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Wohngruppen-Projekt ist jetzt preisgekrönt

Gut betreut und nicht allein: Für die Wohngruppen bei der GWG Lauchhammer gibt es eine Warteliste.
Gut betreut und nicht allein: Für die Wohngruppen bei der GWG Lauchhammer gibt es eine Warteliste. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Lauchhammer hat das Qualitätssiegel "Gut gewohnt – fit für die Zukunft" abgeräumt. Kathleen Weser

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft (GWG) Lauchhammer trägt jetzt das Qualitätssiegel "Gewohnt gut - fit für die Zukunft" des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Voller Stolz.

Der ist Vorstand Jörg Gärtner, auch generell eine frohe Natur, am Mittwoch deutlich anzusehen. Fast ungeduldig folgt er den Worten des Lobes von Maren Kern vom Fachverband, die sich von den drei modern hergerichteten Wohngemeinschaften mit jeweils acht Einzelzimmern und einer Gemeinschaftsküche sowie den Pflegedienst-Räumen im Erdgeschoss begeistert zeigt.

Infrastruktur-Ministerin Kathrin Schneider (SPD), die Schirmherrin der Aktion für beispielhafte Projekte im Stadtumbau an Standorten in der demografischen Falle, hält das Gütesiegel in den Händen - während sie den Mut und die Idee für das selbstbestimmte Wohnen im Alter in Lauchhammer als herausragend würdigt und schon mal vorab gratuliert. Ein Seitenblick von Jörg Gärtner auf die Urkunde und der flotte Spruch in die Runde, dass er den Preis nun langsam auch wirklich gern hätte, sagt dem Bürgermeister galant: kurz fassen. Roland Pohlenz (parteilos) findet das Maß und die richtigen Worte. Die Genossenschaft, ein grundsolider Großvermieter am sehr schwierigen Wohnungsmarkt in Lauchhammer, sorgt dafür, dass die Stadt mit einem schwer erarbeiteten Erfolg und tollen Wohnprojekt auch über die Region hinaus wahrgenommen wird. Der Baustein für das Leben im Alter sei richtig gesetzt - von dem Schrittmacher der heimischen Wohnungswirtschaft. Um den Spagat zu schaffen, trotz weiteren Schrumpfens der Stadt den Wohnungsbestand weiter attraktiv zu machen und neuen Bedarfen anzupassen, sei Lauchhammer auch künftig auf die Unterstützung des Landes angewiesen. Roland Pohlenz betont zudem, dass nicht mehr benötigte Bausubstanz konsequent weiter "von der Bildfläche verschwinden" muss. Einige Problemzonen in der Stadt zeigt er der Ministerin anschließend noch bei einem Arbeitsrundgang.

Die "Gewohnt gut"-Jury zeichnet den altersgerechten Umbau eines Bestandsgebäudes aus den 60er-Jahres aus. Damals galt es noch, viele Menschen auf möglichst wenig Raum unterzubringen. Die ursprünglichen 4-Raum-Wohnungen mit kleinen Zimmern sind längst nicht mehr nachgefragt. Gealterten, allein stehenden Menschen mit einem Pflegebedarf ein langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen und einen Aufgang des viergeschossigen Plattenbaus dafür umzubauen, war deshalb die Idee. Im Jahr 2013 ist das Modell dieser Wohngemeinschaft noch beispiellos gewesen. Die erforderlichen 910 000 Euro für den Um- und Ausbau des ersten Aufganges des Hauses an der Thomas-Mann-Straße hat die Genossenschaft vollständig aus Eigenmitteln gestemmt. Die Nachfrage hat den Vorstand schon kurz darauf die Erweiterung angehen lassen. Weitere 817 000 Euro wurden investiert, teilweise kreditfinanziert. Zwei Eingänge des Wohnblockes sind zusammengelegt und drei Wohngemeinschaften sowie mehrere Gemeinschaftsräume vertikal angeordnet worden. Die Bäder haben einen behindertengerechten Standard erhalten. Das Gebäude wird mit einer Brennwert-Heizungsanlage mit Solarkomponente versorgt. "Die Wohnungen erfüllen die Bedürfnisse der Mitglieder und sind modern ausgestattet", sagt Jörg Gärtner. Über das Innenleben des Hauses hinaus sind auch die Außenanlagen liebevoll neu gestaltet worden.

Und mit dem im Erdgeschoss präsenten Pflegedienst ist über den angepassten Bestand hinaus auch ein Rundum-Service für die betagten, meist an Demenz erkrankten Bewohner gesichert. Partner ist die Gesellschaft für Seniorendienste (GSD) Berlin-Brandenburg, die das Prinzip "Ambulant vor stationär" in Lauchhammer mit Leben erfüllt - und mit dem beispielhaften Projekt "auch kräftig hausieren geht", wie Geschäftsführer Michael Blümchen gern einräumt.

24 Bewohner leben hier. In einer Selbstverwaltungseinheit entscheiden sie, wer mit einziehen darf. "Für uns steht der Gedanke eines selbstbestimmten Lebens im Alter im Mittelpunkt. Diese Idee haben wir nun mit unseren neuen Wohngemeinschaften umgesetzt. Die heutige Würdigung freut uns zusätzlich", sagt Jörg Gärtner, der geschäftsführende Vorstand sichtlich zufrieden. "Wir merken, dass wir mit unserem Ansatz einen Nerv getroffen haben", ergänzt er.

Zum Thema:
Das Qualitätssiegel "Gewohnt gut - fit für die Zukunft" wird sechsmal jährlich vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) vergeben. Durch die Auszeichnung beispielhafter Projekte soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass für die Wohnungsunternehmen auch Stadterneuerung und Aufwertung zentrale Bestandteile des Stadtumbauprozesses sind. Das Qualitätssiegel geht an brandenburgische Wohnungsunternehmen, deren Wohnungsbestände in besonderem Maße dem demografischen Wandel und der Sicherung guten und bezahlbaren Wohnraums Rechnung tragen. Das gilt insbesondere für das Wohnen im Alter und mit Behinderung ebenso wie für familiengerechtes Wohnen und den nachhaltigen Einsatz regenerativer Energien. Nur Projekte, die einem strengen Kriterienkatalog genügen, erhalten die Auszeichnung. Geprüft werden dabei beispielsweise der soziale Nutzen für die Mieter und für die Stadt sowie die Zukunftsfähigkeit.