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| 16:20 Uhr

Sorgen um Großräschener Firma
Starz-Mitarbeiter schauen nach Übernahme mit Angst in Zukunft

Im Gewerbegebiet Woschkower Weg in Großräschen befindet sich der Hauptsitz der Starz-Gruppe.
Im Gewerbegebiet Woschkower Weg in Großräschen befindet sich der Hauptsitz der Starz-Gruppe. FOTO: LR / Jan Augustin
Großräschen. Nach der Insolvenz und dem Einstieg einer Investmentgesellschaft warten die Beschäftigten der Großäschener Firma auf zwei Monatslöhne. Der neue Eigentümer will jetzt zahlen. Von Jan Augustin

Die preisgekrönte Starz-Gruppe ist nach der Insolvenz Mitte Januar und der Übernahme durch eine Investmentgesellschaft kurze Zeit später weiter in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das bestätigen Recherchen der RUNDSCHAU. Demnach haben die Beschäftigten der Starz Bordnetz GmbH in Großräschen für Juli und August keinen Lohn erhalten. „Wir sind bitter enttäuscht. Fast alle Mitarbeiter sind dadurch in wirklich extreme finanzielle Schwierigkeiten geraten“, sagt eine Mitarbeiterin, die seit knapp 20 Jahren im Unternehmen angestellt ist. Aus Angst vor Folgen will sie anonym bleiben. Wie etwa 80 Prozent der Belegschaft bleibe auch sie derzeit zu Hause. Viele haben sich krank gemeldet oder machen von ihrem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch, erklärt sie. Wie andere Kollegen auch habe sie schon den Weg zum Arbeitsgericht gesucht, um ihren Lohn einzuklagen. Im Betrieb seien nur noch einige Bereiche minimal besetzt. Von normaler Produktion könne bei Weitem nicht die Rede sein.

Das Unternehmen, das 2012 den Brandenburger Zukunftspreis gewonnen hatte, ist auf die Fertigung von Kabelsträngen, Steuerelektrik und Bedienpulten für Spezialfahrzeuge spezialisiert. Die Produkte kommen etwa in Land-, Ernte- und Baumaschinen zum Einsatz. Die Firma, die 1990 aus dem volkseigenen Betrieb Plasticart entstanden war, gilt in der Branche als einer der führenden Produzenten. Nach dem Tod von Karl Starz hatten Andreas Kehrel und seine Ehefrau Brigitte Kehrel das Unternehmen im Jahr 2000 gekauft und zu einem Vorzeigebetrieb gemacht. Andreas Kehrel ist auch heute noch Geschäftsführer. Zur aktuellen Situation hat er sich nach einer Anfrage bis Redaktionsschluss am Dienstag nicht geäußert.

Mitte Januar dieses Jahres ist die Starz-Gruppe dann insolvent gegangen und wenig später durch eine Investmentfirma, die NorthCapital Holding ApS mit Sitz in Kopenhagen, übernommen worden. Neben dem internationalen Geschäft mit Edelsteinen, Öl und Gas sei der Kauf von finanziell angeschlagenen Firmen und deren Ausbau zu profitablen Unternehmen ein Geschäftsbereich von NorthCapital. Das teilt Klaus Herb, Geschäftsführer der im bayerischen Schwabhausen ansässigen NorthCapital Kontor GmbH, mit. Er versichert: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Starz-Gruppe so aufzustellen, dass sie heute und in Zukunft wieder zuverlässig und profitabel arbeiten kann.“ Die finanzielle Schieflage sei das Ergebnis einer „zu frühen und forcierten Expansionsstrategie“ gewesen. So sei der Eintritt in den chinesischen Markt viel kostenintensiver gewesen als geplant. Der Standort in Großrä­schen mit seinen aktuell 130 Mitarbeitern sei jedoch attraktiv und soll als Kompetenzzentrum aufgebaut werden, betont er.

Dass die Mitarbeiter ihre Gehälter nicht erhalten haben, bedauere NorthCapital sehr. „Das hat zu großen Verunsicherungen geführt“, sagt Klaus Herb. Der wirtschaftliche Betrieb aus der Insolvenzmasse sei sehr kurzfristig übernommen worden. „Das ging wesentlich schneller, als die Finanzierung geklärt werden konnte.“ Die Finanzierungsthematik sei nun aber zwischenzeitlich gelöst.

„Die rückständigen Löhne und Gehälter für die Monate Juli und August werden spätestens im Laufe der kommenden Woche ausgezahlt“, erklärt der Geschäftsführer. Die Sorgen der Mitarbeiter seien „sehr nachvollziehbar“. Klaus Herb: „Sobald die Gehälter überwiesen sind, können die Mitarbeiter der Starz-Gruppe wieder ihre Tätigkeit aufnehmen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken.“ Die Produktion soll dann wieder hochgefahren werden.

Ein Insider, der ebenfalls nicht genannt werden möchte, berichtet von Schwierigkeiten schon vor der Übernahme. Starz sei vor Jahren noch ein Aushängeschild für Großräschen gewesen und habe nach wie vor „sehr gute Chancen in einem boomenden Markt“. Dennoch schaue er mit Wehmut und Sorge auf die Entwicklung: „vor allem, wenn ich an die Kollegen denke“.