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Handwerk
Familie Semmler macht Druck

Obwohl Ulf (l.) und Konrad Semmler moderne Drucktechniken beherrschen, kommt für manche Arbeitsschritte immer noch diese etwa 70 Jahre alte Maschine zum Einsatz.
Obwohl Ulf (l.) und Konrad Semmler moderne Drucktechniken beherrschen, kommt für manche Arbeitsschritte immer noch diese etwa 70 Jahre alte Maschine zum Einsatz. FOTO: Anja Brautschek / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Lauchhammer. Die Druckerei in Lauchhammer ist ein Familienunternehmen, das auf eine fast 100-jährige Geschichte zurückblicken kann. Von Anja Brautschek

Papier, Tinte, Farben – das ist die Leidenschaft von Konrad und Ulf Semmler. Bei Vater und Sohn dreht sich täglich alles um Druck. Denn ihnen gehört die gleichnamige Druckerei in Lauchhammer. Und dabei packt die ganze Familie mit an.

„Mich reizt vor allem die Vielseitigkeit an dem Beruf. Jeden Tag gibt es etwas anderes zu tun“, erzählt Ulf Semmler. Er hat das Unternehmen vor etwa zehn Jahren von seinem Vater Konrad übernommen. Der 76-Jährige ist auch heute noch ab und an in dem kleinen Betrieb anzutreffen und hilft aus. Alle halten zusammen, denn die Branche ist von hohem Druck gekennzeichnet – insbesondere durch zahlreiche Anbieter im Internet. Das sei Fluch und Segen zugleich. „Dennoch haben wir immer einen Weg gefunden. Unsere Palette ist breit aufgestellt“, erzählt Konrad Semmler.

Der Druckermeister hat das Unternehmen 1967 übernommen und wagte damit den Schritt in die Selbstständigkeit. Damals gehörten sechs Beschäftige dem Betrieb an. Denn die Druckerei selbst ist noch viel Älter. Sie wurde 1929 gegründet. Insbesondere mit großen Betrieben arbeitete die Familie Semmler intensiv zusammen. Für volkseigene Betriebe wie das Braunkohlenveredlungswerk oder den Schwermaschinenbaubetrieb wurden Formulare, Plakate und andere Drucksachen hergestellt. Einfach war diese Zeit jedoch nicht. „Wir mussten erfinderisch sein und Kompromisse eingehen“, sagt der Druckermeister. Technik war kaum zu bekommen. Und das Papier wurde vom Versorgungskontor eingeschränkt. Zum Teil musste die Druckerei auf nicht formgerechte Papierbögen zurückgreifen und alles zurecht schneiden. Denn Aufträge gab es reichlich. Bis zu sechs Tonnen Papier pro Jahr wurden in Hochzeiten verarbeitet. Selbst das Sorbische Theater in Bautzen ließ Veranstaltungspläne in Lauchhammer drucken. Zu den Großkunden kamen zahlreiche kleine Handwerksbetriebe hinzu.

„Wir hatten viel zu tun. Die Maschinen liefen von früh bis abends“, erinnert sich Konrad Semmler. Eine davon steht noch heute in den hinteren Räumen der Druckerei. Die Heidelberger Druckmaschine stammt aus den 1930er-Jahren. Noch heute wird sie für bestimmte Arbeitsschritte eingesetzt – wenn auch nicht mehr täglich. „Es ist noch immer eine wichtige Ergänzung zum Offsetdruck“, sagt Ulf Semmler. Sie funktioniert rein mechanisch und kann daher die notwendige Kraft für Stanzungen oder Perforierungen aufbringen.

Mit der Wende seien viele Großkunden „weggebrochen“. Der Kundenstamm musste neu aufgebaut werden. Gleichzeitig waren Investitionen in neue Technik notwendig. „Das war eine schwierige Situation. Da muss man Risiken eingehen. Aber nicht grenzenlos“, erklärt Konrad Semmler. Sein Sohn trat 1989 in seine Fußstapfen, schloss ebenfalls den Meister ab. Nach und nach wurde die Produktpalette immer breiter aufgestellt. Von der Fahrzeugbeschriftung, Visitenkarten bis zur Bekleidung sind eine Vielzahl an Druckartikeln umsetzbar. Um Kunden besser beraten zu können, schulte Ulf Semmlers Ehefrau noch einmal zur Mediengestalterin um, ist jedoch derzeit erkrankt.

Damit ist die Druckerei heute ein kleiner Familienbetrieb. Gedruckt wird im modernen Digitaldruck- oder Offsetdruck-Verfahren. Das bietet sowohl Kunden als auch Druckermeister mehr Möglichkeiten. Auch Großformate oder ungewöhnliche Materialien können damit bedruckt werden. Die neueste Maschine ist erst etwa ein Jahr alt. Damit verbindet Familie Semmler traditionelles Handwerk mit moderner Technik und reagiert so auf die Kundenanfragen. Vor allem geschäftskunden zählen zum Kundenstamm der Druckerei. „Der Trend geht zur individuellen Gestaltung“, sagt Konrad Semmler. Schriftart, Farbgebung und Komposition möchten viele Kunden selbst gestalten. Besonders der Textildruck sei dabei ein zunehmendes Geschäftsfeld.