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| 22:55 Uhr

Strukturwandel
Wohnen am Wasser kann ein Lausitzer Hit werden

Panorama-Blick über den Hafen zum See: Mit den „weißen Villen“ hat die Stadt Großräschen den Traum vom Wohnen am Wasser ebenso wahr werden lassen, wie mit der nahezu bebauten Wohnsiedlung „Alma“. Was folgt ist die Wohnanlage „Ilse“ in der Hafenstraße.
Panorama-Blick über den Hafen zum See: Mit den „weißen Villen“ hat die Stadt Großräschen den Traum vom Wohnen am Wasser ebenso wahr werden lassen, wie mit der nahezu bebauten Wohnsiedlung „Alma“. Was folgt ist die Wohnanlage „Ilse“ in der Hafenstraße. FOTO: LR / Catrin Würz
Senftenberg/Cottbus. Experten verweisen auf erfolgreiche Neubauten am Großräschener See. Ähnliche Chancen gebe es in Senftenberg und am künftigen Cottbuser Ostsee. Von Christian Taubert

Der Senftenberger Stadtplaner Wolfgang Joswig lebt im und für das Lausitzer  Seenland. Er selbst legt allerdings Wert darauf, Stadtplaner für Großräschen zu sein. Sein viertes Ilse-Buch „Lausitzer Legende“ über die Rückeroberung eines verlorenen  Ortes (Großräschen) lässt daran keinen Zweifel. Doch Joswig war immer ein kritischer Geist, dessen Anmerkungen die Region auch zu IBA-Zeiten (2000 bis 2010) gefordert haben.

Jetzt macht sich Joswig für sein Gebiet Gedanken, wie die bevorstehende   Strukturentwicklung in  der Lausitz befördert werden kann. „Ich höre von Politikern, dass sich große Industrieunternehmen eher nicht mehr in der Region ansiedeln werden“, erklärt der 72-Jährige. Doch kluge Köpfe zu halten und anzulocken, dafür müsse das Potenzial des Lausitzer Seenlandes einfach besser ausgeschöpft werden. „Wohnen am Wasser“ ist Joswigs Anliegen, und er fordert: „Entwickeln wir doch unsere Wasserfronten an den neuen Seen.“ Das geschehe für ihn  viel zu zögerlich.

„Mir bleibt unverständlich, warum Senftenberg bis heute keine klare Kante, eine urbane Wohnkante zum und am See, zeigt“, versucht der Stadtplaner wachzurütteln. Und das sagt er nicht wegen des nach sieben Jahren von den Stadtverordneten gerade auf Eis gelegten Hotel-Neubaus am architektonischen Schmuckstück Stadthafen. Auch nicht mit Blick auf das am Stadtparlament gescheiterten Projekt Lagunendorf Sedlitz.

Aber Joswig verweist auf den Masterplan für die See- und Hafenkante von Großräschen. Darauf habe Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) vor Jahren gedrungen. „Damit haben wir seit den 1990er-Jahren auch den Großräschenern verdeutlichen können, wohin sich ihre Stadt am See entwickeln wird“, sagt Zenker. Er weist darauf, dass der Erwerb von Flächen von der LMBV in der 90ern der Stadt Spielraum für die Bebauung gegeben habe. 

Zeitig sei die Wohnsiedlung „Alma“ ausgewiesen worden. Es wuchsen die „weißen Villen“ über dem Hafen, und schon bald werde die Siedlung „Ilse“ in  der Hafenstraße die wachsende Nachfrage nach Wohnen am Wasser erfüllen. Übrigens weiß der Bürgermeister auch, dass in „Alma“ etwa drei Viertel der Häuslebauer nach Großräschen Zugereiste sind.

„Natürlich zieht das Menschen in die Lausitz“, sagt der ehemalige IBA-Chef Professor Rolf Kuhn. Er sieht seine Thesen von der Region nach dem Bergbau bestätigt. „Einmaliges ist dabei besonders reizvoll.“ Die Absage an „Klein Venedig“, das Sedlitzer Lagunendorf, tut ihm vor dem Hintergrund noch heute weh.

Die Chancen, die attraktives Wohnen am Wasser eröffnet, hat aus Joswigs Sicht auch Cottbus mit seinem fortgeschriebenen Masterplan zur Entwicklung des Ostsees ins Visier genommen. Er erinnert sich an einen Workshop 1997 mit dem damaligen Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt zu „Merzdorf am Ostsee“. Da habe es noch keine IBA und nur Tagebau statt See geben. Aber visionäre Vorstellungen und das Credo, jedem einen freien Blick zum See zu ermöglichen. Aus Sicht des Senftenbergers kann die attraktive Lage die Stadt Cottbus als begehrten Wohnstandort weit nach vorn bringen.

 Daran lässt auch Rolf Kuhn keine Zweifel. Er war inzwischen mit in der Wettbewerbsjury für das Hafenquartier am Cottbuser Ostsee, das auch Wohnen und Ferienwohnen Raum gibt. Und er steht mit seinen IBA-Erfahrungen auch weiterhin zur Verfügung. Der Politik schreibt er vorab schon einmal ins Stammbuch, „in großen Schritten zu denken“. Es dürfe für die Zukunft nichts verbaut werden. Kuhn  denkt da an die Entwicklung des urbanen Raumes zwischen der Innenstadt und dem See entlang der einstigen Gubener Bahn. Hier müsse Spielraum, so Kuhn, für weitere Ideen bleiben.

Wenn am Montag der erste Rammschlag für den Bau der Kaimauer am Ostsee erfolgt, fühlt sich Lars Scharnholz  vom Ostseemanagement an IBA-Zeiten zurückversetzt. Der Bau der IBA-Terrassen in Großräschen sei das erste sichtbare Zeichen in die Zukunft gewesen, sagt der Ex-IBA-Mitarbeiter. Der Kaimauer komme jetzt diese Rolle für Cottbus zu.