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Debatte um Schulzentrum
Wird das Schulzentrum ad acta gelegt?

Die denkmalgeschützte Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in Senftenberg soll ein Schulzentrum werden.
Die denkmalgeschützte Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in Senftenberg soll ein Schulzentrum werden. FOTO: Jan Augustin / LR
Senftenberg. Nach dem sehr ehrlichen Brief eines Schulleiters an die Senftenberger Stadtspitze soll nun für das Projekt vorerst die Reißleine gezogen werden. Von Catrin Würz

Neue Turbulenzen in der Senftenberger Schulpolitik: Nachdem vor gut einem halben Jahr die Stadtverordneten nach ­hitziger Debatte und mit einiger Skepsis die Gründung und Planung für ein neues Schulzentrum am Standort der Dr. Otto-Rindt-Oberschule in der Calauer Straße auf den Weg gebracht haben, steht das ehrgeizige Projekt jetzt wieder auf dem Prüfstand. Auf der Februar-Sitzung der Stadtverordneten in der kommenden Woche soll das Vorhaben neu überdacht werden und möglicherweise sogar die Notbremse gezogen werden.

Hintergrund für die plötzliche Wandlung ist auch ein dramatisch ehrlicher Brief des Schulleiters der Dr. Otto-Rindt-Oberschule, Frank Losch, an den Bürgermeister der Stadt Senftenberg Andreas Fredrich (SPD). Darin macht der Schulleiter auf eine weiter gesunkene Akzeptanz zum Schulzentrum im Lehrer-Kollegium und bei Eltern aufmerksam. „Die Bedenken in der Lehrerschaft wachsen, nachdem jetzt mehr und mehr Informationen über die Struktur der im Land geplanten Schulzentren bekannt wurden“, erklärt Losch auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Zudem haben sich viele Eltern in den Entscheidungsprozessen nicht ausreichend mitgenommen gefühlt. Und in der angespannten, intensiven Planungsphase mit den Architekten unter höchstem Zeitdruck sei man an die Grenzen gekommen. Schon bis Ende März müsste die Vorplanung vorliegen, um in den richtigen Fördertopf zu rutschen. „Ja, wir hatten uns vor einem Jahr noch positiv zu dem Schulzentrum positioniert. Doch jetzt sind so viele ungünstige Faktoren sichtbar geworden, dass die Zustimmung und Akzeptanz dafür enorm gesunken sind“, so Schulleiter Losch.

Die Idee, in Senftenberg ein neues Schulzentrum zu gründen, in dem die Dr. Otto-Rindt-Oberschule und die Walther-Rathenau-Grundschule verschmelzen und dafür ein moderner Anbau auf dem Oberschul-Gelände an der Calauer Straße errichtet wird, kam im Frühjahr 2017 auf. Damals stellte das Land Brandenburg für solche zusammengeführten Schulzentren Fördermittel bereit. In Senftenberg sah man durchaus auch viele Vorteile in der Verschmelzung von Grund- und Oberschule: Senf­tenberg als Schulstandort zu stärken, auf schwankende Schülerzahlen zu reagieren und gleichzeitig das bauliche Problem mit dem unter Denkmalschutz stehenden Grundschulgebäude zu lösen.

Nach dem Brief des Schulleiters Frank Losch, aber auch angesichts der finanziellen Situation der Stadt Senftenberg mit vielen anderen Haushaltserfordernissen steht jetzt freilich alles in etwas anderem Licht. „Es wäre nicht das erste Mal, dass der Ruf von Fördermitteln zu übereilten Entscheidungen führt, die nicht den vollen Sachverstand abgerufen haben“, so fasst es Ausschussmitglied Eckhart Stein während der jüngsten Sitzung des Sozial- und Bildungsausschusses zusammen. „So eine Idee wie ein Schulzentrum muss reifen“, ist er überzeugt. Fred Frahnow (Fraktion SFB) zeigt sich empört über den plötzlichen Sinneswandel der Schulleitung. „Und klar ist auch: Sollte das Projekt am 14. Februar tatsächlich abgesagt werden, muss sofort auch unsere Schulkonzeption neu überarbeitet werden“, erklärt er. Im Bildungsausschuss wird dies zuletzt als allgemeiner Konsens angesehen.

Die Stadtverordnete Kerstin Weidner (AGSUS) fühlt sich angesichts der eingetretenen Situation nachträglich bestätigt. Ihre Fraktion habe im Juni 2017 als einzige gegen das Schulzentrum gestimmt. „Weil nach unserer Meinung zu viele Fragen offen waren und es für uns ein Schnellschuss war, bei dem nur nach Fördermitteln geschielt wurde.“ In der Stadt seien zudem andere Investitionen wichtiger: Straßen, Gehwege und als nächster Brocken das Erlebnisbad mit einer notwendigen Grundsanierung, die mindestens 4,5 Millionen Euro kostet.

Offene Fragen zum Thema Schulzentrum beklagt auch Christina Nicklisch von der Fraktion UWS. Vor einem möglichen Beschluss für oder gegen das Schulzentrum erwartet sie „eine konkrete Recherche hinsichtlich der Akzeptanz der Eltern zu diesem Schultyp und eine verantwortliche Gesamtfinanzierung“.

Linken-Fraktionschef Wolf-Peter Hannig führt ebenfalls Haushaltszwänge als wichtiges Argument an. Nach seiner Auffassung wäre ein Beschluss zum Bau des Schulzentrums ohnehin nicht möglich, ohne den Haushaltsplan 2018 wegen der Fördermittelbindung massiv zu verändern. „Das wird aber nicht passieren, da andere sehr kostenintensive Investitionen für die Folgejahre anliegen, die kaum ein Stadtverordneter ablehnen möchte.“ Von der Sache her unterstützt die Fraktion der Linken jedoch das Ziel, ein möglichst langes gemeinsames Lernen für alle Schüler zu ermöglichen. Dies sei an einem Schulzentrum einfacher umzusetzen als an anderen Schulen. „Jedoch stehen auch wir in der Verantwortung, die politischen Ziele mit den gegebenen Möglichkeiten abzuwägen.“