Jeannette Rupp ist in der ersten Genehmigung des OSL-Kreises - anders als in Elbe-Elster - dennoch nicht als Betreuungsperson angerechnet worden. Um zehn Zuchthunde muss sich laut Gesetz mindestens eine Person kümmern. Das bedeutet: je weniger Hunde, desto weniger Welpen, die verkauft werden können. Allein für Futter und Tierarzt gehen aber laut Jeannette Rupp schon etwa 20 000 Euro im Jahr drauf. Einen Welpen verkaufen sie für 900 Euro. Dass Jeannette Rupp nicht als sachkundige Betreuungsperson angesehen wird, bewertet sie als Diskriminierung: "Er muss meine Person zu 50 Prozent anerkennen." Freilich gebe es Arbeiten, die im Rollstuhl nur bedingt möglich seien, zum Beispiel das Füttern oder Gassigehen. Den Großteil der Aufgaben könne sie aber uneingeschränkt erfüllen.

Und wie es jetzt weitergeht? "Insolvenz und Hartz IV", antwortet Robert Rupp resigniert. Mittlerweile haben die Rupps einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Zum Thema:
Der Marxdorfer Wolfshund ist noch eine sehr junge Züchtung. Alle Züchter, die im Verein Marxdorfer-Wolfshunde-Club angeschlossen sind, züchten nach dem Rassestandard der Ursprungszucht der Familie Rupp. Der Marxdorfer Wolfshund ist ein familienfreundlicher Hund, der eine enge Anbindung an sein Rudel (Familie) braucht. Er braucht eine konsequente und liebevolle Erziehung, kann von zurückhaltend bis offen sein, wachsam, jedoch nicht aggressiv. Die Rupps beschreiben den Hund als sehr intelligent und kreativ. Durch den sehr ausgeprägten Geruchssinn eignen sie sich als Mantrailer (Personenspürhunde).