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Nahverkehr
Betroffene verbittert über Rutsch in die Arbeitslosigkeit

Steht nun leer: der mit Fördergeldern gebaute Betriebshof der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft in Senftenberg.
Steht nun leer: der mit Fördergeldern gebaute Betriebshof der Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft in Senftenberg. FOTO: Jan Augustin
Senftenberg/Lübbenau. Seit 36 Jahren arbeitet Ramona Schnelle für die Südbrandenburger Nahverkehrsgesellschaft (SBN). Nun ist sie arbeitslos. Jan Augustin

Der gummibereifte Personennahverkehr im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sowie in den Städten Lübbenau und Senftenberg wird seit August von der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG) aus Zittau sichergestellt. Das Unternehmen hatte eine europaweite Ausschreibung gewonnen und stellte bisher rund 60 Busfahrer, die zuvor bei der SBN beschäftigt waren, ein. Für Ramona Schnelle ist kein Platz mehr beim neuen Betreiber, der keine eigenen Werkstätten unterhält. Betroffen sei auch ihr Mann, der 34 Jahre dabei war. "Wir haben beide unser halbes Leben in diesem Unternehmen im Zweigbetrieb Lübbenau/Werkstatt verbracht und dort dafür gesorgt, dass die Busse repariert und mit den erforderlichen Ersatzteilen versorgt wurden. Jetzt stößt es uns bitter auf, in die Arbeitslosigkeit zu rutschen - eben weil wir so lange Betriebstreue und Loyalität bewiesen haben", teilt Ramona Schnelle am Montag mit.

Die Calauerin bezeichnet es als einen "Widerspruch an sich", dass nun ausgerechnet ihre lange Betriebstreue, die freilich mit höheren Lohnkosten verbunden ist, dafür verantwortlich sein soll, dass sie "letztendlich unerwünscht" sei. Unverständnis zeigt Ramona Schnelle auch dafür, dass nun ein Unternehmen aus Sachsen die Verkehrsleistung erbringt. "Soviel zum Thema regionale Betriebe fördern und erhalten", sagt sie verbittert. Ihre Kritik richtet sich dabei an den Landkreis als Aufgabenträger des übrigen öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mit seinem Tochterunternehmen, der Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz (VGOSL). "Nun stehen die nach der Wende neu erbauten Betriebshöfe in Senftenberg, Lübbenau, Calau und Großkmehlen wie Geisteranwesen verlassen in der Landschaft. Das hat Unmengen Fördergelder verschlungen, und nun soll davon auch noch eine Million zurückgezahlt werden. Die dafür Verantwortlichen sollten sich einfach nur schämen", schimpft Ramona Schnelle. Im RUNDSCHAU-Interview hatte SBN-Geschäftsführer Wilfried Opitz in der vergangenen Woche die Rückzahlungsforderungen des Landes Brandenburg gegenüber der SBN öffentlich gemacht, die von der Politik mitgetragenen Ausschreibungskriterien getadelt und als nicht fair bezeichnet. Rein rechtlich sei dem Landkreis allerdings nichts vorzuwerfen. Ausdrücklich bedankt hatte Opitz sich bei den Fahrern, "die bei der hohen physischen und psychischen Belastung die Stange gehalten haben".

Die Ausschreibung kritisiert hat auch Heike Roch aus Ruhland. Seit 2010 selbst Busfahrerin bei der SBN, starte sie aber im Gegensatz zu Ramona Schnelle im September bei der KVG einen Neuanfang. Als ehemaliges Betriebsratsmitglied bei der SBN verliert sie nun aber auch vorwurfsvolle Worte in Richtung der Geschäftsleitung. So stünde den Mitarbeitern noch eine Einmalzahlung von 900 Euro aus. Außerdem seien Überstunden und Urlaubstage teilweise nicht abgegolten worden. "Die Leute sind stinksauer", sagt Heike Roch.