Von Torsten Richter-Zippack

Im Jahr 1919 hat der Architekt Walter Gropius das Bauhaus begründet. In Großräschen wächst genau ein Jahrhundert später die weiße Stadt heran. „Und zwar im Bauhaus-Stil“, wie Stadtplaner Wolfgang Joswig betont. Damit meint er das von ihm konzipierte Stadtviertel direkt oberhalb des Großräschener Sees. „Dort sind weißfarbene Häuser im typischen kubistischen Stil errichtet worden. Allerdings keineswegs als Wohnkisten“, stellt Joswig klar. Vielmehr solle die weiße Stadt der klassischen Moderne an die Vergangenheit der Region erinnern. So finden Architekturbegeisterte in den neuen Häusern durchaus Elemente des alten Bückgens, einem knapp 4000 Einwohner zählenden Ort, dessen Fluren heute auf dem Grund des Großräschener Sees liegen. Wolfgang Joswig verweist unter anderem auf ein rundes, haushohes Element, dass dem einstigen Treppenaufgang der Bückgener Schule nachempfunden ist.

Die Idee für seine weiße Stadt kam dem Großräschener Stadtplaner bereits vor weit über einem Jahrzehnt. Damals war im ehemaligen Ledigenwohnheim, dem heutigen Seehotel, eine Restauratorin tätig. „Diese entdeckte in dem anno 1923 errichteten Gebäude eine hellfarbene Putzschicht. Das war die Geburtsstunde für die weiße Stadt“, erinnert sich Joswig.

Inzwischen sind mehrere Mehrfamilienwohnhäuser oberhalb der Hafenkante errichtet worden. Im geplanten Wohngebiet Ilse, das sich unmittelbar anschließen soll, sind weitere fünf Stadtvillen sowie 26 Einfamilienhäuser geplant. „Das Projekt startet bald“, kündigt Wolfgang Joswig an. Natürlich werden die Gebäude ebenfalls ganz in Weiß erstrahlen. Großräschen sei eben nicht nur See- und Hafenstadt. Sondern eben auch Bauhaus-Stadt.

Zudem träumt der Architekt von einem weiteren Hotel gleich neben der Ilse-Siedlung. Allerdings sei dafür noch kein Investor gefunden worden. Anders bei den geplanten Wohnhäusern. Für diese gebe es bereits eine Menge Interessenten.