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Lausitzer Handwerk
Das letzte Kult-Mischbrot ist aus dem Tettauer Ofen geholt

Die Bäckerei von Roberto Meyer (r.) aus Kroppen beliefert zukünftig die Tettauer Verkaufsstelle mit frischen Backwaren. Seinem Vorgänger Werner Günther (l.) übergibt er eine Torte mit den besten Wünschen für den künftigen Ruhestand.
Die Bäckerei von Roberto Meyer (r.) aus Kroppen beliefert zukünftig die Tettauer Verkaufsstelle mit frischen Backwaren. Seinem Vorgänger Werner Günther (l.) übergibt er eine Torte mit den besten Wünschen für den künftigen Ruhestand. FOTO: Rudolf Kupfer / Kupfer Renate
Tettau. Der Bäckermeister Werner Günther geht in den Ruhestand. Frisches Brot und Backwaren kommen seit April aus Kroppen. Von Rudolf Kupfer

Vor allem wegen seines Mischbrotes ist die Tettauer Bäckerei bis weit über die Gemeindegrenzen bekannt geworden. Jetzt hat Bäckermeister Werner Günther den letzten Laib aus dem Ofen gezogen. Er genießt fortan den Ruhestand. Das ganze Arbeitsleben war der jetzt 68-Jährige mit Leib und Seele Bäcker. Sein Beruf sei für ihn eine Herausforderung gewesen, der er sich immer wieder gern stellte. Das Aufstehen mitten in der Nacht und die sieben Tage Arbeitswoche störten ihn nicht, sagt er.

Vom Vater Helmut Günther hatte er das Familienunternehmen 1992 übernommen und erfolgreich weitergeführt. Auf diese Übernahme hatte er sich mit einer Lehre, die er 1967 in Senftenberg abschloss, und mit dem 1991 erworbenen Meisterbrief im Bäckerhandwerk gründlich vorbereitet. Seit 1992 sorgte er mit Ehefrau Brigitte dafür, dass die Tettauer und Anwohner aus den Nachbargemeinden wie Schraden, Lindenau und Lauchhammer täglich mit frischen und schmackhaften Backwaren versorgt wurden. Weit über die Gemeindegrenze war das von ihm gebackene Mischbrot bekannt und wegen des ausgezeichneten Geschmacks stark nachgefragt. Aus Senftenberg, Großenhain, Plessa und anderen Orten machten Kunden deshalb extra an der Bäckerei in Tettau Halt.

Die Frage, wie das auch zukünftig gesichert werden kann, beschäftigte den Bäckermeister seit Jahren. Ein Fachmann, der den kleinen Betrieb weiterführt, war nicht in Sicht. Nun ist Werner Günther froh, für alle Beteiligten doch noch eine gute Lösung gefunden zu haben. Am 31. März heizte er das letzte Mal seinen Backofen an. Den nahtlosen Übergang seit dem 1. April sichert nun die Bäckerei Roberto Meyer aus dem benachbarten Kroppen ab. Täglich, wie gewohnt, werden in der Verkaufsstelle frische Backwaren angeboten. Das Geschäft führt wie bisher Tochter Manuela auf dem Grundstück ihrer Eltern weiter.

Überrascht war die Tettauer Bäckerfamilie dieser Tage, dass so viele Kunden zur Übergabe kamen, um sich zu bedanken und ihnen Lob und Anerkennung für ihr jahrelanges unermüdliches Wirken auszusprechen. Dazu gehörte auch Bürgermeister Siegmar Petrenz. Damit sich das Ehepaar Günther in ihren wohlverdienten Ruhestand an die neue Zeiteinteilung gewöhnen kann, überreichte er ihnen eine Wanduhr. Mit einem musikalischen Ständchen bedankte sich die Tettauer/Frauendorfer Schalmeienkapelle. „Damit wollen wir gleichzeitig unseren neuen Bäcker Roberto Meyer aus Kroppen herzlich in Tettau begrüßen und hoffen, dass wir weiterhin so gut versorgt werden,“ meint Jörg Lode vom Orchester. „Gut, dass diese Verkaufsstelle, die auch Waren des täglichen Bedarfs im Angebot hat, unserem Dorf erhalten bleibt.“

Die Geschichte der Tettauer Bäckerei ist aufs Engste mit der Gemeinde verbunden, weiß der Vorsitzende des Heimatvereins, Kurt Schmaler. Sie begann 1910. Damals wurde eine Schmiede in eine Bäckerei umgebaut und seitdem ständig gebacken. Nebenher wurde eine kleine Landwirtschaft betrieben, die Haltung von Rindern und Schweinen aber um 1980 eingestellt.

„In unserer Dorfgemeinschaft haben wir unseren Platz und fühlen uns hier wohl,“ sagen Brigitte und Werner Günther. Ihren Kunden sind sie für die jahrzehntelange Treue dankbar. Sie wünschen sich, dass auch zukünftig dem neuen Bäcker das entsprechende Vertrauen entgegen gebracht wird.