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Wo der Funke überspringt

Bei einem Experiment mit einer historischen Elektrisiermaschine ließen die Museumsmitarbeiter Dirk Ehrhardt und Tom Fehrmann den Funken zwischen einigen Kindern überspringen.
Bei einem Experiment mit einer historischen Elektrisiermaschine ließen die Museumsmitarbeiter Dirk Ehrhardt und Tom Fehrmann den Funken zwischen einigen Kindern überspringen. FOTO: Christiane Klein/chk1
Senftenberg. Kann man Blitze anfassen? Im Senftenberger Museum geht das derzeit ausnahmsweise ungefährlich. Bis zum 5.März ist in Schloss und Festung noch die Sonderausstellung "Achtung Hochspannung – vom Blitz zum Motor" zu sehen. Am Sonntag war Familiennachmittag – mit Experimenten und Inspektor Energie. Christiane Klein / chk1

Wild zucken die Blitze in der Glaskugel, als Museumspädagoge Dirk Ehrhardt seine Hand darauf legt. Die kleinen und großen Besucher schauen gespannt zu und schließlich trauen sich ein paar Mutige ebenfalls, die Plasmakugel zu berühren. So nah wie im Senftenberger Museum kommt man Blitzen sonst nicht. Gemeinsam mit Dirk Ehrhardt tauchen die Kinder und Erwachsenen am Familiennachmittag in die Welt der Elektrizität ein und können spannende historische Experimente miterleben. Dank Schwachstrom ist das Ganze ungefährlich, aber nicht weniger interessant.

Dirk Ehrhardt zeigt den Besuchern, wie Bernstein Federn schweben lässt und erklärt, warum Benjamin Franklin bei dem Versuch, bei Gewitter einen Drachen steigen zu lassen, ungeheures Glück hatte. Kindgerecht und anschaulich erklärt der Museumspädagoge gemeinsam mit seinem Kollegen Tom Fehrmann, was Ladungen und Elektronen sind. Es sei gar nicht so einfach, Dinge wie Ladung oder Atome zu erklären, sagt Dirk Ehrhardt, "das ist ja selbst für Erwachsene schwer, sich das vorzustellen." Die Sonderausstellung, die seit Ende November läuft, wird nicht nur an diesem Familiennachmittag gut angenommen. Auch zahlreiche Schulklassen und Ferienkinder seien schon zu Besuch gewesen. Was die Schau so spannend macht, sind nicht nur die gut erklärten Schaubilder, die eine Zeitreise durch die Geschichte der Elektrizität ermöglichen, sondern auch die vielen Mitmach-Stationen: Auf einem Fahrrad-Generator wird getestet, wie viel Watt beim Treten erzeugt werden können und in einer anderen Ecke kann man sich über Morseapparate unterhalten. Beim Kurbeln an einer historischen Elektrisiermaschine stehen zum Beispiel so manchem Besucher vor Spannung die Haare zu Berge.

Der Sprung von den historischen Experimenten zur Gegenwart gelingt mit Inspektor Energie. Dicht gedrängt sitzen die Kinder mit ihren Eltern und Großeltern vor der Puppenbühne und helfen Inspektor Energie dabei, den Akkuschrauber von Sammelsepp wiederzufinden. Die Kinder haben gut aufgepasst und wissen genau: Kasper hat das Werkzeug mitgenommen und einfach in die graue Restmülltonne geworfen, weil es nicht mehr funktionierte.

Das geht natürlich gar nicht, sind sich Sammelsepp und Inspektor Energie einig. Warum ein Akkuschrauber nicht in die Mülltonne, sondern auf den Recyclinghof gehört, erfahren die Kinder dann nebenan im Kommandantenhaus. Dort zeigt ihnen Inspektor Energie alias Rainer Gutermann zusammen mit seinem Assistenten Christian Siebert, was alles in einem solchen Gerät steckt. Dicht drängen sich die Kinder um die beiden Tische und schauen zu, wie die Akkuschrauber auseinandergenommen werden: Die Kinder nehmen Batterien, Motor, Getriebe und Co. in die Hand und Rainer Gutermann zeigt ihnen, wie viele "wertvolle Materialien, aus denen man noch etwas machen kann" in so einem Gerät stecken. Schließlich dürfen die Kinder alle Einzelteile in die "Aus-alt-mach-neu"-Maschine stecken und kräftig an der Kurbel drehen. Dann öffnet Inspektor Energie die Klappe und holt eine elektrische Zahnbürste heraus: "So wird aus einem kaputten Akkuschrauber eine neue Zahnbürste" erklärt er den Kindern.

Zum Schluss dürfen die Kinder noch selbst ein wenig Strom produzieren: Rainer Gutermann und Christian Siebert verteilen kleine Solarmodule, an denen ein Minimotor und ein Propeller hängt. Weil der Himmel über Senftenberg allerdings voller grauer Wolken hängt, holt Inspektor Energie schnell seine Lampe und schon drehen sich die Propeller. Auch Mia, Annabell und Ivana haben mitgemacht und fanden den Nachmittag im Museum spannend und toll. Ihre Mütter sind ebenfalls begeistert: Das war kindgerecht, informativ und gut erklärt, sind sich die beiden einig.

In diesen Tagen haben übrigens noch weitere Kinder in der Lausitz Gelegenheit, Inspektor Energie kennen zu lernen. Die mobile Bildungsinitiative, die von der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS Batterien) und der Stiftung Elektro-Altgeräte Register finanziert wird, ist in dieser Woche in Kitas und Schulen in Lauchhammer, Guteborn, Ruhland und Grünewalde unterwegs.

Zum Thema:
"Lasst es blitzen und donnern" heißt es beim nächsten Familiennachmittag am 26. Februar, 14 bis 17 Uhr in Schloss und Festung Senftenberg. Gezeigt werden dabei historische Experimente vom Strom aus Bernstein in der Antike bis zu künstlichen Blitzen im 17. Jahrhundert. Außerdem können Besucher das weltweit meistverkaufte Elektroauto testen. Woher der Strom kommt und wie man ihn verwenden kann, das können Kinder ab vier Jahren mit dem VDIni-Club der Kinderuni Senftenberg bei elektrischen Experimenten herausfinden. Wie das Museum mitteilt, sind außerdem für die Exkursionen zum Lausitzring mit dem Projekt "Grüner Lausitzring" (8. Februar, 15 Uhr) und zum EEW Kraftwerk Großräschen unter dem Motto "Vom Müll zum Strom" (22. Februar, 14 Uhr) noch Plätze frei. Anmeldung und weitere Infos unter der Telefonnummer 03573/2628. chk1