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"Wir wollen tief in die Kiste des Theaters greifen"

Mike Hahne an seinem Bühnenbild-Modell für das heutige Premieren-Stück. Er wird außerdem die zweite Eigenproduktion der Neuen Bühne, die im Amphitheater Premiere haben wird, die "MS Madagaskar", ausstatten.
Mike Hahne an seinem Bühnenbild-Modell für das heutige Premieren-Stück. Er wird außerdem die zweite Eigenproduktion der Neuen Bühne, die im Amphitheater Premiere haben wird, die "MS Madagaskar", ausstatten. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" hat am heutigen Freitag und am Sonnabend in der Studiobühne des Theaters Premiere. Intendant Manuel Soubeyrand, der die Regie führt, hat sich den Bühnen- und Kostümbildner Mike Hahne für die Ausstattung des Stückes geholt. Heidrun Seidel

Kunstvoll in Falten gelegte rote Samtvorhänge und eine schwere Eichentür. Marmorne Säulen vorm prächtigen Palais. Der Zauber funktioniert. Und doch bleibt er durchschaubar. Genau die richtige Dosis Illusion für das Stück "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)", mit dem Manuel Soubeyrand als Regisseur seine zweite Inszenierung in seiner Intendanz an der Neuen Bühne Senftenberg zeigt. Und er hat sich als Ausstatter einen für ihn alten Bekannten gewählt: Bühnen- und Kostümbildner Mike Hahne. Mit ihm hat er bereits mehrere Stücke auf andere deutsche Bühnen, so in Cottbus, Frankfurt/Oder, Chemnitz und Rostock, gebracht. Nun ist Mike Hahne das erste Mal am Senftenberger Theater. Und dessen Intendant, sein jetziger Regisseur, hat sogar ein bisschen damit zu tun, dass ihn, den Jungen aus dem kleinen Bad Freienwalde, Theater zu faszinieren begann. Anfang der 80er-Jahre war der heute 44-jährige Bühnenbildner mit seiner Schulklasse im Berliner Ensemble in "Der kleine Prinz" und begeistert davon, wie ein Hubschrauber über die Köpfe der Zuschauer hinwegflog - er aber nicht zu sehen war. "Diese Verzauberung, die Theater möglich macht, hat mich nie mehr losgelassen", sagt Hahne. Manuel Soubeyrand spielte im Stück mit - und so wie mit ihm hat Mike Hahne inzwischen mit vielen Akteuren des damaligen "Kleinen Prinzen" gearbeitet: "Ich bin dankbar für die gute alte Schule, die ich bei ihnen lernen durfte." Immerhin war es gar nicht so selbstverständlich, dass ein Junge aus einem theaterlosen Städtchen und ohne jeglichen künstlerischen Hintergrund in der Familie diesen Weg geht. "Doch ich wollte unbedingt mitmischen beim Verzaubern." Auch wenn er anfangs noch gar nicht genau wusste, wie er mitmischen wollte. So ist er nach dem Abitur nach Berlin gegangen, hat Karten abgerissen, beim Bühnenaufbau geholfen, Kostüme genäht, kleine Rollen gespielt und nach der Vorstellung an der Bar die Getränke verkauft. Bis schließlich klar war: Bühnenbildner zu sein, ist seine Mission. So studierte an der Kunsthochschule Weißensee und arbeitete gleichzeitig schon an Bühnen.

Inzwischen hat Mike Hahne gefeierte und aufsehenerregende Bühnenbilder und Kostüme entworfen, sowohl an deutschen als auch internationalen Bühnen, wie in Finnland, Tschechien, Slowenien und sogar Japan gearbeitet, und, wie er selbst sagt, "den Schauspieler in seinem Spiel unterstützt und ihm eine zweite Haut gegeben und einen Raum, in dem er sich wohlfühlen kann". Dafür hat er sich zuvor Monate lang mit dem Stoff beschäftigt und in Gesprächen mit dem Regisseur und anderen Mitstreitern die Ideen erarbeitet, ehe er ein Modell des Bühnenbildes gebaut und die Entwürfe für die Figurinen - die Kostüme - aufs Papier gebracht hat, die dann schließlich in den Theaterwerkstätten umgesetzt werden. Wenn Mike Hahne von diesem Entstehungsprozess erzählt, leuchten seine Augen. "Da komme ich aus dem Grinsen nicht mehr raus", nennt er diese Liebe zu seinem Beruf. Bis zur letzten Minute perfektioniert er seinen Anteil am Gesamtkunstwerk, bis ins kleinste Detail. Schließlich soll das gelingen, was ihm so wichtig ist: der Live-Moment, mit dem Theater so faszinieren kann. Für "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)" hat er das Bühnenbild jenem Globen Theatre, dem elisabethanischen Theatergebäude am Südufer der Themse in London, das 1599 erbaut und vor allem durch Aufführungen von William Shakespeares Werken einen bedeutenden Platz in der Theatergeschichte bekommen hat, nachempfunden. Und auch die Kostüme, die Männer in Strumpf- und Pumphosen wie zu Lebzeiten des seit über 400 Jahren gespielten Schriftstellers zeigen, gehören dazu wie Frauenrollen von Männern spielen zu lassen. "Wir wollen tief in die Theaterkiste greifen", nennt er das. Dieser Funke des Spaßes am rasanten Spiel, den die Schauspieler zeigen, steckt jedenfalls an.

Zum Thema:
In einer halsbrecherischen irrwitzigen Achterbahnfahrt jagen mit spürbarer Spielfreude Tom Bartels, Simon Elias und Roland Kurzweg durch Shakespeares Werk - heute und morgen zur Premiere um 19.30 Uhr in der Studiobühne, dann wieder am 18. April und 22. Mai um 19.30 Uhr, am 26. Mai in Lübbenau - und danach wird es für Lachsalven im Amphitheater sorgen: am 12., 13. und 28. Juni um 20 Uhr. Karten unter 03573 801286. Das Stück, das mindestens 37 Shakespeare-Stücke mit 1834 Rollen von 150 Stunden kühn und humorvoll auf 90 Minuten schrumpft, haben die Amerikaner Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield für drei (!) Schauspieler verfasst. Als "hübsches Gaudi", "durchaus mit Hintersinn" und "wildes und teils gar wüstes Comedy-Feuerwerk" rezensiert, begeistert es das Publikum mit vielen Wortspielen und Anspielungen.

Simon Elias (l.) und Tom Bartels beim unbändigen, rasanten und lustvollen Spiel in ständig wechselnden Rollen. "Das Ganze ist eine Comedy in allerfeinster Slapstick-Tradition, ist geistvolles und humorvolles Entertainment", heißt es in der Ankündigung.
Simon Elias (l.) und Tom Bartels beim unbändigen, rasanten und lustvollen Spiel in ständig wechselnden Rollen. "Das Ganze ist eine Comedy in allerfeinster Slapstick-Tradition, ist geistvolles und humorvolles Entertainment", heißt es in der Ankündigung. FOTO: Steffen Rasche