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Handwerk
90 Jahre Geschichte in vier Generationen

In ihrem Metier: Klaus und René Bartsch in ihrer Werkstatt in Lauchhammer-West.
In ihrem Metier: Klaus und René Bartsch in ihrer Werkstatt in Lauchhammer-West. FOTO: Mirko Sattler
Lauchhammer. Firma Bartsch aus Lauchhammer ist die älteste Vulkanisierwerkstatt Deutschlands. Unternehmen mit langer Tradition.

Als älteste Vulkanisierwerkstatt Deutschlands ist die Firma  Bartsch seit 90 Jahren und in vierter Generation tätig. Am 16. November 1927 gründete Fritz Schemmel den Betrieb noch am Standort Plessaer Straße. Damals ging das Unternehmen mit der Reparatur, Runderneuerung und Montage von Reifen an den Start.

Schwer verwundet aus dem Ersten Weltkrieg, hatte Fritz Schemmel zuvor eine Arbeit in der Braunkohle aufgenommen. Aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung wurde er jedoch entlassen. Vom Vater bekam er 50 Goldmark, um sich in Hannover zum Vulkaniseur ausbilden zu lassen.

Mit der Übernahme der Firma durch den Sohn Karl im Jahr 1957 wurde die Werkstatt mit neuer Technik erweitert. Es erfolgte eine Aufrüstung auf vier Runderneuerungsmaschinen. Mittlerweile wurden auch Reifen von Traktoren und Lkw vulkanisiert. In den 1960er-Jahren sind täglich 36 Autos runderneuert und 35 bis 40 Lkw-Reifen vulkanisiert worden.

Tochter Christine lernte Klaus Bartsch aus dem damaligen Bockwitz kennen. Er studierte Maschinenbau in Görlitz und hatte eigentlich eine andere berufliche Zukunft im Auge. Sie gründeten eine Familie und Klaus Bartsch ging einer Beschäftigung im Braunkohlenkombinat  Lauchhammer nach. Der Verdienst und die zusätzlichen Leistungen in der Kohleindustrie machten die Entscheidung schwer, die Firma von Schwiegervater Karl zu übernehmen. Als Dienstleister für das Braunkohlenkombinat wurde jedoch ein Weg gefunden, auf diese Leistungen nicht verzichten zu müssen. So übernahm er 1980 die Firma und die Werkstatt wurde abermals erweitert und vergrößert.

Am heutigen Standort Berliner Straße ist im Laufe der Zeit ein modernes Dienstleistungsunternehmen entstanden. Im Jahr 1990 wurde die Runderneuerung von Pkw-Reifen eingestellt und man begann mit dem Verkauf von Neureifen für Pkw und Lkw. Die Montage und das Wuchten von Reifen sowie die Einlagerung von Kundenreifen gehörten ab nun zum Service der Werkstatt. Außerdem wurden Reparaturen von Auto-Reifen und -Schläuchen durchgeführt. Doch Klaus Bartsch hatte weitere Investitionspläne.

Er eröffnete unweit seines Firmensitzes in der Berliner Straße 1991 die erste Aral-Tankstelle in der ehemaligen DDR. Im Jahr 2010 hat er sein Unternehmen an Sohn René übergeben. Die Werkstatt wurde erneut modernisiert und ein neuer Geschäftszweig, der Kfz-Service, wird nun mit angeboten.

Im Familienunternehmen arbeiteten in jeder Generation die Frauen der Geschäftsinhaber mit. Heute haben das Kfz-Dienstleistungsunternehmen und die Aral-Tankstelle 13 Beschäftigte. Lauchhammers Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) zollt dem Traditionsbetrieb seine höchste Wertschätzung. „Das Unternehmen gehört zu den ältesten in unserer Stadt und ist ein Vorzeigebeispiel für erfolgreiche Firmentätigkeit und gelungene Unternehmensnachfolge“, spart das Stadtoberhaupt nicht mit Lob.

(ab)