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Wo Briketts Geschichte erzählen

Dieter Müller in seinem Reich. Mehr als 1400 Briketts und derzeit 60 verschiedene Grubenlampen vermitteln in seinem Bergbaumusem einen Einblick in die Bergbaugeschichte der Region.
Dieter Müller in seinem Reich. Mehr als 1400 Briketts und derzeit 60 verschiedene Grubenlampen vermitteln in seinem Bergbaumusem einen Einblick in die Bergbaugeschichte der Region. FOTO: Foto: Hörenz
Niemtsch/Brieske.. Im 10. Jahr seines Bestehens wird das von Dieter Müller geleitete Bergbaumuseum in Niemtsch erneut ein Anziehungspunkt ehemaliger Kumpel sein. Eröffnet anlässlich der 500-Jahr-Feier von Niemtsch, hat sich der Bestand an bergbaulichen Ausstellungsstücken erstaunlich erweitert. Von Hans Hörenz

Neben zahlreichen Fotos, Pokalen, Orden und Ehrenzeichen, Postkarten und Bergmannslampen, können die Besucher in diesem Haus in der Niemtscher Dorfstraße anhand von mehr als 1400 Schmuck-, Zier- und Sonderbriketts nachvollziehen, welche Entwicklung der Braunkohlenbergbau in der Region seit dem 19. Jahrhundert genommen hat. Nicht nur rings um Senftenberg als einstige Kohle-Hauptstadt mit den bekannten Namen wie „Grube Ilse“ , „Grube Marga“ , „Anhaltische Kohlenwerke Mariel“ , „Matador“ , „Renate“ und „Anna-Mathilde“ oder die den heutigen Generationen bekannteren Betriebe wie „Morgenrot“ , „Franz Mehring“ , „Sonne“ , „Clara Zetkin“ oder „Aufstieg“ . Nun, da das Ende der Kohle-Ära eingeläutet wurde, ist das Bergbaumuseum von Dieter Müller in Niemtsch nicht nur eine Stätte des Erinnerns an jene Zeit, in der noch Ende der 80er-Jahre im damaligen Kreis Senftenberg über 20 000 Menschen in den Brikettfabriken, Tagebauen, Werkstätten und Büros ihren Arbeitsplatz hatten. Das Sammeln von bergbaulichen Erinnerungsstücken hat nicht nur bei Bergleuten in der vergangenen Zeit stark zugenommen.
Den Wünschen vieler Sammler und Händler entsprechend, hat jetzt das Bergbaumuseum Niemtsch als Veranstalter zur 3. Sammlerbörse für Bergbauartikel am 24. April von 10 bis 14 Uhr im Hotel Marga, im Ortsteil Brieske-Ost der Kreisstadt Senftenberg eingeladen. Schon Ende März haben über ein Dutzend Händler, auch von außerhalb der Lausitz sowie zahlreiche engagierte Sammler ihre Teilnahme zugesagt.
Vor zwei Jahren wurden annähernd 500 Besucher bei der Börse gezählt. Brieske, heute auch als „Gartenstadt Marga“ bekannt, wurde mit seinen reichen bergbaulichen Traditionen bewusst als Veranstaltungsort gewählt. Dieter Müller erhofft sich als Sammler und Museumschef von der bevorstehenden Börse, weitere Bergbauartikel zu erwerben, um die Ausstellungsräume in Niemtsch noch attraktiver auszugestalten.
Konzentrieren will er sich dabei auf Bergmannsgeleucht, von denen es rund 1000 verschiedene Stücke gibt. Nur etwa 60 davon hält er gegenwärtig in seinem Museum parat. „Zu wenig“ , meint der 70-jährige Bergmann, „um den Besuchern einen Einblick von einem so wichtigen Arbeitsinstrument zu vermitteln, das auch bei den Lausitzer Untertagearbeitern zur ständigen Ausrüstung gehörte“ .
Dieter Müller, der einen jahrzehntelangen beruflichen Entwicklungsweg vom Schlosser und Kesselschmied, über das Studium in Zwickau und danach Tagebauleiter in Niemtsch bis hin zum Tagebaudirektor in Meuro verlief, weiß, wovon er spricht, wenn er Jungen und Mädchen von Schulklassen oder interessierte Gäste durch die Räume des Museums führt. Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass aus seinem früheren beruflichen Wirkungsfeld, dem 1938 aufgeschlossenen Tagebau Niemtsch, das Erholungsgebiet mit dem 1 300 Hektar großen Senftenberger See entstanden ist und im ehemaligen Tagebau Meuro der Aufbau einer Seebrücke am Ufer des künftigen Ilse-Sees bald eine Realität und Attraktion im IBA-Komplex sein wird.
Es ist wahrhaftig eine Fundgrube, was Dieter Müller alles gesammelt hat und in dem kleinen Museum in Niemtsch betrachtet werden kann. Ein altes Brikett aus dem Jahr 1871 von Henckels Werken in Reppist, ein Pressling, der am 30. April 1959 mit als erster im Kombinat Schwarze Pumpe produziert und anlässlich der Maifeierlichkeiten einen Tag später auf dem Berliner Alexanderplatz symbolisch von einem Ladegerät abgekippt wurde sowie die vielen Zierbriketts, die in den 90er-Jahren anlässlich der Stilllegung von Brikettfabriken und Tagebauen in der Lausitz hergestellt wurden. Ein Renner in Müllers Brikettsammlung ist zweifellos ein „Waldau“ -Brikett aus dem Jahr 1923, das nach mehr als einem Dreivierteljahrhundert vom Grund der Ostsee aus einer Tiefe von 23 Meter aus einer Ladung eines gesunkenen Kohlefrachters geborgen wurde.
So, wie der Direktor des weltbekannten Bergbaumuseums Bochum, Prof. Dr. Schlotta, beim Museumsbesuch in Niemtsch Worte der Anerkennung für die außergewöhnliche Initiative fand, werden auch jene Besucher beeindruckt sein, die künftig auf den Spuren der Bergbaugeschichte wandeln und in Niemtsch so manches Neue und Wissenswerte entdecken.