| 02:51 Uhr

Wölfe sind längst Dauergäste im Jagdrevier

Biehlen. Kein anderes Tier erhitzt die Lausitzer Gemüter so intensiv wie der Wolf. Befürworter und Gegner liefern sich teils erbitterte Wortgefechte. Jetzt sollen die Mitglieder des Jagdverbandes Senftenberg weitaus mehr Daten über die Graupelze liefern. Damit wird eine Versachlichung der Diskussion angestrebt. Torsten Richter / trt1 trt1

"Ob es uns nun passt oder nicht: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Wölfe im Bereich unseres Jagdverbandes längst Dauergäste sind. Das ist Fakt. Da helfen keine Beschwerden, sondern nur Daten, die die Anwesenheit dieser Tiere belegen", bringt Elke Faber, Vorsitzende des Jagdverbandes Senftenberg, das Problem auf den Punkt. Sie wisse nur zu gut von teils hitzigen Diskussionen, ob der Wolf die Bestände der sonstigen Wildarten in der Region verringert oder vertreibt. Doch belegen lasse sich dies ausschließlich durch Fakten. "Deshalb müssen auch unsere Jäger, die entsprechende Beobachtungen im Revier tätigen, diese auch dokumentieren. Etwa durch Fotos, das Nachmessen der Spuren, durch gefundene Losung, Risse und ähnliches", fordert die Jägerin ihre Mitstreiter auf.

Faber sei erst Anfang März nahe des Kleinkoschener Hundeausbildungsplatzes auf ein gerissenes Reh gestoßen. Experten hätten den Fund begutachtet und seien zu dem Schluss gekommen, dass es sich nur um einen Wolf als Verursacher handelte.

Jürgen Herold, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Senftenberg-Nord, die das Gebiet des Altkreises Senftenberg nördlich der Schwarzen Elster jagdlich betreut, pflichtet Elke Faber bei: "Die Wölfe sind bei uns zwar nicht ständig, aber doch regelmäßig präsent. Wir können bislang nicht nachweisen, dass unser eigentliches Wild durch diese Raubtiere beeinträchtigt wird."

Im Altkreis Senftenberg, der immerhin knapp 600 Quadratkilometer umfasst, gibt es derzeit kein eigenes Rudel. "Allerdings strahlen die Wolfsfamilien aus dem Seenland und der Königsbrücker Heide in unsere Gegend aus", weiß Ronald Böttcher, der als ehrenamtlicher Wolfsfachmann für den Jagdverband Senftenberg tätig ist. Dadurch verändere sich das Verhalten von Rot-, Reh- und weiteren Tieren des Waldes. "Sie werden heimlicher, was deren Bejagung nicht unbedingt einfacher macht", erklärt Böttcher. Der 37-Jährige meldet die Angaben der Jägerschaft an den Landesjagdverband sowie an den Lausitzer Wolfsexperten Dr. Reinhard Möckel. Allerdings seien die ihm zugegangenen Beobachtungen seitens der Weidmänner recht knapp ausgefallen. "Es gab zwei Sichtmeldungen, eine Meldung eines Nichtjägers sowie zwei Angaben, die sich nicht bestätigten", zählt der Klingmühler auf.

Beim Brandenburger Landesjagdverband ist man sich inzwischen einig, dass der Wolf zur heimischen Fauna zähle, wie Präsident Dr.Wolfgang Bethe in einem Schreiben an die Senftenberger Weidgenossen mitteilt. Allerdings müsse die Anzahl der Tiere geklärt werden, die zwischen Elbe und Oder leben könnten. Derzeit gebe es in Brandenburg zwischen 75 und 90 Wölfe. Deutschlandweit gelten rund 1000 Wölfe als Faustgröße, damit Isegrim in seinem Bestand hierzulande gesichert sei.