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| 11:29 Uhr

Analyse zur Vereinbarung von BASF und Land Brandenburg
Wie Schwarzheide zur Industrie-Hoffnung für die Lausitz werden soll

 Schippen für die Zukunft Jürgen Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide, Uwe Liebelt, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Schwarzheide, Bram Jansen, Bereichsleiter Standortservices und Infrastruktur der BASF Schwarzheide GmbH (v.l.) Im Jahr 2018 investiert BASF rund 33 Millionen Euro in die Erneuerung einer Rückstandsverbrennungsanlage.
Schippen für die Zukunft Jürgen Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide, Uwe Liebelt, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Schwarzheide, Bram Jansen, Bereichsleiter Standortservices und Infrastruktur der BASF Schwarzheide GmbH (v.l.) Im Jahr 2018 investiert BASF rund 33 Millionen Euro in die Erneuerung einer Rückstandsverbrennungsanlage. FOTO: Steffen Rasche/Medfienverlag / BASF Schwarzheide GmbH
Ludwigshafen . Das BASF-Werk in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) soll als industrieller Kristallisationskern in der Lausitz weiter ausgebaut werden. Dazu haben das Land Brandenburg und der BASF Schwarzheide eine gemeinsame Vereinbarung unterschrieben. Die RUNDSCHAU analysiert, was dort drinsteht: Von Jan Siegel

Das Land Brandenburg und die BASF Schwarzheide haben in dieser Woche eine gemeinsame Erklärung über die Entwicklung des Brandenburger Chemiestandortes unterschrieben. Dazu war Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) an den BASF. Stammsitz nach Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz gereist.

Die RUNDSCHAU hat die Erklärung, die von Brandenburgs Regierungschef und dem Aufsichtsratsvorsitzenden der BASF Schwarzheide, Uwe Liebelt, unterschrieben worden ist, unter die Lupe genommen und ein bisschen in verständliche Alltagssprache „übersetzt“. Das sind die Erwartungen und Versprechen für Schwarzheide:

▶ Das Land Brandenburg bekennt sich zum Chemiestandort Schwarzheide, der sich durch seine hohe Wettbewerbs-, Innovations- und Zukunftsfähigkeit auszeichnet. Der Standort soll „kurz-, mittel- und langfristig entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung und durch entsprechende Unterstützung“ weiterentwickelt werden.

▶ Brandenburg wird Investitionsvorhaben in Schwarzheide „im Rahmen der vorhanden Fördermöglichkeiten“ unterstützen. Damit sollen der Industriestandort und die Lausitz auch für andere Investoren attraktiver gemacht werden. Ziel des Landes ist es, den Standort zu einem Zukunftsbeispiel für bedeutende Gewerbeentwicklung zu etablieren.

In der gemeinsamen Vereinbarung wird aber nicht nur das Land in die Pflicht genommen. Auch die BASF Mutterkonzern, die BASF SE macht dabei Zusagen:

▶Der Weltkonzern beabsichtigt den Standort in Schwarzheide „zu stärken und weiterzuentwickeln. Schwerpunkte dabei liegen in den Bereichen Produktion, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.“ Hinter den häufig strapazierten Schlagworten verbirgt sich eine ökologische Idee. So soll beispielsweise das vorhandene Gas- und Dampfkraftwerk modernisiert werden. Dabei geht es auch um den Einsatz regenerativer Energien, die durch eine Kopplung unterschiedlicher Energieträger erreicht werden soll. Ziel ist es, beim Ausbau der Produktion den CO2-Ausstoß nicht zu erhöhen, eher im Gegenteil.

▶In Schwarzheide sollen künftig auch neue Verfahren zum Kunststoffrecycling eingesetzt werden.Das mechanische Recycling von Kunststoffen stößt nämlich an seine Grenzen, weil die Reinheit des Materials mit jedem Recycling-Zyklus abnimmt. Ein Forscherteam der BASF hat daher einen komplett neuen Ansatz entwickelt. Beim chemischem Recycling können fossile Ressourcen für die Chemieproduktion durch aufgearbeitetes Material aus Kunststoffabfall ersetzt werden. Dabei wird Kunststoffabfall durch thermochemische Verfahren in Rohmaterialien zerlegt. Aus diesem Rohmaterial können neue chemische Produkte entstehen.

▶Die BASF SE denkt nach über den Bau einer zweiten Produktionsanlage für Batteriematerialien in Europa. Eine Fabrik soll im finnischen Harjavalta gebaut werden, dass hatte das Unternehmen im Herbst vergangenen Jahres mitgeteilt. Für den zweiten Standort würden derzeit noch mehrere Standorte geprüft, darunter auch Schwarzheide.

 Der BASF-Standort Schwarzheide in der brandenburgischen Lausitz soll weiter ausgebaut und gestärkt werden. Dazu unterzeichneten heute (07.02.2019) Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und Dr. Uwe Liebelt, President European Site & Verbund Management, Werksleiter Ludwigshafen und Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Schwarzheide GmbH, eine gemeinsame Erklärung am Hauptsitz der BASF SE in Ludwigshafen...An dem Treffen nahmen auch Prof. Dr. Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft und Energie, und Dr. Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des Ministerpräsidenten, sowie Jürgen Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH, teil...Der Ministerpräsident traf darüber hinaus mit Dr. Martin Brudermüller, Vorsitzender des Vorstands der BASF SE, zusammen..
Der BASF-Standort Schwarzheide in der brandenburgischen Lausitz soll weiter ausgebaut und gestärkt werden. Dazu unterzeichneten heute (07.02.2019) Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und Dr. Uwe Liebelt, President European Site & Verbund Management, Werksleiter Ludwigshafen und Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Schwarzheide GmbH, eine gemeinsame Erklärung am Hauptsitz der BASF SE in Ludwigshafen...An dem Treffen nahmen auch Prof. Dr. Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft und Energie, und Dr. Klaus Freytag, Lausitzbeauftragter des Ministerpräsidenten, sowie Jürgen Fuchs, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH, teil...Der Ministerpräsident traf darüber hinaus mit Dr. Martin Brudermüller, Vorsitzender des Vorstands der BASF SE, zusammen.. FOTO: BASF

▶Gemeinsam wollen Brandenburg und die BASF an der Ausbildung von Fachkräften arbeiten. Die soll nicht nur dem Unternehmen selbst, sondern auch den kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Lausitz zugute kommen. In einem „Leistungszentrum Westlausitz“ sollen bestehende Angebote der Aus- und Weiterbildung für industrielle Berufe in Schwarzheide gebündelt und ergänzt werden. Dieses Vorhaben will die BASF aktiv unterstützen.

▶Kräftig ausgebaut werden soll der das vorhandene Güter-Logistik-Terminal. Das Terminal in Schwarzheide verbindet schon jetzt den kombinierten Verkehr auf Straßen- und Schienen. Der Knoten in der Westlausitz, der unmittelbar an der Niederschlesien-Magistrale der Bahn und damit auch an der neuen Schienenverbindung zwischen Europa und China liegt, soll zur internationalen Logistikdrehscheibe werden. Die Hoffnung ist, dass damit optimale Standortbedingungen nicht nur für Logistiker, sondern auch weitere Produktionsunternehmen entstehen.

Die Gemeinsame Vereinbarung des Landes Brandenburg und der BASF enthält am Ende noch einen Appell an die Bundesregierung. Sie soll die besondere Bedeutung des Standortes für den Strukturwandel in der Lausitz berücksichtigen. Im Klartext: Der Bund möge die vom Land Brandenburg für Schwarzheide angemeldeten „Sofortmaßnahmen“ – dabei geht es vor allem um den Logistikausbau – besonders berücksichtigen.

 Besuch bei der BASF in Ludwigshafen: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, 2.v. l.)  mit dem BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs (4.v.l.), Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD, 5.v.l.) und dem Lausitzbeauftragten Klaus Freytag (3.v.r.)
Besuch bei der BASF in Ludwigshafen: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, 2.v. l.) mit dem BASF-Geschäftsführer Jürgen Fuchs (4.v.l.), Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD, 5.v.l.) und dem Lausitzbeauftragten Klaus Freytag (3.v.r.) FOTO: BASF
 Schwarzheide als Logistik-Knoten an der „Neuen Seidenstraße“ zwischen Europa und China.
Schwarzheide als Logistik-Knoten an der „Neuen Seidenstraße“ zwischen Europa und China. FOTO: BASF Schwarzheide / Peter_Schubert Dresden_01189