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Wo einst Ochsengespanne zur Heuernte unterwegs waren

Auf dem alten Senftenberger Friedhof wird der Unwetteropfer gedacht.
Auf dem alten Senftenberger Friedhof wird der Unwetteropfer gedacht. FOTO: Hörenz
Reppist/Senftenberg.. Zweimal im 19. Jahrhundert, jeweils am 6. Juli, vernichteten schwere Unwetter die Ernte. 1881 wurden drei Reppister Bauern vom Blitz erschlagen. Hans Hörenz

Seit einer Woche rollen auf der neuen B 169/96 täglich durch das Gebiet tausende Fahrzeuge, das früher von fleißiger Bauernarbeit und auch dem Bergbau geprägt war.
In der Geschichte der 1370 erstmals urkundlich erwähnten und vor 20 Jahren abgebaggerten Ortschaft Reppist gehört der 6. Juli als Schloßentag zu den denkwürdigsten Daten. Zweimal im 19. Jahrhundert, 1862 und 1881 - fast unglaublich am gleichen Tage - wurde das damalige Bauerndorf und sich zum Bergarbeiterort entwickelnde Reppist von außerordentlich starken Unwettern heimgesucht. Die ganze Ernte der Bauern wurde dadurch vernichtet. Drei Todesopfer waren durch Blitzeinschlag zu beklagen. Taubeneigroße Hagelkörner waren auf die Felder und Wiesen im Laugk sowie die Gebäude im Dorf niedergeprasselt. Weithin sichtbare Blitze und das Grollen des Donners hatten auch die Bewohner der Nachbarorte in Angst und Schrecken versetzt.
An diesem hochsommerlichen 6. Juli 1881, am Vormittag ein Unwetter nicht erwartend, waren die Reppister Bauern mit zwei Ochsengespannen von ihren Gehöften zur Heuernte zum Laugk ausgerückt. Ein plötzlich aufkommendes Gewitter überraschte die Bauern und ihre Helfer. Fast alle Ernteleute hatten in einer Feldscheune Schutz und Unterschlupf gesucht. Über dieses tragische Ereignis ist in der Reppister Chronik nachzulesen, dass an diesem später als „Schloßentag“ zum Begriff gewordenen 6. Juli der 29-jährige Gärtner Matthäus Rhoesa, seine ein Jahr jünger Frau Marie, geborene Reka, aus Rosendorf sowie der 52-jährige Häusler Matthäus Schmidtchen von einem Blitz getroffen und getötet wurden. Rhoesas Sohn Christian, genannt „Kitto“ , überlebte das Unwetter und galt später als ein Reppister Original.
Im Gedenken an die nunmehr vor genau 125 Jahren durch Blitzschlag im Laugk getöteten, die auf dem Alten Friedhof in Senftenberg beerdigt wurden, hatten in den ersten Jahrzehnten nach dem Unglück jeweils am 6. Juli Schulgottesdienste stattgefunden.
Wenn seit einer Woche täglich tausende Fahrzeuge über den ersten Abschnitt der neuen Umgehungsstraße B 169/96 zwischen Senftenberg und vorbei am Reppister Tunnel rollen, dann mag den wenigsten Leuten bekannt sein, dass sie hier ein Gelände durchfahren, über das auch vielfältig regionale Geschichte geschrieben wurde. Die Laugkstraße in der Kreisstadt, auch in Reppist gab es eine gleichnamige, weist auch heute noch den Weg in jene Richtung, die zu dem bei den Älteren noch bekannten Laugk führte. Auch das Senftenberger Gewerbegebiet im Laugk sowie der Tagebau gleichen Namens, der 1940 in Betrieb genommen wurde und schon Anfang der 50er-Jahre ausgekohlt war, erinnern an den vielfältig genutzten Laugk. In der Reppister Chronik wird darüber berichtet, dass ein Urmesstischblatt (alte Karte) aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das Dorf zählte damals etwa 130 Einwohner, eine „Reppister Fuhrt“ über den Hauptgraben im Laugk auswies. Im Zuge der Regulierung der Schwarzen Elster sowie der Sornoer Elster wurde der versumpfte Südteil, der mit 538 Hektar verhältnismäßig kleinen Gemarkung, der Laugk, in fruchtbare Äcker und Wiesen verwandelt. Ein Bauer hatte sogar seine Wirtschaft dorthin verlegt.
Von einem fruchtbaren Fleckchen Erde sprach dieser Tage auch Ruth Jurowski (geborene Schiemann) aus Hosena, die ihre ersten Lebensjahre auf der elterlichen Wirtschaft in Reppist verlebte. Der vor nunmehr 125 Jahren vom Blitz getötete Matthäus Rhoesa war der Onkel ihres Großvaters. Es sei deshalb verständlich, dass das traurige Geschehen vom 6. Juli 1881 nicht selten ein Gesprächsthema im Elternhaus und bei Verwandten besuchen war. Da hat die heute 80-Jährige noch gut in Erinnerung, dass der Onkel ihrer Mutter, Gottlieb Rhoesa, ebenfalls bei diesem Unwetter in der Nähe des drei Tote erforderten Unglücksorts war und zu Fuß in die nahe Stadt eilte, um Hilfe zu holen.
In der Nähe des jetzigen Amtsgerichts traf er die ersten Senftenberger. „Kitto“ , der überlebte und bei dem das Erlebte zu einer ständigen Behinderung führte, hatte auf dem Bauernhof, den Ruth Zurowskis Eltern Emil und Marie Schiemann etliche Jahre in Reppist bewirtschafteten, sein Wohn- und Bleiberecht.
Auch Johannes Nickusch aus der Senftenberger Güterbahnhofstraße wird ständig an das tragische Unglück im Jahre 1881 im Laugk erinnert, wenn ihn der Weg zu den Gräbern seiner Vorfahren zum Alten Friedhof führt. Immerhin bestanden durch seine als Schmidtchen geborene Großmutter enge familiäre Bindungen zu den Angehörigen des damals ebenfalls vom Blitz getroffenen Matthäus Schmidtchen.
Seitdem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Schloßen schwerste Schäden an Menschen und Gut anrichteten, hat sich das Bild im einstigen Laugk und im Umfeld vollkommen verändert. 1870 und 1874 wurden die Eisenbahnstrecken Cottbus-Großenhain sowie Lübbenau-Kamenz gebaut, die über Senftenberg und auch Reppist führten.
Seit 1869/70 entwickelte sich hier der Braunkohlenbergbau. Später wurde aus den Tagebauen Ilse-Ost sowie Laugkfeld die Braunkohle gefördert. Von Kahnfahrten zwischen Senftenberg und Reppist können sich heute nur noch die Ältesten vom Erzählen ihrer Eltern und Großeltern erinnern, auch an einen breiten Graben, der 1820 zur Entwässerung des Laugkfeldes in der damaligen Annastraße (heute Reyersbachstraße) angelegt wurde. Zur regionalen Geschichte dieses Gebiets gehört auch ein Moorbrand im Juni 1934, der einen Großeinsatz der Feuerwehren erforderte. Heute durchzieht die B 169/96 einen Teil der Fläche und ein vor Jahren gebauter Radweg, übrigens über eine Kunststoffbrücke der Rainitza, ermöglicht den Radlern, sicher zwischen der Kreisstadt und Sedlitz hin und her zu pendeln.