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Gesundheit
Letzte Rettung für Hausarztpraxen

Die Hausarztpraxis von  Dr. Marion Mende (2.v.l.)  läuft  seit 1. Oktober unter neuer  Flagge des Medizinischen Versorgungszentrums Elsterwerda. Das Praxisteam bleibt das Alte: Diabetisberaterin Manuela Gräser, Dr. Marion Mende, Sabine Matern, Desireé Franz, Heike Bernd (v.l.n.r.).
Die Hausarztpraxis von Dr. Marion Mende (2.v.l.) läuft seit 1. Oktober unter neuer Flagge des Medizinischen Versorgungszentrums Elsterwerda. Das Praxisteam bleibt das Alte: Diabetisberaterin Manuela Gräser, Dr. Marion Mende, Sabine Matern, Desireé Franz, Heike Bernd (v.l.n.r.). FOTO: Rasche Steffen
Lauchhammer/Schipkau. Mit der Facharztpraxis für Diabetologie in Lauchhammer hat das medizinische Versorgungszentrum des Elbe-Elster Klinikums nach Schipkau und Grünewalde die dritte Hausarztpraxis im Landkreis Oberspreewald-Lausitz gerettet. Jahrelang gesuchte Nachfolger wurden gefunden. Für die Patienten bleibt alles beim Alten. Von Andrea Budich

Dr. Marion Mende, die seit 26 Jahren in Lauchhammer eine diabetologische Schwerpunktpraxis betreibt, will seit Jahren etwas kürzertreten. Sie fand aber keinen Nachfolger. Die Praxis hatte sie schon  vor drei Jahren im Internet freigegeben. Gemeldet hat sich kein einziger Interessent. Deshalb hat die inzwischen 66-jährige Fachärztin für Innere Medizin einen Hilferuf an das Elbe-Elster-Klinikum abgesetzt. Dass es auf Anhieb klappt und die Chemie vom ersten Gespräch an wunderbar stimmt, hätte sie selbst nicht erwartet. „Wir waren uns ganz schnell einig“, sagt sie. Inzwischen hat sie ihre Praxis in das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) der Elbe-Elster Klinikum GmbH eingebracht. Seit dem 1. Oktober ist sie Angestellte des MVZ. Mit dem Wechsel bleibt für die Patienten alles beim Alten. Geändert hat sich genaugenommen nur der Arztstempel. „Das muss ich in der Sprechstunde immer wieder einmal erklären“, lacht die Medizinerin. Ansonsten aber habe sie jetzt genau das, was sie sich immer gewünscht hat. Sie lebt als Angestellte ruhiger und muss sich nicht mehr stundenlang mit Bürokram beschäftigen. Auch bei der Nachfolger-Suche sieht es ganz so aus, dass sich das Blatt nach jahrelanger vergeblicher Suche jetzt wendet. Michael Neugebauer, der Geschäftsführer des Elbe-Elster Klinikums, ist optimistisch, eine passende Kandidatin, die auch den Diabetes-Schwerpunkt weiterführt, bereits an der Angel zu haben.

Mit der Hausarztpraxis von Dr. Marion Mende in Lauchhammer ist das Medizinische Versorgungszentrum des Elbe-Elster-Klinikums bereits an drei Standorten im Landkreis Oberspreewald-Lausitz präsent. Vor dem Verschwinden gerettet haben die Nachbarn aus Elbe-Elster auch die Praxis in Grünewalde. Dort war vor einem guten Jahr  die einzige Hausarztpraxis aus Altersgründen geschlossen worden. Das Elbe-Elster-Klinikum hat sich erfolgreich um einen passenden Nachfolger gekümmert. Dr. Tihamer  Pap, Hausarzt und Internist, hat vor einem Jahr die Arbeit in Grünewalde aufgenommen. „Der Hilferuf  hat uns aus der Bevölkerung und später auch vom Ortsvorsteher aus Grünewalde erreicht“, bestätigt Geschäftsführer Michael Neugebauer. „Wir haben dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg geschaut, ob wir helfen können“, erklärt Neugebauer das Engagement über die Kreisgrenzen hinweg. Die Hausarztpraxis in Grünewalde war damit die erste Zweigpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Elsterwerda im Landkreis Oberspreewald-Lausitz

Dritter im Bunde ist seit dem Sommer die Schipkauer Hausarztpraxis. Nach fünfjähriger Suche nach einem Nachfolger hat Dr. Gabriele  Noack ihre Praxis in die jungen Hände von Mirko Müller gelegt, der gleichfalls  im Auftrag des MVZ Elbe-Elster die Praxis weiterführt. Anders als in Lauchhammer und Grünewalde, hat das Medizinische Versorgungszentrum Elsterwerda in Schipkau die zum Verkauf stehende Immobilie gleich miterworben. „Wir sehen die wohnortnahe ambulante Versorgung nicht als zweitrangig an, sondern als mindestens genauso wichtig wie die medizinische Versorgung in unseren Krankenhäusern“, erklärt der Geschäftsführer des Elbe-Elster-Klinikums, Michael Neugebauer dazu. Damit den 1000 Patienten der Schipkauer Hausarztpraxis nicht plötzlich ohne Arzt dastehen, hat das Elbe-Elster Klinikum bisher rund 250 000 Euro in den Standort investiert.  Der Fußboden im Wartebereich wird noch vor Weihnachten schick gemacht. Nach dem Winter  sollen die Außenanlagen mit Parkflächen für die Patienten auf Vordermann gebracht werden. Für Mirko Müller indes ist Schipkau ein Heimspiel. In Guteborn Zuhause, hat der Oberarzt aus dem Elbe-Elster Klinikum nur einen kurzen Weg zu seinen Patienten. Die haben den jungen Arzt, der derzeit  in der Ausbildung  zum Gefäßmediziner steckt, schon voll ins Herz geschlossen. Zur internistischen Hausarztpraxis strömen bis zu 100 Patienten am Tag.

Mirko Müller ist der neue Hausarzt  in Schipkau.  Der Facharzt für  Innere Medizin wird unterstützt  vom altbewährten Praxisteam Sabine Hoepfner und Dagmar Teichert.
Mirko Müller ist der neue Hausarzt in Schipkau. Der Facharzt für Innere Medizin wird unterstützt vom altbewährten Praxisteam Sabine Hoepfner und Dagmar Teichert. FOTO: Andrea Budich

Ob Lauchhammer, Grünewalde oder Schipkau - einzige Änderung für die Patienten sind die neuen Praxis-Schilder mit dem Logo des MVZ Elsterwerda. Ansonsten bleibt alles beim Alten. „Die Menschen brauchen  einen Arzt. Welches Schild an der Tür dranhängt, ist zweitrangig“, erklärt Michael Neugebauer. Für den  Geschäftsführer aus dem Elbe-Elster Klinikum hört die  Region  an  der Kreisgrenze nicht auf. Dass die Mediziner aus dem  Nachbarkreis willkommen sind, zeigen jüngste Hilferufe auch aus dem Raum Ortrand in Richtung Elsterwerda. Bedenken der kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg dazu gibt es nicht. „Für uns zählt die Sicherstellung der Versorgung“, erklärt  Pressesprecher Christian Wehry dazu. „Wenn wir die Möglichkeit haben, zu helfen, wollen wir uns auch künftig darum kümmern“, bestätigt Michael Neugebauer.

Sechs Facharztpraxen vor dem Verschwinden bewahrt hat auch die Gesundheitszentrum Niederlausitz GmbH mit Sitz in Senftenberg. „Eine Nachfolge durch geeignete Fachärzte gelingt aber nicht in jedem Fall“, räumt Geschäftsführer Uwe Böttcher durchaus ein, in der Vergangenheit bei Übernahme und Nachfolge nicht  immer  erfolgreich gewesen zu sein. Im Gesundheitszentrum werden derzeit gemeinsam mit dem Klinikum Niederlausitz sechs Allgemeinmedizinerinnen ausgebildet. „Wir hoffen, dass wir so viele wie möglich begeistern können, in der Region als Hausärztinnen zu arbeiten“, sagt Böttcher. Vor dem Hintergrund, dass in absehbarer Zeit fünf Hausarzt-Praxen zwischen Ruhland und Annhütte einen Nachfolger brauchen, sind die Gesundheitszentrum Niederlausitzz GmbH und  das Medizinische Versorgungszentrum Elsterwerda gleichermaßen gefordert.