| 17:06 Uhr

Wohnviertel an Calauer Straße ist aufgeblüht

Die Calauer Straße mit den Gehwegen und Parktaschen ist nach zehnmonatiger Bauzeit wieder ein Pflaster, das sich sehen lassen kann. Die Straße samt Radwegen hat der Kreis erneuern lassen. Der Baukostenanteil der Stadt Senftenberg für die Nebenanlagen summiert sich auf eine halbe Million Euro.
Die Calauer Straße mit den Gehwegen und Parktaschen ist nach zehnmonatiger Bauzeit wieder ein Pflaster, das sich sehen lassen kann. Die Straße samt Radwegen hat der Kreis erneuern lassen. Der Baukostenanteil der Stadt Senftenberg für die Nebenanlagen summiert sich auf eine halbe Million Euro. FOTO: Rasche/str1
Senftenberg. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblüht: Eine Woche nach der Freigabe der Calauer Straße haben sich 50 Senftenberger mit dem Bürgermeister beim Stadtteilspaziergang an 1000 blühenden Rosen erfreut. Darunter die blutrote Blütenpracht der Bodendeckerrose namens Mainaufeuer. Andrea Budich

Sekt oder Selters - diese Wahl hatten die 50 Spaziergänger, die am Donnerstag mit Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) unterwegs waren, nicht. Am Ende der Tour konnten sie zwischen Mineralwasser oder Brandenburger Wein wählen. Egal, ob sich die Senftenberger für den Solaris vom Großräschener Weinberg oder für den Roten von Marbachs Wolfshügel aus Jerischke (bei Forst) entschieden, das Urteil fiel einstimmig aus: Es lebt sich sehr gut entlang der Calauer Straße. So schön grün und blühend war das Wohnquartier schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr gewesen. Das bestätigen bei einem guten Schluck am Fuße des Weinberges an der Raunoer Höhe mit 240 Rebstöcken zwei Senftenbergerinnen, die es wissen müssen. Ingeborg Wachtel und Margot Jehne haben hier ihre Kindheit verlebt und kennen jede Ecke des Wohnviertels aus dem Effeff. Dass es sich hier wieder so schön leben lässt, freut die beiden Rentnerinnen besonders. Ihr Zuhause haben sie heute an der Taubenstraße und an der Krankenhausstraße. Beide haben in der damaligen Volksschule (heute Dr.-Otto-Rindt-Oberschule) gelernt. Auch an die Raunoer Weinberge können sie sich noch gut erinnern.

Der Weinberg

Die alte Anbautradition wiederzubeleben, dafür brennen die Senftenberger Weinfreunde. Vereinsvorsitzende Marianne Körner hätte den Spaziergängern auch gern Senftenberger Wein eingeschenkt. Doch dafür haben die 150 Kilogramm der Jungfernlese im September des Vorjahres noch nicht ausgereicht. Die Ernte ist komplett zum Federweißenfest ausgetrunken worden. Was den Senftenberger Wein so kostbar macht, ist nicht die Masse, sondern das historische Echtheitssiegel. Gutedel, Tauberschwarz, Agostenga, Frühmuskat und Madeleine Celine sind an den Reppister Rebenhängen schon vor Hunderten von Jahren gereift. Mit ihren Rebstöcken holen die Weinfreunde ein Stück Heimat zurück, dem der Braunkohlebergbau einst den Todesstoß versetzte. "Das ist es, was uns zusammenschweißt", erklärt Vereinsvorsitzende Marianne Körner das Besonderes ihres Wein-Projektes. Von den Spaziergängern gibt es dafür viel Lob und das Versprechen, zum Weinfest im Herbst wiederzukommen.

Die Schule

Zu den markanten Gebäuden entlang der Calauer Straße gehört die Dr.-Otto-Rindt-Oberschule mit derzeit 250 Schülern. Die Stadtväter wollen auf dem Gelände weiter investieren und ein Schulzentrum bauen. Als geeigneten Standort für eine gemeinsame Grund- und Oberschule hat die Stadtverwaltung die Otto-Rindt-Schule ins Auge gefasst. "Hier passt alles. Es ist genügend Platz für einen Neubau da, in den die Walther-Rathenau-Schule einziehen kann", erklärt Bürgermeister Andreas Fredrich. Die Entscheidung, ob 200 000 Euro für eine Planung aus dem kommunalen Haushalt genommen werden sollen, trifft am Mittwoch die Stadtverordnetenversammlung.

Das Obdachlosenhaus

Eine Einrichtung, die nicht gleich erkannt wird, ist das Senftenberger Obdachlosenhaus in der Calauer Straße 21. Jede Nacht, so Jörg Schiemann, Leiter des Obdachlosenhauses in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, nutzen derzeit sechs Personen die bescheiden, jedoch wohnlich eingerichtete kommunale Unterkunft. Persönliche Schicksale und ganz unterschiedliche Beweggründe führen die Bewohner hier her. Ob der Standort jedoch perspektivisch noch der richtige ist, das wird derzeit bei der Erarbeitung eines neuen Obdachlosen-Konzeptes geprüft. "Diese Entscheidung soll die nächsten 20 Jahre Bestand haben", erklärt der Bürgermeister dazu.

Bürgerprobleme

Zu den Problemen, die beim Stadtteilspaziergang aufgezeigt wurden, gehören die fehlenden Bänke im Stadtgebiet. "Es ist ziemlich schwer, eine Sitzgelegenheit zu ergattern, selbst in der Stadtmitte", sagen Karin und Kurt Marciniak. Das Ehepaar gibt sich als Neu-Senftenberger zu erkennen. Vor acht Monaten ist das Paar von Altdöbern an die Senftenberger Lindenstraße umgesiedelt.

Den erbärmlichen Zustand der Kurzen Straße bringt Anwohner Helmut Paff zur Sprache. Schlaglöcher. Pfützen. Nach Regen und Tauwetter ist die Straße für Fußgänger und Radfahrer beinahe unpassierbar. Eine Entwässerung gibt es nicht. Das Problem ist im Rathaus gut bekannt, bestätigt Frank Hellmund als Sachgebietsleiter Tiefbau. "Abhilfe schaffen kann nur eine grundhafte Straßenerneuerung mit Bau einer funktionierenden Straßenentwässerung", redet er Klartext. Ins Blickfeld der Spaziergänger ist auch der letzte Schandfleck am Ortsausgang an der Calauer Straße geraten. Auf die grauen KWG-Häuser, die ein Schattendasein fristen, angesprochen, zeigt sich der Bürgermeister guter Hoffnung, dass dort in naher Zukunft etwas passieren wird.